Im eigenen Herzen beheimatet sein - auf der SchulerhalterInnen und DirektorInnentagung der NMS

schulerhalter120Die Gesamtösterreichische Tagung der SchulerhalterInnen und DirektorInnen katholischer NMS 2018 fand in dieser Woche in Stift St. Georgen am Längsee statt. So vielfältig wie das Wetter waren auch die Themen, die angesprochen wurden. Startete man bei tiefstem Winter und Tiefschnee, entwickelte das Wetter hin zu Sonnenschein und schönstem Tauwetter- alle Facetten der Palette. P. Antonio Sagardoy, Birgit Leitner, Wolfgang Endres, Helmut Klauninger und Winfried Schluifer führten mit Vorträgen durch das Programm.

P. Antonio Sagardoy, Karmelit und Bischofsvikar der Orden in der Diözese Gurk, startete mit einem Nachmittag unter dem Motto „Kraftquellen aus der Tiefe“. In seinem tiefsinnigen Vortrag gab er den ZuhörerInnen viele Gedankenansätze mit auf den Weg: „Einem jeden Christen wurde als Mitglied der Kirche eine unersetzliche Aufgabe zum Wohle aller aufgetragen. Diese individuelle Aufgabe ist nicht übertragbar und liegt immer dort, wo man selbst der Nächste ist. Es leistet also jeder einzelne seinen Beitrag und hat Einfluss auf die anderen, der entscheidend ist, im Sinne von „Ein Leben führen, das Gott in der Welt sichtbar macht. Seien es Vertrauen, Güte, Treue, Trost etc.- Jeder Mensch hat irgendeine Fähigkeit, die entscheidend ist.“ Drei Punkte sind für Sagardoy zentral: 1.) Die „krankhafte Unverbindlichkeit“. Der Vortragende sieht eine durch unsere heutige Mobilität entstehende Heimatlosigkeit, die die Frage aufruft, wie man sein Leben gestalten soll. 2. „Im eigenen Herzen beheimatet sein.“ Aus dem Innersten heraus entsteht die Ausstrahlung des eigenen Wesens, je gesammelter man in seinem Innersten lebt, umso stärker ist die eigene Ausstrahlung, aber auch der persönliche Stempel, den man mitträgt. 3. „Wer nicht von Innen bewegt ist, braucht immer mehr Stimulantien wie Konsum, Reize oder Aktionen“. In „Laudato si“ findet sich dazu ein Lösungsansatz: Weniger ist mehr bzw. Wachstum mit Mäßigkeit. Sagardoy schließt mit den Hinweisen, dass „wer nur gelegentlich in die Tiefe geht, erreicht keine vollendete Tiefe“ und „das Wesentliche des Glaubens ist die Verwirklichung der Liebe, denn am Abend des Lebens werden wir nach der Liebe gefragt“.

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P. Antonio Sagardoy und Rudi Luftensteiner (mschauer)

Am zweiten Tag der Tagung führte Wolfgang Endres die SchulerhalterInnen ein in die Resonanzpädagogik. Mit vielen greifbaren Beispielen machte er das plastisch und regte zur Auseinandersetzung mit der Frage an: „Wann fühlt sich das Leben gut an?!“ Warum es überhaupt eine Resonanzpädagogik braucht, erklärt Endres: „Weil wir Menschen im Kern Beziehungswesen sind. Wir haben eine Grundsehnsucht nach einer Welt, die uns antwortet. Auf die Schule übertragen heißt das: Bildung gelingt, wenn die Welt zu den Schülerinnen und Schülern spricht. Oder, wie Hartmut Rosa es sagt: „Wenn es in Klassenzimmern knistert.“ Dazu braucht es gute Sozialbeziehungen - zwischen Kindern und Pädagogen, aber auch unter SchülerInnen und Schülern. Schulen betonen oft zu sehr die Idee der Kompetenz. Es geht darum, Techniken zu beherrschen, im Wettbewerb zu bestehen. Andere sehr wichtige Dinge fallen unter den Tisch: Achtsamkeit, das Wahrnehmen, das Verweilen bei den Fragen. Oft werden viel zu rasch Antworten erwartet. Dabei ist es etwas völlig anderes, eine Sache selbst herauszufinden, als sie aufs Auge gedrückt zu bekommen. Übrigens: Menschen, die zu häufig mit flotten Antworten bedient werden, erwarten dann auch später in Problemsituationen sofort die Lösung.“ Wie man in eine motivierende Aufwärtsbewegung kommt, erklärt Endres: „Das ist eine Frage der inneren Haltung. Ich kenne als Lehrer selbst die innere Abwehr gegenüber störenden Schülern. Wenn es mir gelingt, diese Störung nur als Signal zu sehen, dass das Kind auf sich aufmerksam machen will, dann ändert sich oft etwas. Ich gehe also innerlich davon aus, dass dieser Schüler in seinem tiefen Inneren froh wäre, wenn er an meinem Unterricht oder Angebot interessiert teilnehmen könnte. Keines seiner Signale spricht dafür, aber ich nehme es innerlich vorweg. Dann fühlen sich solche Schüler in der Mehrheit der Fälle angenommen und reagieren positiv. Das ist Resonanz.“

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Wolfgang Endres (mschauer)

Helmut Klauninger, Pfarrer und Religionslehrer in Gänserndorf, setzt sich mit Schulpastoral auseinander. Er sieht dort den Weg von der Pflichtübung zur Angebotsübung: „Was bedeutet Schulpastoral?“

1.    - Wie sieht es mit der Freiwilligkeit aus? Freiwillige Veranstaltungen, Angebote zu machen, von denen wir glauben, dass sie gut, richtig und wichtig sind, aber trotzdem den Freiwilligkeitscharakter zu bewahren - auch ohne subtilen Druck „Es ist aber schon SCHÖN, wenn alle kommen…“

2.    - Subjektorientierung, der Einzelne mit seinen Bedürfnissen steht im Mittelpunkt.

3.    - Partnerschaftlichkeit - Schule ist ein asymmetrisches Beziehungssystem, die Hierarchie unter Lehrern und Schülern ermöglicht keine Zusammenarbeit auf direkter Augenhöhe. Das Rollengefälle bleibt. Das muss bei Schulpastoralen Angeboten berücksichtigt werden. Hier sollte man ganz bewusst auf relative Symmetrie achten.

4.    - Kooperation: Innerschulisch und außerschulisch, es braucht Vernetzung im Kanon der Hilfsangebote.

5.    - Gastfreundschaft

6.    - Ökumene und Interreligiosität.

Er gibt den Zuhörenden Fragen zur Reflexion mit auf den Weg: Ist das System Schule ein systemkritisches? Sehen wir auch Benachteiligungen? Wie weit sind Dinge, die wir anbieten, zu bewerten? Fördern sie Gerechtigkeit?

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Der Donnerstag galt dem Teambuilding und startete mit einem wunderbar gestalteten Gottesdienst der SchülerInnen der NMS Maria Loretto in der Basilika in St. Andrä im Lavanttal. Eine Schulführung und Mittagessen in der NMS rundeten den Vormittag ab. Der Nachmittag wurde im schönsten Wetter bei einer Stadtführung und Besuch der Ausstellung „500 Jahre Klagenfurt“ und einer Fahrt zum Pyramidenkogel begangen.

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NMS Maria Loretto (mschauer)

Die Tagung findet heute Mittag ihren Abschluss.

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