#otag17: Aufbruch bewegt – am Beispiel des Wunders von Volkenroda

20171128 otag17 koehler 120„Alles beginnt mit Gebet!“ Das ist für Ulrike Köhler von der ökumenischen evangelischen Kommunität der Jesus-Bruderschaft der wichtigste Beitrag für das Wunder von Volkenroda. Köhler sprach beim Ordenstag am 28. November 2017 vor rund 500 Ordensoberinnen, Ordensoberen und leitenden Verantwortlichen bei den Orden über das „Verfallen und Aufbauen“ des 1131 gegründeten Zisterzienserklosters, das über 400 Jahre lang ein segensreicher Ort war, dann aufgehoben wurde, verfiel und für Besucher gesperrt werden musste. In den 1990-er Jahren begann dann „durch Gottes Humor“ und Schritt für Schritt der Wiederaufbau und die „Auferstehung“ Volkenrodas als geistliches Zentrum (#otag17).

„Voraussetzung für den Wiederaufbau war die politische Wende, der Fall des Eisernen Vorhangs“, sagt Köhler. Volkenroda hatte 170 Einwohner, war der letzte Ort in Ostdeutschland, ein sterbendes Dorf. Und sie berichtete vom Aufbruch bei ihr selber, in der Gemeinschaft, im Dorf und in der Kirche. Die in der DDR geborene und aufgewachsene Köhler studierte in Leipzig Landwirtschaft und zog mit ihrem Mann 1978 nach Volkenroda. Eine Krise brachte die Wende. Köhler wurde arbeitslos und „ich kam in eine große innere Not“. Sie ging in die Klosterkirche, begann zu beten und hatte eine tiefe Gotteserfahrung. „Diese alte romanische Kirche brachte mir einen tiefen Frieden.“ Sie und ihr Mann begannen nun mit Schaufeln und Scheibtruhe den Schutt aus der Kirche zu räumen und wieder Ordnung zu machen. Köhler wurde zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin von Volkenroda gewählt und auch die Gemeindevertretung begann, die verfallene Kirche und Kloster wieder wahrzunehmen. Viel Geld wurde locker gemacht, es begann ein Bauboom, Kloster und Kirche wurden renoviert. Motto dabei war: „Aus den Fundamenten von gestern mit den Materialien von heute für morgen zu bauen!“ 1994 kam es zur „Auferstehung der Gebetszeiten“.

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Über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Ordenstag 2017 in der Konzils Gedächtnis Kirche in Lainz (Alle Fotos: Kati Bruder)

„Wir machen ein Kloster“

Als die Gemeinde ein Nutzungskonzept für Volkenroda verlangte, beschloss man: Wir machen ein Kloster. Doch woher die Mönche nehmen? Viel wurde gebetet, um eine Lösung zu finden. Es kam schließlich zu Kontakten mit der evangelischen Jesus-Bruderschaft in Gnadenthal im Taunus, die sich nach vielen Gesprächen und Gebeten entschloss, nach Volkenroda zu ziehen. Und auch die Gemeindevertreter stimmten zu 100 Prozent zu, dass Volkenroda ein geistlicher Ort wird. 1994 kamen die ersten Brüder, dann Familien. „Das Dorf nahm Kloster und Kirche wieder wahr“. Die Glocken läuteten wieder und Kinder aus dem Dorf kamen zum Abendgebet. Nach ersten Befürchtungen unter der Bevölkerung, ob die Jesus-Bruderschaft nicht doch eine Sekte sei, „ist auch bei den Leuten das Vertrauen gewachsen“. Dazu verhalf vor allem der Bauenrhof, der aufgebaut wurde und als Brücke zum Dorf diente. 2001 kam dann der Christus-Pavillon nach Volkenroda, der zu den 100 bedeutendsten Kirchen Deutschlands gehört. Nun kamen immer mehr Besucher, sogar in Busgruppen. Das Dorf wurde herausgeputzt.

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Ulrike Köhler vom Kloster Volkenroda

In der Krise nicht aufgeben

2002 kam es zu einer finanziellen und geistigen Krise in der Jesus-Bruderschaft. Es gab kein Geld mehr und nach einer Visitation in Gnadenthal wurde geraten, eine neue Leitung der Jesus-Bruderschaft zu wählen. Die Jesus-Bruderschaft Volkenroda entschloss sich zu einem Neuanfang und es entstand Volkenroda als zwar mit Gnadenthal verbundene, aber selbstständige Jesus-Bruderschaft.

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Magdalena Schauer vom Medienbüro in Aktion

Aufbruch und Umbruch in Umgebung und Kirche

Das Kloster Volkenroda liegt 50 km entfernt von Luther-Heimatort Eisenach. In Thüringen sind 10 Prozent Christen, etwa zwei Prozent von ihnen gehen zum Gottesdienst. Köhler: „Eine geistliche Krise ist in Thüringen unübersehbar, viele Menschen, geprägt vom Sozialismus, wissen nichts über Jesus, das Gebet, was Weihnachten und Ostern ist.“ Auch hier hat Volkenroda als geistlicher Ort zu einer Veränderung beigetragen. „Die kirchlichen Tagungen beginnen jetzt immer mit einem Gebet.“  Erprobungsräume wure geöffnet, z.B. in Sportvereinen, damit die Menschen mit Glauben in Berührung kommen.

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Freude an den Stofftaschen mit den zehn verschiedenen Botschaften der Ordensgemeinschaften (www.5vor12.at  

Kontemplatives und aktives Leben

Die evangelische Jesus-Bruderschaft in Volkenroda besteht aus 15 Mitgliedern. Ledig und verheiratet, auch Familien, „kontemplative und aktive Geschwister“. So habe ein Mitglied der Bruderschaft in der Nähe eine Firma aufgebaut, die 200 Angestellte habe. „Wir in der Kommunität der Jesus-Bruderschaft leben ein geistliches Leben und beten für die Einheit der Christen. Wir haben (noch) keine Regel und alle unsere Entscheidungen müssen einmütig gefällt werden!“ Das gibt „viel gesegnete Spannung“. Das jüngste Mitglied der Jesus-Bruderschaft in Volkenroda ist 28 Jahre alt, das älteste 77. Dazu gibt es noch aktive Mitglieder in den Döfern ringsum und 120 Förderungsmitglieder in  ganz Deutschland. Es gibt drei Gebetszeiten und an jedem Tag die Abendmahlsfeier. Ein Gästehaus, eine Jugendbildungsstätte, ein Bauernhof und der monatlich stattfindende Bauernmarkt mit dem Handel von Kleintieren sind fixer Bestandteil von Volkenroda. „Beim Eingang bekommen alle einen Zettel mit einem Bibelwort.“ Es gibt sechs Hauskreise: Leute von außerhalb werden zum Essen eingeladen, über den Glauben zu sprechen und miteinander zu beten – eine Art Hauskirche. Wochenenden der Stille werden angeboten, Lektoren werden ausgebildet, die kleine Andachten halten. In Krisen bekommen Menschen in Volkenroda Gehör und Begleitung, das ist „Seelsorgearbeit und eine große Chance, über den Glauben ins Gespräch zu kommen“. Die größte Veranstaltung von Volkenroda sind Jugendcamps. Rund 50.000 Menschen kommen jedes Jahr nach Volkenroda. Köhler: „Gott hat es gewollt, dass Volkenroda wieder ein geistliches Zentrum wird. Er hat dieses geistliche Leben geschenkt.“ Aufbruch bewegt. Am Beispiel Volkenroda hat Köhler die wichtigsten Punkte abschließend noch einmal zusammengefasst:
1. Alles beginnt mit Gebet!
2. Persönliche Hingabe
3. Einheit mit den Beteiligten
4. Wir sind gesandt in die Welt, um anderen von unserem Glauben zu erzählen
5. Nicht aufhören, sich nicht entmutigen lassen, auch nicht durch Krisen.

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Nuntius Peter Zurbriggen mit Ulrike Köhler im Gespräch und Austausch

Aufbruch in der Abtei Waldsassen

Dass Klöster in die Gesellschaft hineinwirken und Menschen berühren, wurde beim Ordenstag ebenso am Beispiel der deutschen Zisterienserabtei Waldsassen deutlich. Äbtissin Laetitia Fech ist dort verantwortlich für ihren Konvent mit zwölf Schwestern, die Betreuung der Stiftsbibliothek, eine Mädchenschule, ein Kultur- und Begegnungszentrum und für das Gästehaus St. Joseph. Waldsassen sei ein Ort, der Menschen anziehe, so Fech in einer Video-Botschaft an die TeilnehmerInnen des Ordenstages. Die Abtei bietet neben kulturellen und touristischen auch seelsorgliche Angebote. Menschen vertrauten den Schwestern der Abtei immer wieder ihre Sorgen an, erzählte Fech im Video. "Per E-Mail bitten viele um das Gebet für ihre Anliegen und das nehmen wir sehr ernst". Eine spirituelle Note werde auch im Gästehaus der Schwestern spürbar. "Die Menschen spüren, dass ein Klostergästehaus etwas anderes ist als ein Hotel", so die aus Krankheitsgründen verhinderte Äbtissen. Die Botschaft, jeder sei hier willkommen unabhängig von Religion und Herfkunft, komme bei den Besuchern an. "Sie spüren, dass wir aus dem Glauben und unserer persönlichen Gottesbeziehung dem Menschen begegnen wollen."

Das Pressefoto zum Download

[hw]

 

 

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