Abt Reinhold Dessl: "Franz Jägerstätter war eine moderne Leitfigur des Glaubens"

2014 05 22 jaegerstetter 120Franz Jägerstätter war eine "moderne Leitfigur des Glaubens, die auch junge Menschen anspricht": Das sagte Abt Reinhold Dessl, dessen Zisterzienserstift Wilhering heuer im Mittelpunkt des alljährlichen Gedenktages des Seligen in der Diözese Linz am 22. Mai stand. Im Fokus von Veranstaltungen im Linzer Mariendom, in Jägerstätters Heimat St. Radegund und im Stift Wilhering standen neben Jägerstätter auch die Schicksale der Ordensmänner im Konvent von Wilhering.

Das Zisterzienserstift beging den Jägerstätter-Gedenktag in Anwesenheit von Diözesanbischof Ludwig Schwarz auf dreifache Weise: mit der Präsentation des neuen Buchs von Jägerstätter-Biografin Erna Putz und Thomas Schlager-Weidinger, einem Vortrag von Abt Pater Reinhold Dessl über Zeugnisse von Wilheringer Patres in der NS-Zeit und einer Eucharistiefeier in der Stiftskirche.

Himmlische Cloud

Abt Dessl hob hervor, dass es so etwas wie eine "himmlische Cloud" gebe, in der die Biografien von Glaubenszeugen bei Gott gespeichert seien. "Wir sind eingeladen, sie manchmal herunterzuladen." In seinem Vortrag über den Widerstand der Patres aus dem Stift Wilhering gegen das NS-Regime gab der Abt bewegende Einblicke in die Geschichte des Stifts und das Schicksal einiger Patres. "Die Zeugnisse der Mitbrüder sind berührend, denn sie zeigen: Sie sind beim Zugrundegehen auf den tragenden Grund gestoßen."

Sechs Wilheringer Patres schlossen sich zu Beginn des Zweiten Weltkrieges der Großösterreichischen Freiheitsbewegung an und landeten daraufhin im Gefängnis. Abt Bernhard Burgstaller (1886 - 1941), der in das Vorhaben nicht eingeweiht war, wurde verhaftet und starb am 1. November 1941 im Gefängnis in Anrath bei Krefeld im Rheinland an Entkräftung.

Plädoyer gegen falsches Führertum

Pater Konrad Just (1902-1964), ein energischer Prediger gegen den Nationalsozialismus und auch "Don Camillo des Mühlviertels" genannt, verbrachte sieben Jahre in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald. Kurz nach Kriegsende 1945 schrieb er seine Erinnerungen an die furchtbaren Erlebnisse in den Lagern nieder. Sie sind eine Dokumentation des Grauens, aber auch ein Dokument der Erfahrung der Nähe Gottes inmitten des Schreckens. Falsches Führertum prangerte Konrad Just mit den Worten an: "Der Autorität ist nur soweit zu gehorchen, als sie nichts Sündhaftes befiehlt." Abt Dessl in seinem Vortrag: "Diese Worte hätte wohl auch Franz Jägerstätter unterschrieben."

Im Linzer Mariendom wurde bei der Jägerstätter-Stele ein Mittagsgebet gefeiert, das von Pax Christi gestaltet wurde. In St. Radegund, der Heimat von Franz und Franziska Jägerstätter, wurden ein Mittagsgebet und eine Gedenkmesse gefeiert.

Quelle Foto: Diözese Linz

[rs]