Schulbrüder: Bewegender Abschied von Schloss Laubegg

Abschied in Dankbarkeit: Im Rahmen eines Festgottesdienstes wurde der Abschied der Schulbrüder von Schloss Laubegg gemeinsam gefeiert. © Gemeinde Ragnitz
Mit einem bewegenden Festgottesdienst und zahlreichen Gästen aus Kirche, Orden, Politik und Bevölkerung ging auf Schloss Laubegg ein bedeutendes Kapitel zu Ende: Nach 94 Jahren endet die Präsenz der Kongregation der Brüder der Christlichen Schulen auf Schloss Laubegg, einem Ort, der über Generationen hinweg für Glauben, Bildung und gelebte Gemeinschaft stand.
Bürgermeister Manfred Sunko hieß bei der feierlichen Abschlussveranstaltung ganz besonders die Vertreter des Ordens willkommen – Bruder Paul aus Wien-Strebersdorf, Bruder Peter und Bruder Jacek aus Bratislava sowie die beiden letzten in Laubegg verbliebenen Ordensbrüder, Direktor Bruder Werner Flatz und Bruder Johannes Walles.
Ein Ort mit großer Geschichte
Die Geschichte der Christlichen Schulbrüder in Laubegg begann im Jahr 1932, als der Orden das Schloss von Gräfin Mathilde von Stubenberg erwarb. Zwar konnte die ursprünglich geplante Internatsschule aus wirtschaftlichen Gründen nicht verwirklicht werden, doch entwickelte sich Schloss Laubegg rasch zu einem bedeutenden geistlichen Zentrum des Ordens in Österreich.
Mit der Verlegung des Noviziats von Wien-Strebersdorf nach Laubegg im Jahr 1934 wurde das neu gegründete Kloster „Maria Laubegg“ zu einem zentralen Ort der Ordensausbildung. Zahlreiche junge Männer wurden hier auf ihre Aufgaben als Schulbrüder vorbereitet. Das geistliche Leben, die Ausbildung und die enge Verbundenheit mit der Bevölkerung prägten über Jahrzehnte den Alltag auf dem Schloss.
Schwierige Zeiten und Neubeginn
Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Schloss enteignet und von den Nationalsozialisten genutzt. Die Ordensgemeinschaft musste ihre Tätigkeit weitgehend einstellen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kehrten die Brüder jedoch zurück und bauten Schloss und Kloster mit großem Engagement wieder auf.

Mit der Verlegung des Noviziats von Wien-Strebersdorf nach Laubegg im Jahr 1934 wurde das neu gegründete Kloster „Maria Laubegg“ zu einem zentralen Ort der Ordensausbildung. © MeinBezirk/Waltraud Fischer
Ab 1948 wurde das Noviziat wieder aufgenommen. Bis 1980 blieb Laubegg ein wichtiger Ausbildungsstandort für den Ordensnachwuchs. Darüber hinaus entwickelte sich das Schloss zu einem beliebten Ort für Schullandwochen, Exerzitien, Fortbildungen, kulturelle Veranstaltungen und Begegnungen.
Vom Ausbildungszentrum zum Ort des Lebensabends
Mit dem Rückgang der Ordensberufungen änderte sich im Laufe der Jahre die Nutzung des Schlosses. Das Noviziat wurde 1989 verlegt, doch Laubegg blieb weiterhin Lebensmittelpunkt vieler Ordensbrüder. Auch nach dem Verkauf von Schloss und Liegenschaften an das Steirische Rote Kreuz im Jahr 2002 blieb die Niederlassung bestehen. Für zahlreiche Schulbrüder wurde Laubegg zu einem Ort des Lebensabends, der von Gemeinschaft, gegenseitiger Unterstützung und tiefer Spiritualität geprägt war.
Dankbarkeit und Abschied
Im Mittelpunkt der Feier stand die Verabschiedung von Direktor Bruder Werner Flatz und Bruder Johannes Walles sowie die Würdigung ihres jahrzehntelangen Wirkens. In persönlichen Worten erinnerte Bürgermeister Manfred Sunko an die große Bedeutung der Schulbrüder für die Gemeinde und die gesamte Region.
„Die einzige Konstante in unserem Leben ist die Veränderung“, betonte der Bürgermeister. Mit dem Abschied der letzten Ordensbrüder gehe eine beinahe hundertjährige Geschichte zu Ende, deren Spuren jedoch dauerhaft sichtbar bleiben werden. Als Zeichen des Dankes überreichte die Gemeinde ein Erinnerungsbild an die Brüder. Viele Besucherinnen und Besucher zeigten sich sichtlich bewegt von diesem historischen Moment.

Bewegender Moment: Bürgermeister Manfred Sunko überreicht Direktor Bruder Wernder Flatz ein Erinnerungsbild. © Gemeinde Ragnitz
Ein Vermächtnis, das bleibt
Die Christlichen Schulbrüder haben das religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Leben in Laubegg und weit darüber hinaus nachhaltig geprägt. Generationen von Menschen fanden hier Bildung, Orientierung, Gastfreundschaft und spirituelle Heimat. Mit dem Ende der Ordensniederlassung schließt sich zwar ein bedeutendes Kapitel der Geschichte von Schloss Laubegg, das Vermächtnis der Schulbrüder aber bleibt lebendig. Es lebt weiter in den Erinnerungen der Menschen, in den Begegnungen vergangener Jahrzehnte und in der besonderen Ausstrahlung dieses geschichtsträchtigen Ortes.
„Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens.“ – dieser Leitsatz prägte die Feier und brachte die Stimmung des Abends treffend auf den Punkt. Schloss Laubegg verabschiedete eine Gemeinschaft, die über 94 Jahre hinweg zu einem festen Bestandteil der Region geworden war.
Text: Waltraud Fischer, Redaktion „MeinBezirk“, veröffentlicht auf meinbezirk.at