20. Oktober 2026

Stift St. Lambrecht: Symposium suchte nach „rechtem Maß“ in der Seelsorge

Von 15. bis 17. Oktober 2026 fand im Stift St. Lambrecht anlässlich des 950-Jahr-Jubiläums des Benediktinerstifts ein Symposium über das Zusammenspiel von Kloster und Seelsorge statt. Den Hauptvortrag hielt Abt Johannes Eckert aus der Benediktinerabtei St. Bonifaz in München über die Botschaft des Hl. Benedikt für heute.

Abt Johannes Eckert sprach beim Symposium im Stift St. Lambrecht über die Botschaft des Hl. Benedikt für heute.

Abt Johannes Eckert sprach beim Symposium im Stift St. Lambrecht über die Botschaft des Hl. Benedikt für heute. (c) Thomas Stanzer

 

Unter dem Titel „Suche Frieden und jage ihm nach“ sprach Abt Johannes Eckert über die Bedeutung der Regel des Hl. Benedikt für unsere Zeit. Immer wieder daraus zitierend, meinte er, das Leben sei ein Balanceakt und ein Ringen nach dem rechten Maß in einer komplexen Welt, die einfache Lösungen suche, obwohl das in aller Vielfalt kaum möglich sei. „Benedikt von Nursia lebte in einer ähnlich instabilen Zeit wie wir heute“, sagte er, „das römische Reich zerfällt, die Völkerwanderung ist voll im Gange, das Altertum geht ins Mittelalter über“. In dieser Zeit suchte der Hl. Benedikt nach „dem rechten Maß, damit die Starken etwas finden und die Schwachen nicht davonlaufen“. Friede sei für Benedikt nicht selbstverständlich, sondern verlange nach Mühe und Anstrengung.

 

Zum Erreichen des Friedens im Inneren wie in der Welt rundum verwies Abt Johannes Eckert auf die Grundlage benediktinischen Lebens: „Ora, labora et lege – bete, arbeite und lies“. Beten bedeutet für ihn, Gott in allem zu suchen und auf diese Weise die Unbegreiflichkeiten des Lebens auszuhalten – etwas, das nicht nur Mönchen zugeschrieben sei, sondern jedem Menschen guttue. Er verwies auf die Psalmen, die Hader und Anklage ebenso enthalten wie Lob und Dank. Lesen bedeute für ihn, sich mit alten Kirchentexten zu beschäftigen, den katholischen Vätern, den Mönchsvätern, mit der Bibel oder mit der Regel des hl. Benedikt. Das Arbeiten sei nötig, weil „Müßiggang der Seele Feind ist“, zitierte der Abt von St. Bonifaz. Die Arbeit sei die stabile Komponente der Benediktiner, zu der auch die Gastfreundschaft zu zählen sei. Die Arbeit gebe Halt, sie lehre Geduld und Durchhaltevermögen.

 

Erweiterung um zwei Aspekte

„Für die Stabilität braucht es auch die Reduktion, damit es gut weitergehen kann“, meinte Abt Johannes Eckert, der die Regelworte um zwei Aspekte erweiterte: Essen und Schlafen. Das gemeinsame Mahl habe einen hohen Stellenwert wie der Tischdienst als Dienst an den anderen. Ein gutes Essen gehöre ebenso zur benediktinischen Spiritualität wie das Fasten. Heute brauche es Mut zum Verzicht in einer Kultur, die ständig zu feiern scheine, erklärte er. Der Schlaf wiederum diene nicht nur der Erholung, sondern verhelfe zu mehr Gelassenheit. „Wer an die Auferstehung glaubt, kann getrost schlafen gehen, wissend, dass es jedenfalls ein Aufstehen geben wird.“

 

Über allem stehe ein Leben im rechten Maß – nicht zaudernd, aber auch nichts überstürzend, vielleicht auch einmal hinfallend, aber immer wieder aufstehend mit dem Ziel, gut weiterzumachen. Das Vorbild sei Jesus, der „ohne Strategie und Pastoralplan einfach für die Menschen da war“, sagte der Münchner Benediktiner.

 

Weitere Vorträge und Workshops

Neben dem Hauptvortrag von Abt Johannes Eckert referierten bei dem Symposium die Freiburger Kirchenhistorikerin Daniela Blum, die neue Linzer Fundamentaltheologin Isabella Bruckner und der Grazer Pastoraltheologe Bernd Hillebrand. Blums Vortrag führte zurück in die Zeit des 546 verstorbenen Hl. Benedikt und skizzierte das Zusammenspiel von Kirche und Staat im Frühmittelalter und die Geschichte des Stiftes. Bruckner und Hillebrand betrachteten aus jeweils unterschiedlichen theologischen Perspektiven die Bedeutung des Mönchtums in Vergangenheit und Gegenwart.

 

Weiters umfasste das Symposium Angebote von Workshops der Leiterin des Österreichischen Pastoralinstituts (ÖPI), Gabriele Eder-Cakl („Christliche Gemeinschaft!? Einblicke in Praxisformen einer zeitgemäßen Pastoral in Österreich“), des Bozen/Brixner Theologen Alexander Notdurfter („Das Prinzip einer pastoralen Gastlichkeit“) und von P. Martin Werlen von der Propstei St. Gerold/Vorarlberg („Mystik als klösterliche und pastorale Grundhaltung zwischen Seelsorge und Selbst-Sorge“).

 

Festgottesdienst zum Kirchweihfest

Am 18. Oktober 2026, dem Kirchweihfest im Stift St. Lambrecht, fand außerdem ein Festgottesdienst mit Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl statt. Er verwies auf die Bedeutung der Benediktinerklöster für das Miteinander in der Gesellschaft – insbesondere für die persönliche Gottsuche und für den Umgang mit Konflikten. Er bezeichnete das monastische Leben als „eine wirkliche ‚Schule des Daseins‘“. Der Bischof betonte dabei die Beispielfunktion des Klosters für gemeinschaftliche Lebensformen, die Gottsuche und den Umgang mit Konflikten.

 

Wechselvolle Geschichte

Die Wurzeln von Stift St. Lambrecht reichen in eine Zeit zurück, als die Obersteiermark noch weitgehend von Wäldern geprägt war. Als Gründer gilt Markward von Eppenstein, einer der bedeutendsten Vertreter jenes Adelsgeschlechts, das im Hochmittelalter zu den mächtigsten Familien im Südosten des Reiches zählte. Die Eppensteiner stellten Herzöge von Kärnten und Markgrafen der Kärntnermark und waren das erste einheimische Herzogsgeschlecht Kärntens. Ihr Name geht auf die Burg Eppenstein bei Obdach zurück, die eine wichtige Verkehrsverbindung über die Alpen kontrollierte.

 

Historische Forschungen zeigen, dass Markward bereits vor seinem Tod 1076 mit dem Aufbau eines Klosters im Tal der Mur begonnen hatte. Vollendet wurde die Gründung jedoch erst von seinem Sohn, Herzog Heinrich III. von Kärnten. Die politischen Konflikte des Investiturstreits verzögerten das Vorhaben über Jahrzehnte. Erst 1096 erhielt das Kloster eine kaiserliche Bestätigung, 1109 folgte die päpstliche Anerkennung. Das Jahr 1076 gilt dennoch als Gründungsjahr und bildet die Grundlage für das Jubiläum.

 

Quellen: Diözese Graz Seckau; kathpress