Sr. Maria Schlackl fordert Gesetz gegen sexuelle Ausbeutung

Sr. Maria Schlackl, engagierte Ordensfrau an der Seite von Betroffenen: „Eine Frau sagte einmal, ich sei die Erste, die sie menschlich behandelt.“ © Martin Maria Eder
Das meiste spiele sich im Dunkelfeld ab und es sei höchste Zeit, einzugreifen, appellierte Sr. Maria Schlackl in dem Interview an die politisch Verantwortlichen. Es brauche Stimmen, die dieses ausbeuterische System zur Sprache bringen, betonte die Ordensfrau: „In anderen EU-Ländern passiert das schon auf Gesetzesebene!“ Schlackl wünscht sich für Österreich rechtlich das nordische Modell, das auf Entkriminalisierung der Opfer, staatliche Ausstiegshilfen, Aufklärungsarbeit und Bewusstseinsbildung sowie einem Sexkaufverbot beruht.
2014 hat Schlackl die Initiative „Aktiv gegen Menschenhandel – aktiv für Menschenwürde in Oberösterreich“ gegründet, die auch vom Verein SOLWODI (Solidarity with women in distress) getragen wird. Die Plattform macht immer wieder durch Vorträge, Diskussionsrunden und persönliche Gespräche den Zusammenhang von Sexkauf und Menschenhandel deutlich und weist darauf hin, dass Menschenhandel nicht nur in fernen Ländern, sondern auch in Österreich geschieht. Auch hier gebe es einen Markt für die „Ware Mensch“, bekräftigt Schlackl – „gesteuert und betrieben von globalen und lokalen kriminellen Netzwerken“.
Österreich von Menschenhandel betroffen
Österreich ist durch seine Lage im Zentrum Europas vom Menschenhandel als Transit- und Zielland betroffen. Hierzulande ist der Menschenhandel in Form von sexueller Ausbeutung, Ausbeutung der Arbeitskraft, Bettelei und Kinderhandel verbreitet, bestätigt auch ein Lagebericht des Bundeskriminalamts (2024). Zur Rekrutierung nutzen Kriminelle zunehmend Onlineplattformen, vor allem im Hinblick auf die sexuelle Ausbeutung und die Ausbeutung der Arbeitskraft.
„Am Anfang steht die Täuschung“, erklärte Sr. Maria Schlackl. Die Methoden seien verschieden und reichten von vorgespielter Liebe bis zum vermeintlich guten Jobangebot. Dahinter stehe aber stets dasselbe Muster: „Arme Menschen haben wenig Wahlmöglichkeiten, so sind sie ausbeutbar.“ Schlackls Hilfsinitiative berät betroffene Frauen und stellt im Bedarfsfall eine Schutzwohnung zur Verfügung. Viele Frauen könnten nur schwer über das grausam Erlebte sprechen. „Eine Frau sagte einmal, ich sei die Erste, die sie menschlich behandelt. Da musste ich schlucken.“ Sie müsse den Frauen immer wieder sagen, wie wertvoll sie seien, denn das hätten sie längst vergessen.
Infoabend zu „verletzter Menschenwürde“
Am Europäischen Tag gegen Menschenhandel am 18. Oktober laden die SOLWODI-Initiative Linz und die Katholische Aktion OÖ in Kooperation mit dem ORF Oberösterreich zu einem Informations- und Diskussionsabend unter dem Titel „Tiefe Einblicke in verletzte Menschenwürde“ in die Räumlichkeiten des ORF Landesstudios Oberösterreich am Europaplatz 3 in Linz ein. Im Rahmen der Veranstaltung, die von 17.00 bis 20.00 Uhr angesetzt ist, diskutieren u. a. der Theologe und Sozialethiker Clemens Sedmak und die deutsche Psychotherapeutin und Traumaexpertin Ingeborg Kraus, die seit Jahren mit Tätern und Opfern arbeitet.
„Wir wollen aufmerksam machen und Bewusstsein schaffen. Wir geben tiefe Einblicke in verletzte Menschenwürde und wollen aufzeigen, was oftmals im Untergrund passiert und keiner sieht“, erläutert Sr. Maria Schlackl die Zielsetzung der Veranstaltung, die als Impuls zum Nachdenken, Umdenken und Verändern konzipiert ist.
Quelle: kathpress