Kardinal Müller in Heiligenkreuz: Christentum ist Beziehungsgeschehen

Der deutsche Kardinal Gerhard Ludwig Müller hielt am 12. Oktober 2026 im Kaisersaal des Stiftes Heiligenkreuz einen Vortrag zum Thema „Warum bin ich Christ?“. (c) Stift Heiligenkreuz
Der frühere Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation setzte sich im Vortrag – ausgehend von der Geschichte der Religionskritik – mit zentralen Einwänden gegen den christlichen Glauben auseinander. Im Zentrum standen Fragen nach der Erkennbarkeit Gottes, dem Leid in der Welt, dem Verhältnis von Glaube und Wissenschaft sowie der Kritik an Kirche und Offenbarung.
Seine Antwort darauf war laut einer Aussendung des Stifts Heiligenkreuz ein persönliches Glaubenszeugnis. Christentum sei für ihn weder eine naturwissenschaftliche Welterklärung noch eine politische Ideologie, sondern Beziehung zu Jesus Christus. In ihm, sagte Müller, begegne der Mensch dem Sohn Gottes, der menschliches Leben, Leiden und Sterben teilt und Hoffnung auf Erlösung und ewiges Leben schenkt.
Glaube schaltet Vernunft nicht aus
Der Kardinal hob außerdem hervor, dass Glaube Vernunft nicht ausschalte. Die Wirklichkeit Gottes übersteige zwar menschliche Begriffe und theoretische Systeme, könne aber im Hören auf das Wort Christi erkannt werden. Die Glaubenslehre sei für ihn keine Ansammlung unverbundener Behauptungen, sondern erschließe sich in ihrem Zusammenhang und in ihrer Ausrichtung auf Christus.

Christsein bedeutet für Kardinal Gerhard Ludwig Müller in erster Linie eine Beziehung zu Jesus Christus. (c) Stift Heiligenkreuz
Besonders deutlich betonte Müller die Bedeutung der Menschwerdung und Auferstehung Christi für das Verständnis des Menschen. Im Geheimnis Christi finde der Mensch Sinn, Orientierung und Hoffnung – auch angesichts des Todes. Die Kirche beschrieb er dabei nicht als bloße soziale Dienstleisterin, sondern als Gemeinschaft der Gläubigen und als Sakrament des Heils.
Vertrauen in Gemeinschaft der Kirche
Zum Abschluss hob der deutsche Kardinal sein Vertrauen in das Zeugnis der Apostel und in die Gemeinschaft der Kirche hervor. Christ zu sein bedeute für ihn, in der Hoffnung auf Christus zu leben und in der Gemeinschaft der Glaubenden Halt zu finden – in einer Gemeinschaft, die zugleich aus Heiligen und Sündern besteht.
Der Vortrag zum Nachhören:
Der Vortrag fand im Rahmen der Wallfahrt der Kaiser-Karl-Gebetsliga für den Völkerfrieden statt, die am Wochenende nach Heiligenkreuz führte. Sie stand im Zeichen des Gebets für den Frieden sowie für soziale und rechtliche Gerechtigkeit und erinnerte auch an das Friedensengagement des seligen Kaisers Karl I. während des Ersten Weltkriegs und seine Unterstützung für die Friedensbemühungen von Papst Benedikt XV. Auch Simeon Habsburg aus der Familie des seligen Kaisers Karl I. nahm teil. – Am 13. Oktober 2026 besuchte Kardinal Müller Stift Lilienfeld.
Kritik an geplanter öffentlicher Hinrichtung
Bereits am 11. Oktober 2026 hatte Kardinal Gerhard Ludwig Müller bei einer Predigt im Stift Heiligenkreuz die angekündigte öffentliche Hinrichtung eines US-Armeeangehörigen durch ein Erschießungskommando scharf kritisiert. Es sei unmoralisch, wenn ein amerikanischer Minister die öffentliche Hinrichtung eines verurteilten Straftäters ankündige, sagte er. Eine Liveübertragung vor den Augen von Millionen Menschen und Kindern führe zu einer „Verrohung“ in einem demokratischen Staat, der sich als Führer der westlichen Werte verstehe. Ein solches Vorgehen dürfe „in keiner Weise gebilligt werden“, erklärte der frühere Glaubenspräfekt.
Quellen: Stift Heiligenkreuz; kathpress