Klöster digitalisieren historische Schätze

Modern Times hinter Klostermauern: Ein Münzexperte der Universität für Weiterbildung Krems beim Digitalisieren von Münzen des Stiftes Seitenstetten. © ORF/Landesstudio Niederösterreich
Jahrhundertealte Handschriften, kostbare Bücher, historische Sammlungen und sakrale Bauwerke: Klöster und Stifte bewahren ein bedeutendes kulturelles Erbe. Eine neue Ausgabe der ORF-Sendung „Erlebnis Österreich“ zeigt, wie niederösterreichische Klöster dieses Erbe mit Hilfe von Digitalisierung und neuen Technologien sichern und für die Zukunft zugänglich machen.
Im Mittelpunkt der Dokumentation stehen mehrere niederösterreichische Stifte, die ihre historischen Bestände zunehmend digital erfassen. Dabei geht es nicht nur um die Bewahrung wertvoller Originale, sondern auch um neue Möglichkeiten für Forschung und Vermittlung.
Künstliche Intelligenz für mittelalterliche Handschriften
In der Stiftsbibliothek Klosterneuburg befinden sich zehntausende wertvolle Bücher und Schriften aus dem Mittelalter. Ein Forschungsprojekt unter der Leitung der Hochschule St. Pölten untersucht mithilfe künstlicher Intelligenz, welche Autoren hinter den mittelalterlichen Handschriften stehen. Eine speziell entwickelte Software soll unterschiedliche Handschriften einander zuordnen und damit neue Erkenntnisse über die Entstehung der Werke ermöglichen.
Neue Technologien, neue Chancen: Mithilfe der Digitalisierung sind unter anderem auch elektronische Handschriftenvergleiche möglich. © ORF/Landesstudio Niederösterreich
Auch im Benediktinerstift Melk spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle. Dort werden unter anderem Schriften des heiligen Benedikt digitalisiert und die historische Stiftsbibliothek restauriert. Bei der wissenschaftlichen Erschließung kommen immer wieder überraschende Funde zum Vorschein – darunter ein handschriftliches Fragment des „Nibelungenliedes“ und Teile eines mittelalterlichen erotischen Textes.
Heiligenkreuz und Seitenstetten digitalisieren ihre Sammlungen
Auch das Stift Heiligenkreuz macht seine historischen Bestände digital zugänglich. Dazu gehören unter anderem Objekte aus der Grafikensammlung sowie jahrhundertealte Handschriften. Darunter befinden sich auch die ältesten erhaltenen Handschriften des Zisterzienserstiftes aus dessen Gründungszeit.

Digitalisierung im Stift Heiligenkreuz: Mittelalterliche Handschriften und Objekte aus der Grafikensammlung werden sukzessive digital zugänglich gemacht. © ORF/Landesstudio Niederösterreich
Im Benediktinerstift Seitenstetten sollen die Klostersammlungen künftig stärker für die Forschung erschlossen werden. Ein Forschungsprojekt der Universität für Weiterbildung Krems beschäftigt sich unter anderem mit dem Naturalienkabinett des Stiftes. Geplant ist ein virtueller Rundgang, der die historischen Bestände künftig auch unabhängig von einem Besuch vor Ort zugänglich machen soll. Auch tausende Münzen aus den Sammlungen werden digital erfasst.
Kulturerbe für die Zukunft sichern
Die 25-minütige ORF-Dokumentation „Erlebnis Österreich: Digitale Klöster und Kirchen – Tradition im Wandel“ stellt all diese Projekte vor und zeigt, wie Klöster ihr jahrhundertealtes kulturelles Erbe mit modernen Methoden für kommende Generationen sichern und gleichzeitig einem größeren Publikum zugänglich machen. Hochauflösende Aufnahmen, digitale Vermessung, künstliche Intelligenz und virtuelle Rundgänge ergänzen dabei die klassische Arbeit von Archiven, Bibliotheken, Museen und Restauratoren.
Die Sendung wurde am 4. Oktober 2026 ausgestrahlt und kann bis 1. April 2027 online auf ORF ON nachgesehen werden (Link siehe unten).
Quelle: ORF