Gesprächsinsel als Anlaufstelle in belastenden Situationen

Die Wiener Gesprächsinsel rund um Leiterin Verena Osanna bietet ein niederschwelliges Gesprächsangebot in Krisensituationen. (c) ÖOK/emw
In der Gesprächsinsel stehen geschulte Seelsorgerinnen und Seelsorger Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, religiöser Zugehörigkeit oder Weltanschauung zur Seite, wenn diese sich unsicher oder belastet fühlen, vor wichtigen Entscheidungen stehen, einsam sind oder nicht wissen, wie es weitergehen soll, erklärte Verena Osanna, die engmaschig mit dem Kriseninterventionszentrum (KIZ), der TelefonSeelsorge und der Kontaktstelle Trauer der Caritas in Wien zusammenarbeitet.
Anlaufstelle in belastenden Situationen
„Wir sind in Wien eine Anlaufstelle für seelische Zustände aller Art. Das kann von akuter Krise sein bis hin zu: Ich weiß nicht genau, was mit mir los ist.“ Gemeinsam werde geklärt, was es in einer belastenden Situation brauche, sagte die Leiterin der Gesprächsinsel, einer Einrichtung der Österreichischen Ordenskonferenz, im Interview mit Kathpress. Gerade an Lebensübergängen wie Tod, Krankheit, Scheidung, Pensionierung oder dem Kontaktabbruch zu nahestehenden Menschen stelle sich häufig die Frage: „Welchen Sinn finde ich noch auf dieser Welt?“, sagte Verena Osanna. Aktuell kämpften viele Menschen mit existenziell bedrohlichen Schwierigkeiten: Arbeitslosigkeit, reduzierten Arbeitsstunden oder ausbleibenden Gehaltserhöhungen bei stetig steigenden Kosten.
Oft fehle das Gegenüber, um über Dinge zu sprechen, oder „man traut sich nicht, Hilfe zu holen, weil man denkt, so etwas darf ich gar nicht denken“. Die Gesprächsinsel biete Raum, solchen Fragen nachzugehen und gemeinsam nach Orientierung zu suchen. Dort arbeiten rund 40 ehrenamtliche, ausgebildete Seelsorgerinnen und Seelsorger – darunter Psychotherapeutinnen, Lebens- und Sozialberater sowie Ordensleute. Die Gesprächsinsel ist in der Wiener Innenstadt an der Freyung 6a zu finden. Seit April 2026 ist sie auch im „Kirchenschiff“ (Siebenbrunnenfeldgasse 22-24, 1050 Wien) vertreten, wo seelsorgliche Gespräche in mehreren Fremdsprachen angeboten werden.

In der Gesprächsinsel stehen geschulte Seelsorger:innen Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, religiöser Zugehörigkeit oder Weltanschauung zur Seite. (c) ÖOK/emw
Gedenkfeier in der Ruprechtskirche
In der Wiener Ruprechtskirche veranstaltet die Gesprächsinsel anlässlich des Welttages der Suizidprävention gemeinsam mit der Kontaktstelle Trauer der Caritas am 10. September 2026 um 18 Uhr eine Gedenkfeier für Menschen, die durch Suizid verstorben sind. Die Gedenkfeier habe christliche Elemente, werde aber bewusst „religiös offen gehalten“, um auch jene anzusprechen, die keinen christlichen Bezug haben, hieß es im Vorfeld dazu. Ein zentrales Element dabei ist ein Kerzenritual: Jede und jeder Angehörige zündet eine Kerze für die Verstorbenen an. Zusätzlich brennen so viele Kerzen, wie im letzten Jahr in Wien durch Suizid verstorben sind.
Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr und gebührenfrei unter der Notrufnummer 142 erreichbar sowie unter www.telefonseelsorge.at. Spezielle Hilfe für Jugendliche bietet „Rat auf Draht“, Notrufnummer 147. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Gesundheitsministerium unter www.suizid-praevention.gv.at.
Quelle: kathpress