07. September 2026

U-Turn 2026: Glück, Liebe und Sehnsucht aus Ordensperspektive

Mit Glaubenszeugnissen, Predigten und Gottesdiensten haben mehrere Ordenspriester das christliche Jugendfestival „U-Turn 2026“ in der Grazer Herz-Jesu-Kirche maßgeblich mitgeprägt. Rund 400 Jugendliche und junge Erwachsene setzten sich von 4. bis 6. September 2026 mit großen Fragen des Lebens auseinander: Was macht wirklich glücklich? Was bedeutet christliche Liebe? Und wie lassen sich persönliche Sehnsucht, Freiheit und selbstlose Hingabe miteinander verbinden?

P. George Elsbett LC

Liebe als „Herzenssache“: P. George Elsbett LC berichtete in seiner Predigt, wie er durch die Erfahrung von Barmherzigkeit wieder zurück in die Kirche fand. © Youtube / U-Turn Graz

 

Der gebürtige Kanadier P. George Elsbett LC gestaltete die Messe am Freitagabend und setzte mit seiner Predigt einen ersten Akzent auf die zentrale Frage des Treffens: Wie kann christliche Liebe konkret werden? Er trat mit 18 Jahren aus der Kirche aus, erfuhr dann durch einen Priester die Barmherzigkeit Gottes und ist überzeugt: „Es ist wichtig, dass das Wissen um Gottes Liebe, das in unserem Kopf ist, ein paar Schritte nach unten in unser Herz macht.“ Der Weg dazu führe über konkrete Liebeserfahrungen wie jene, die er selbst gemacht hat.

 

Den Gedanken der gelebten Liebe griff auch P. Wilhelm Mauser OCist in seinem Glaubensimpuls am Samstagvormittag auf. In Form einer kurzen Geschichte strich er heraus, dass der Sinn des Lebens darin besteht, die Liebe zu leben. Neben allgemeinen Betrachtungen zum Begriff „Liebe“ lieferte der Zisterzienser auch praktische Tipps, wie man die Liebe in seinen Alltag implementieren kann.

 

P. Wilhelm Mauser OCist

Anregender Glaubensimpuls: In Form einer kurzen Geschichte verdeutlichte P. Wilhelm Mauser OCist, dass der Sinn des Lebens darin besteht, die Liebe zu leben. © Youtube / U-Turn Graz

 

Was macht wirklich glücklich?

Altabt Raimund Schreier vom Stift Wilten rückte die Frage „Was macht mich wirklich happy?“ in den Mittelpunkt seiner Predigt am Samstagabend. Als Beispiel erzählte er von der Italienerin Chiara Luce Badano, die trotz einer schweren Krebserkrankung bis zu ihrem Tod im Alter von 18 Jahren eine außergewöhnliche Freude ausgestrahlt habe. Ihre Haltung habe auf dem Bewusstsein beruht, von ihren Eltern, ihren Freunden und vor allem von Gott bedingungslos geliebt zu sein. „Gott liebt mich ohne Bedingungen, das macht mich glücklich“, fasste Schreier diese Haltung zusammen. Die christliche Antwort auf die Frage nach dem Glück liege deshalb wesentlich in Beziehungen und in der Bereitschaft, selbst zu lieben. Jesus habe seinen Jüngern aufgetragen: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“

 

Liebe zeige sich dabei nicht nur in Gefühlen, sondern in konkreten Taten: einem anderen Zeit zu schenken, zu helfen oder selbst den ersten Schritt zu machen. Zum Wesen christlicher Liebe gehöre zudem, dass sie alle einschließe, sogar den Feind. Es gehe darum, diesen zumindest zu respektieren, ihm wohlwollend zu begegnen und zu versuchen, seine Perspektive zu verstehen.

 

Altabt Raimund Schreier OPraem

Rundum happy: Altabt Raimund Schreier OPraem vom Stift Wilten betonte, die christliche Antwort auf die Frage nach dem Glück liege wesentlich in Beziehungen und in der Bereitschaft, selbst zu lieben. © Youtube / U-Turn Graz

 

Zwischen Begehren und Hingabe

Mit dem Verhältnis von Eros und Agape befasste sich die Philosophin und Theologin Maria Wolters. Eros stehe für Begehren, Sehnsucht, Intimität und körperliche Anziehung, Agape für Hingabe und das selbstlose Schenken. Beides dürfe nicht gegeneinander ausgespielt werden. Eine christliche Sicht auf die Liebe müsse vielmehr beide Dimensionen zusammenführen.

Wolters warnte vor einem Verständnis von Freiheit, das unmittelbare Bedürfnisbefriedigung zum Maßstab mache. Eros sei etwas Gutes, müsse aber geordnet und auf ein größeres Ziel ausgerichtet werden. Wahre Freiheit bedeute nicht, jedem Verlangen nachzugeben, sondern sich für das Gute entscheiden zu können. Die tiefste Sehnsucht des Menschen könne letztlich nur Gott erfüllen.

Zugleich bedeute Agape nicht die Auslöschung der eigenen Persönlichkeit. Selbstlosigkeit setze vielmehr ein eigenes, starkes Selbst voraus. Wer keine eigenen Wünsche und keine eigene Identität habe, könne sich auch nicht wirklich frei verschenken. Christliche Liebe bedeute daher, das eigene Leben anzunehmen, zu ordnen und aus Freiheit dem anderen zu schenken. In der Verbindung von Eros und Agape könne so eine Liebe entstehen, die zugleich persönliche Sehnsucht ernst nehme und über die bloße Bedürfnisbefriedigung hinausweise, sagte Wolters.

 

Liebe braucht eine Quelle

Auch der Abschlussgottesdienst am Sonntag in der Grazer Herz-Jesu-Kirche kreiste um die Frage nach der Liebe. Altabt Ambros Ebhart vom Stift Kremsmünster stellte seine Predigt unter das Wort des heiligen Augustinus „Liebe und tu, was du willst“. Zugleich war dieser Satz das Leitmotiv des gesamten Festivals.

 

Altabt Ambros Ebhart OSB

Prophetischer Dienst: Altabt Ambros Ebhart OSB sieht in Jugendtreffen wie „U-Turn“ ein wichtiges Korrektiv für die Kirche , weil sie sichtbar machen, wie Glaube, Gebet und Gemeinschaft konkret gelebt werden können. © Youtube / U-Turn Graz

 

Ebhart warnte davor, das Augustinus-Wort als Freibrief für Beliebigkeit zu verstehen. Entscheidend sei vielmehr, dass das eigene Handeln aus einer Liebe komme, „die Gott selbst ist“. Die Quelle dieser Liebe sei Jesus Christus. Deshalb müsse sich auch die persönliche Liebe immer wieder an ihm orientieren: „Jesus, wie hättest du an meiner Stelle reagiert? Was hättest du gesagt, wie hättest du gehandelt?“

 

Liebe dürfe nicht einfach „versanden“, sondern müsse immer wieder an Gott zurückgebunden, geprüft und erneuert werden. Das gelte auch für das Leben christlicher Gemeinschaften. Jugendtreffen wie „U-Turn“ könnten dabei ein wichtiges Korrektiv für die Kirche sein, weil sie sichtbar machten, wie Glaube, Gebet und Gemeinschaft konkret gelebt werden können. Den Jugendlichen komme dabei selbst eine aktive Rolle zu, meinte Ebhart. Sie könnten einander im Glauben stärken, ermutigen und zu Zeugen für Gott werden. In diesem Sinn hätten sie einen „prophetischen Dienst“. Letztlich gehe es darum, sich „in einen Menschen mit mehr Liebe“ verwandeln zu lassen.

 

Glaube, Musik und Gemeinschaft

Das christliche Jugendfestival U-Turn findet seit 2019 jeweils im Sommer statt, organisiert vom „Verein zur Förderung der Christlichen Familie“. Zum Programm gehören Gottesdienste, Vorträge, Lobpreis und Musik, Anbetung sowie Zeiten der Begegnung und Gemeinschaft. Musikalisch begleitet wurde das auch via Livestream übertragene Treffen, an dem rund 400 Personen teilnahmen, von der christlichen Band „Connected“.

 

Quelle: kathpress.at