04. September 2026

Steyler Missionare: Br. Leopold Leeb präsentierte außergewöhnliches Buch

Seit 1995 lebt und arbeitet der Steyler Missionar Leopold Leeb als Lehrer und Übersetzer in Beijing. Am 26. August 2026 präsentierte er in der Tyrolia-Buchhandlung am Wiener Stephansplatz ein außergewöhnliches Werk: Er übersetzte das Buch „Propheten und Befreiung“ des chinesischen Schriftstellers Zhang Chengzhi ins Deutsche.

Der Steyler Missionar Leopold Leeb präsentierte in Wien das Buch „Propheten und Befreiung“.

Der Steyler Missionar Leopold Leeb präsentierte in Wien das Buch „Propheten und Befreiung“. (c) Franz Helm SVD

 

In „Propheten und Befreiung“ wurden erstmals Erlebnisse und Gedanken zu Buddhismus, Christentum und Islam aus der Sicht eines chinesischen Muslims in deutscher Sprache veröffentlicht. Es sei sein großes Anliegen, interessante chinesische Intellektuelle, Autoren und Wissenschaftler den Menschen im Westen näher zu bringen, betonte Leo Leeb bei der Buchpräsentation. Seine Begegnung mit dem chinesischen Muslim Zhang Chengzhi, der ihm im Laufe der vergangenen zwei Jahre ein „enger Freund“ geworden ist, sei insofern ein „Glücksfall“ gewesen. „Ich will verstehen, was die Menschen in China über uns im Westen und über die verschiedenen Religionen denken.“ Er habe großen Respekt vor dem Islam, erklärte der Steyler Missionar, mit seiner Arbeit wolle er auch zum Dialog zwischen Christentum und Islam beitragen. Vorbilder sind für ihn Theologen wie der Steyler Pater Andreas Bsteh SVD oder Adel Theodor Khoury.

 

„Prominentester Auslandsösterreicher in China“

Univ.-Prof. Franz Gmainer-Pranzl vom Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen an der Universität Salzburg würdigte Leopold Leeb bei der Buchpräsentation als „prominentesten Auslandsösterreicher in China“ und „Brückenbauer“. Der Theologe erinnerte auch daran, dass die Ordensgemeinschaft von Beginn an in China tätig gewesen sei. Das Zentrum Theologie Interkulturell und Studium der Religionen ist Herausgeber der Reihe Salzburger theologische Studien – interkulturell, in der das Buch „Propheten und Befreiung“ erschienen ist.

 

Tyrolia-Verlagsleiter Gottfried Kompatscher, Br. Leo Leeb und Franz Gmainer-Pranzl von der Uni Salzburg bei der Buchpräsentation in der Tyrolia-Buchhandlung am Wiener Stephansplatz.

Tyrolia-Verlagsleiter Gottfried Kompatscher, Br. Leo Leeb und Franz Gmainer-Pranzl von der Uni Salzburg (v.l.) bei der Buchpräsentation in der Tyrolia-Buchhandlung am Wiener Stephansplatz. (c) Franz Helm SVD

 

Leopold Leeb berichtete außerdem, dass er schon länger versucht hatte, mit Zhang Chengzhi in Kontakt zu treten. 2024 gelang ein erstes Treffen mit dem chinesischen Schriftsteller. Zhang Chengzhi, geboren 1948 in Beijing, stammt aus einer muslimischen Familie, wuchs aber in einer säkularisierten Umwelt auf. „Die rund 20 Millionen Muslime sind in China eine kleine Minderheit, rund die Hälfte gehört zur Gruppe der Uiguren.“ Erst mit 35 Jahren fand Zhang Chengzhi zurück zum Glauben seiner Vorfahren.

 

Mehrere Literaturpreise

Als Schüler war Chengzhi während der Kulturrevolution von den kommunistischen Idealen begeistert. In seiner Jugend verbrachte er vier Jahre in der Steppe der Mongolei. Die Erfahrungen dort verarbeitete er später literarisch. Zhang Chengzhi studierte Archäologie, lebte einige Jahre in Japan und erhielt mehrere Literaturpreise für seine Werke zur Kultur verschiedener Ethnien in China. Seit vier Jahrzehnten hat er immer wieder muslimische Dörfer in Nordwestchina besucht, um das Leben der einfachen Leute zu verstehen und zu beschreiben.

 

Br. Leo Leeb (r.) übersetzte das Buch des Autors Zhang Chengzhi (l.). Im Bild außerdem zu sehen: seine Frau Sua Sa.

Br. Leo Leeb (r.) übersetzte das Buch des Autors Zhang Chengzhi (l.). Im Bild außerdem zu sehen: seine Frau Sua Sa. (c) privat

 

Zusammen mit seiner Frau Suo Sa, einer Lateinamerika-Expertin, bereiste der Autor Spanien und Länder Lateinamerikas und beschäftigte sich auch mit dem Befreiungstheologen Gustavo Gutiérrez. „Die Würde der Unterdrückten und die Rechte der Rechtlosen liegen ihm am Herzen“, erklärte Leopold Leeb.

 

In China noch nicht publiziert

Das Buch „Propheten und Befreiung“, in dem es um den japanischen Mönch Hönen, der Person Jesu Christi aus der Sicht des Markus-Evangeliums und um den Islam geht, konnte bislang in China noch nicht publiziert werden. Umso mehr freute es Leopold Leeb, dass es nun in deutscher Sprache veröffentlicht wurde: „Ein Trost für Zhang Chengzhi und für mich die Erfüllung eines Traums.“

 

Zur Person

Leopold Leeb stammt aus Hollabrunn im niederösterreichischen Weinviertel. 1985 trat er in St. Gabriel in die Gesellschaft des Göttlichen Wortes (Steyler Missionare) ein. Seit 1995 lebt und arbeitet er als Lehrer und Übersetzer in Beijing. Dort unterrichtet er Latein, Griechisch und Althebräisch an Universitäten und Gymnasien in China und erwarb 1999 ein Doktorat der chinesischen Philosophie. Er lehrt auch Kalligraphie und Epigraphie und publiziert Bücher zum Christentum in Ostasien.

 

Quelle: Steyler Missionare