03. September 2026

Steyler Missionsschwester berichtet über Erdbeben auf Flores

Die Steyler Missionsschwester Lelia Surtina wirkt seit 17 Jahren im Orthopädischen Spital Wien-Speising als Krankenhausseelsorgerin. Im Sommer 2026 war sie auf Heimaturlaub auf der indonesischen Insel Flores, die am 15. August von einem schweren Erdbeben erschüttert wurde. Zurück in Wien schildert sie nun ihre Eindrücke.

Obwohl sie selbst vom Erdbeben betroffen sind, beteiligen sich die Steyler Missionsschwestern auf der Insel Flores beispielsweise an der Verteilung von Hilfsgütern.

Obwohl sie selbst vom Erdbeben betroffen sind, beteiligen sich die Steyler Missionsschwestern auf der Insel Flores beispielsweise an der Verteilung von Hilfsgütern. (c) SSpS

 

Sr. Lelia Surtina wird den Augenblick nicht vergessen, als der Boden unter ihr heftig zu schwanken begann. „Im ersten Moment wusste ich nicht, was los war. Ich hatte so etwas noch nie erlebt. Dann hörte ich schon die ersten Schreie der Dorfbewohner: ‚Hilfe! – Jesus, hilf!‘“, erinnert sich die Steyler Missionsschwester an die frühen Morgenstunden des 15. August 2026, als ein verheerendes Erdbeben der Stärke 7,7 die Insel Flores erschütterte. Sr. Lelia war Ende Juni von Wien zu einem Heimaturlaub aufgebrochen, um sich um ihre pflegebedürftigen Eltern zu kümmern. „Von einer Sekunde zur anderen verwandelte sich die Freude, wieder in der Heimat zu sein, in Trauer und Entsetzen“, sagt die Steyler Missionsschwester.

 

Seit 17 Jahren arbeitet Sr. Lelia Surtina als Krankenhausseelsorgerin im Orthopädischen Spital Wien-Speising.

Seit 17 Jahren arbeitet Sr. Lelia Surtina als Krankenhausseelsorgerin im Orthopädischen Spital Wien-Speising. (c) Ursula Mauritz

 

Das Dorf, in dem die Eltern und ihr Bruder mit seiner Frau leben, liegt in Westflores zwischen den Städten Labuan Baja und Ruteng. Das Erdbeben habe um 5.20 Uhr begonnen. Sr. Lelia Surtina berichtet: „Zum Glück waren die meisten Dorfbewohner bereits aufgestanden und unterwegs zur Arbeit auf den Reisfeldern und Kaffeeplantagen.“ Auch sie selbst und ihre gehbehinderte Mutter befanden sich gerade im Freien, als die Erde bebte. Nur der Vater lag noch im Bett. Etwa eine Minute dauerte das Hauptbeben – eine Minute, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam.

 

Leben im Ausnahmezustand

„Gott sei Dank hat es unser Dorf nicht so heftig getroffen. Die Häuser bekamen zwar Risse, sind aber nicht zusammengestürzt und es wurde niemand verletzt. Die Wasserleitungsrohre wurden beschädigt, der Wasserbehälter war aber glücklicherweise nicht betroffen“, erklärt sie. Dennoch leben die 23 Familien aus dem Dorf der Steyler Missionsschwester nach wie vor im Ausnahmezustand, jeden Tag gibt es Nachbeben und aus Angst vor herabfallenden Teilen und den starken Rissen in den Häusern schlafen die Menschen seit dem Erdbeben im Freien. Die Hilfe der Regierung kommt nur langsam in die Dörfer. „Die Menschen haben aus Bambusstangen und Planen notdürftige Unterkünfte zusammengebaut. Der Zusammenhalt der Menschen ist groß: Jeder bringt Lebensmittel, es wird gemeinsam am offenen Feuer gekocht und gegessen“, erzählt die Steyler Missionsschwester. Da sich im Dorf selbst keine Kapelle befindet und der Weg dorthin zu gefährlich wäre, versammelten sich die Bewohner in einem offenen Haus zum Gebet.

 

In einem offenen Haus versammelten sich die Bewohner:innen des Heimatdorfes von Sr. Lelia Surtina nach dem Erdbeben zum Gebet.

In einem offenen Haus versammelten sich die Bewohner:innen des Heimatdorfes von Sr. Lelia Surtina nach dem Erdbeben zum Gebet. (c) SSpS

 

Die Kommunitäten und Einrichtungen der Steyler Missionsschwestern auf Flores wurden unterschiedlich stark vom Erdbeben getroffen, weiß Sr. Lelia Surtina durch Kontakte mit ihren Mitschwestern. „Die Kommunität Reo an der Nordküste der Region Mangarei befand sich Zentrum des Bebens. Das Haus der Schwestern und die Polyklinik sind vollkommen zerstört.“

 

Einsatz für Betroffene

Nicht ganz so schlimm ist die Situation in Labun Bajo, wie sie sich selbst bei einem Besuch überzeugen konnte. „Unsere Schwestern führen dort einen Kindergarten, eine Volksschule und ein Gymnasium mit Internat sowie eine Einrichtung für Frauen in Not und Waisenkinder. Die Gebäude haben zum Teil große Risse. Die Kinder und die Schwestern übernachten daher in behelfsmäßigen Zelten.“ Obwohl die Steyler Missionsschwestern auf Flores zum Teil selbst mit den Folgen des Erdbebens zu kämpfen haben, setzen sie sich für die betroffene Bevölkerung ein. „Einige unserer Schwestern sind z.B. an der Verteilung von Hilfsgütern der Organisation ‚Kompas‘ beteiligt.“

 

Aufgrund der täglichen Nachbeben schlafen die Menschen seit dem Erdbeben im Freien. Aus Bambusstangen und Planen bauten sie notdürftige Unterkünfte.

Aufgrund der täglichen Nachbeben schlafen die Menschen seit dem Erdbeben im Freien. Aus Bambusstangen und Planen bauten sie notdürftige Unterkünfte. (c) SSpS

 

Die Sorge um ihre Eltern und Geschwister sowie ihre Mitschwestern beschäftigt Sr. Lelia Surtina seit ihrer Rückkehr nach Wien ständig. „Ich rufe meine Schwester jeden Tag an, um nachzufragen, wie es ihnen geht.“ Außerdem treibt sie auch die Frage um, „warum in erster Linie immer die Armen von Naturkatastrophen wie diesem Erdbeben betroffen sind?“ Um sich gleich selbst die Antwort zu geben: „Wer es mit Mühe und in jahrelanger Arbeit schafft, ein einfaches Haus zu errichten, hat nicht die finanziellen Mittel, um erdbebensicher zu bauen.“

 

Quelle: Steyler Missionare