24. August 2026

Stift Schlierbach: Karin Gondosch hält die Wirtschaft auf Kurs

Seit zwei Jahren ist Karin Gondosch Wirtschaftsdirektorin des Stifts Schlierbach. Sie verantwortet dabei unter anderem Vermietungsobjekte, den Forst sowie die Instandhaltung des Hauses und betreut die Zisterzienser im Stift wirtschaftlich. Im Interview mit „MeinBezirk“ (19. August 2026) beschreibt sie ihre Aufgabe nun „wie die Haushaltsführung in einer Familie – nur hundertfach größer“.

Die Wirtschaftsdirektorin des Zisterzienserstifts Schlierbach: Karin Gondosch.

Die Wirtschaftsdirektorin des Zisterzienserstifts Schlierbach: Karin Gondosch. (c) Weymayer

 

Den Weg ins Stift Schlierbach fand Karin Gondosch über eine Bewerbung als Bilanzbuchhalterin. Sie war zuvor 25 Jahre lang in der Steuerberatung tätig gewesen und hatte ihren 50. Geburtstag zum Anlass genommen, sich beruflich zu verändern. „Im Zuge des Bewerbungsgesprächs hat sich jedoch herausgestellt, dass eigentlich eine wirtschaftliche Leitung gesucht wird. Nachdem ich die Buchhaltung wieder auf neue Beine gestellt habe, haben sich meine Aufgaben auf andere Bereiche verlagert“, erklärt sie. Heute gehören zu ihren Aufgaben als Wirtschaftsdirektorin etwa die Verwaltung von Vermietungsobjekten, der Forst, die wirtschaftliche Betreuung der Patres sowie die Instandhaltung des gesamten Hauses. Zudem ist sie Geschäftsführerin des Panorama-Cafés und der Glasmalerei.

 

Abwechslungsreicher Arbeitsalltag

Rund 55 Mitarbeiter:innen arbeiten in den Stiftsbetrieben. Ihren Arbeitsalltag beschreibt Gondosch als abwechslungsreich: „Man kann in der Früh nie sagen, was der Tag bringen wird. Es gibt viele Personalthemen, von der Dienstplanung bis zum Mitarbeitergespräch. Und dann kommt alles dazu, was gerade anfällt: Wenn in einer Wohnung etwas kaputtgeht, im Forst etwas zu erledigen ist oder ein Pächter anruft.“

 

Dabei scheut die Wirtschaftsdirektorin auch praktische Arbeit nicht. „Ich nehme auch einmal einen Putzfetzen in die Hand, bewirte Gäste oder setze mich an die Pforte“, sagt sie. Führung bedeute für sie, mit gutem Beispiel voranzugehen. Ihren beruflichen Aufstieg habe sie sich ausgehend von einer Tischlerlehre „Schritt für Schritt“ erarbeitet. Entscheidend seien in ihrem Job Lebenserfahrung, Weitblick und „vor allem eine echte Liebe dafür“.

 

Eine der Aufgaben von Wirtschaftsdirektorin Karin Gondosch ist die Instandhaltung des Stifts Schlierbach.

Eine der Aufgaben von Wirtschaftsdirektorin Karin Gondosch ist die Instandhaltung des Stifts Schlierbach. (c) C.Stadler/Bwag, CC-BY-SA-4.0

 

„Vertrauen erarbeitet“

Gondosch ist überzeugt davon, dass es in Führungspositionen weibliche und männliche Sichtweisen braucht. Sie habe die Patres von Beginn an als sehr offen erlebt: „Sie haben mich von Anfang an wohlwollend aufgenommen. Gleichzeitig musste ich viel lernen, weil hier manches anders ist als in anderen Betrieben. Ich habe mir das Vertrauen erarbeitet. Die Basis dafür bildet gegenseitiger Respekt.“

 

Besonders stolz ist die Wirtschaftsdirektorin auf die Entwicklung des Panorama-Cafés. Nach ihrem Start im Oktober 2024 sei ihre erste Entscheidung gewesen, das Café umzubauen. „Damit habe ich mich ziemlich weit hinausgelehnt“, meint sie im Interview. Ihr Ziel, innerhalb von fünf Jahren die Gewinnzone zu erreichen, wurde bereits in mehreren Monaten dieses Jahres geschafft. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Darauf bin ich stolz, vor allem, weil das gesamte Team zusammenhält und mitzieht.“

 

Neue Ideen

Auch künftig will Gondosch das Stift weiterentwickeln. Klar ist für sie, dass der Bereich der Kulturvermittlung zum Stift gehört und bleiben wird. Außerdem arbeitet das Team im Stift derzeit am Projekt „Kloster auf Zeit“, das sich an Männer ab 18 Jahren richtet. „Das Bildungszentrum soll durch einen zeitgemäßen Online-Auftritt moderner werden. Beim Café haben wir das bereits geschafft. Wir setzen neue Veranstaltungen um und wollen uns weiter öffnen, auch für Hochzeiten, Firmenfeiern und Seminare“, sagt sie.

 

Gleichzeitig setzt sie auf regionale Kooperationen und möchte das Stift stärker in der Bevölkerung verankern. „Was mich nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass uns die Menschen in Schlierbach selbst noch nicht so wahrnehmen, wie ich mir das wünschen würde.“ Daran soll weiter gearbeitet werden – unter anderem mit neuen Ideen und Veranstaltungen.

 

Quelle: MeinBezirk