Salesianer Don Boscos nach Erdbeben: Menschen nicht im Stich lassen

P. Rafael Bejarano Rivera, salesianischer Generalrat für Jugendpastoral, sprach mit Don Bosco Mission Austria über das verheerende Erdbeben in Kolumbien. (c) SDB/Schönlaub
„Gerade in einer solchen Situation müssen wir Solidarität zeigen. Die Menschen in Kolumbien haben selbst nach dem Erdbeben gezeigt, wie stark ihre gegenseitige Solidarität ist. Sie waren verängstigt und betroffen, haben aber gleichzeitig anderen geholfen“, sagte der Salesianer Don Boscos, der selbst aus Kolumbien stammt und nun auf Weltkirche-Ebene im Orden tätig ist.
Durch das Erdbeben wurden auch mehrere Einrichtungen der Salesianer Don Boscos schwer beschädigt. Besonders betroffen seien Einrichtungen in Chocó, Pereira und Dosquebradas, Manizales und Cali, sagte P. Rafael Bejarano. In Dosquebradas sei etwa ein großer Teil des Hauptgebäudes der Salesianer-Schule beschädigt worden, darunter die Bibliothek, Büros und mehrere Klassenzimmer. Besonders dramatisch sei die Situation aber in Cali: „Unsere Schule, die vor allem Kinder aus sehr armen Familien aufnimmt, wurde zu etwa 85 Prozent beschädigt. Auch die angrenzende Kirche wurde schwer beschädigt; große Teile des Daches sind eingestürzt.“
Glück im Unglück
Gleichzeitig habe es Glück im Unglück gegeben: „Zum Zeitpunkt des Erdbebens war die Schule in Cali wegen der Ferien leer. In anderen Einrichtungen konnten die Menschen dank regelmäßiger Evakuierungsübungen rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden.“
Der dringendste Unterstützungsbedarf bestehe in Cali. Die Schule habe rund 1.500 Schülerinnen und Schüler. „Wir wollen sie nicht schließen, denn das würde bedeuten, die Kinder und ihre Familien im Stich zu lassen“, meinte der Ordensmann. Deshalb brauche es dringend Unterstützung für den Wiederaufbau, die Fortsetzung des Unterrichts, Lebensmittel und Medikamente sowie psychologische Betreuung. Auch Familien und Mitarbeiter hätten ihre Häuser und teilweise ihren gesamten Besitz verloren.
Nächste Krise für junge Menschen
Für die jungen Menschen in Kolumbien sei die Erdbeben-Katastrophe besonders schwerwiegend, „weil viele von ihnen bereits mehrere Krisen erlebt haben“. Kolumbien sei seit Jahren von Gewalt und sozialen Problemen geprägt. Dann kam die COVID-19-Pandemie, die gerade für junge Menschen sehr belastend war.
P. Rafael Bejarano: „Viele Jugendliche mussten während der Pandemie isoliert zu Hause bleiben, teilweise ohne Strom oder Internet, und unter schwierigen Bedingungen lernen. Als sie danach wieder in die Schule zurückkehren konnten, war die Schule für viele wie eine Rettung: ein Ort der Stabilität und Normalität.“
Begleitung und psychologische Unterstützung
Nun erlebten viele dieser Jugendlichen erneut eine traumatische Situation. Einige haben durch das Erdbeben ihr Zuhause verloren oder müssen ihre Häuser verlassen, weil diese abgerissen werden. Dadurch kämen neue Ängste und psychische Belastungen hinzu. Deshalb bräuchten die Jugendlichen jetzt nicht nur Unterricht, sondern auch Begleitung und psychologische Unterstützung. „Die Schule ist für sie mehr als ein Ort der Bildung: Sie gibt ihnen Halt, Gemeinschaft und Hoffnung“, sagte der Ordensmann.
Quelle: kathpress