18. August 2026

P. Sebastian Maly: „Sind als Seelsorger immer auch Lernende“

Seit Dezember 2025 leitet Jesuitenpater Sebastian Maly den Bereich „Spiritualität und Exerzitien“ im Wiener Kardinal König Haus und wirkt an der Ausbildung von Seelsorgern mit. Er ist überzeugt: Als guter Seelsorger braucht man Ausbildung, Supervision und die Bereitschaft, eigene Grenzen anzuerkennen. Das hat er in einem Interview auf der Website der Jesuiten in Zentraleuropa erklärt.

P. Sebastian Maly ist überzeugt: Als guter Seelsorger braucht man Ausbildung, Supervision und die Bereitschaft, eigene Grenzen anzuerkennen.

P. Sebastian Maly ist überzeugt: Als guter Seelsorger braucht man Ausbildung, Supervision und die Bereitschaft, eigene Grenzen anzuerkennen. (c) SJ-Bild

 

Was gute Seelsorge ausmacht, sei nicht einfach an messbaren Ergebnissen festzumachen. Entscheidend sei vielmehr, „wenn dem Gegenüber die heilsame Gegenwart Gottes eröffnet wird – sei es durch die menschliche Begegnung, das Gespräch oder ein Ritual wie die Beichte. Gute Seelsorge verändert etwas.“ Das Mindestkriterium für gute Seelsorge sei aber klar: Sie dürfe auf keinen Fall schaden. „Das ist tatsächlich ein wichtiger Punkt, weil im Kontext von Seelsorge Übergriffe passieren – bis hin zu dem, was man geistlichen Missbrauch oder sogar sexualisierte Gewalt nennt.“

 

„Niemand ist vollkommen“

Seelsorger seien nicht unfehlbar. „Wir sind als Seelsorger immer auch Lernende, niemand ist vollkommen“, ist P. Sebastian Maly überzeugt. Supervision könne helfen, schwierige Situationen zu reflektieren. Nach der Aufdeckung der Missbrauchsfälle sei die frühere Unbekümmertheit in der Seelsorge verschwunden – was wichtig sei, aber auch neue Fragen und Unsicherheiten schaffe. Die Seelsorge habe sich seit den 1970er-Jahren zwar professionalisiert, doch „leider fehlt es noch an einheitlichen, überdiözesanen Standards in der Seelsorgeausbildung“ sowie an verpflichtender regelmäßiger Fortbildung und Supervision.

 

Neben Fachwissen und Gesprächstechniken brauche es vor allem eine bestimmte Haltung: Compassion in Form von Mitleidenschaft, Demut und die Bereitschaft, das Gegenüber als Mitmenschen wahrzunehmen. Und auch Humor: „Seelsorgern darf es nicht an Humor fehlen, um sich immer wieder von sich selbst und dem Erlebten zu distanzieren – und um zu spüren, dass ich ein Mensch unter vielen bin, der einfach versucht, seinen Dienst zu tun, und das mal besser und mal schlechter hinbekommt“, sagt der Jesuit.

 

Ersetzt keine Psychotherapie

Zugleich kennt Seelsorge klare Grenzen. Sie sei keine Psychotherapie. Wo therapeutische Hilfe nötig ist, müsse ein Seelsorger an Experten weiterverweisen. Dennoch könnten Glaube und Spiritualität gerade für Menschen in Krisen eine zusätzliche Ressource sein.

 

Im Februar 2027 startet im Kardinal König Haus wieder ein Lehrgang in Geistlicher Begleitung unter der Leitung von P. Sebastian Maly und Sr. Christa Huber CJ. Für die Geistliche Begleitung, die eng mit der ignatianischen Tradition verbunden ist, gilt für den Jesuiten ein besonderes Prinzip: Der Begleiter soll möglichst wenig in die Entwicklung des Gegenübers eingreifen. „Ich tue mein Möglichstes, um Gott nicht im Weg zu stehen.“ Dazu gehöre auch, neugierig zu bleiben – und staunen zu können, „was und wie Gott wirkt“.

 

Zum gesamten Interview auf der Website der Jesuiten

 

Quelle: Jesuiten