13. August 2026

Sr. Martha Zechmeister: Plädoyer für „Zivilisation der Armut“

Für eine „Zivilisation der Armut“ hat einmal mehr die österreichisch-salvadorianische Befreiungstheologin und Ordensfrau Martha Zechmeister plädiert. Dass nur Wachstum der Motor der Menschheit ist, also die Anhäufung von Kapital, sei eine „tödliche Logik, die den Suizid der Menschheit bedeutet“, sagte sie im Interview mit der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen (aktuelle Ausgabe).

Sr. Martha Zechmeister plädierte im Interview mit der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen einmal mehr für eine „Zivilisation der Armut“.

Sr. Martha Zechmeister plädierte im Interview mit der Kooperationsredaktion der heimischen Kirchenzeitungen einmal mehr für eine „Zivilisation der Armut“. (c) ÖOK/Manu Nitsch

 

Sr. Martha Zechmeister ist überzeugt: „Wenn ich das Lebensmodell Europas und erst recht das der USA universalisieren würde, wäre das morgen das Aus der Menschheit. Das hält der Planet einfach nicht aus.“ Die Grundidee einer Zivilisation der Armut müsse lauten: „Wie leben wir, dass die Grundbedürfnisse aller zu befriedigen sind?“ Dazu müsse man die grundlegenden Bedürfnisse zuerst erkennen und benennen. Es reiche nicht, sagte die Ordensfrau der Congregatio Jesu, „weniger Fleisch zu essen und den Müll zu trennen“. Sie sei nicht dagegen, „aber das allein ist zu wenig“.

 

Es sei eine Frage der Prioritäten: „Denken Sie zum Beispiel an die Pflege. Es ist uns in Europa wichtig, wie wir wohnen, welches Auto wir haben, wohin wir auf Urlaub fahren und wo wir speisen. Dafür ist uns keine Ausgabe zu teuer. Aber in Pflegeleistungen wollen wir möglichst wenig investieren! Dafür reicht das Geld nicht. Wo bleibt da die Menschlichkeit?“

 

„Können Zeichen der Hoffnung setzen“

Trotz aktueller Entwicklungen zeigte sich Sr. Martha Zechmeister, die am 5. August 2026 mit dem „Theologischen Preis“ der Salzburger Hochschulwochen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet worden war, zuversichtlich: „Wir können Zeichen der Hoffnung setzen. Auch Jesus hat nicht alle Kranken auf der Welt geheilt oder allen Hungernden etwas zu essen gegeben. Er hat mit einigen Menschen das Essen geteilt, ein paar Kranke geheilt.“ Nachsatz: „Mit sturer Hartnäckigkeit können auch wir messianische Zeichen der Hoffnung setzen.“

 

Die Theologin Dorothee Sölle habe es so formuliert: Dem Meer des Todes Inseln des Lebens abgewinnen. Sr. Martha Zechmeister dazu: „Das Meer des Todes scheint übermächtig. Ich kann resignieren und sagen, da kann man nichts machen. Oder ich gebe nicht auf, Lebensräume zu schaffen und zu schützen. Das hat politische Sprengkraft. Aber man kann nichts mit Gewalt herbeizwingen.“

 

„Ich verkaufe keine naiven Rezepte“

Zur Frage, wie die Politik Lebensräume schaffen kann, meinte die Ordensfrau und Theologin, dass sie keine leichten Lösungen anbieten könne. „Angela Merkels christlicher Ansatz, Flüchtlinge nicht einfach auszusperren, hat den Aufschwung der Rechtsautoritären befeuert. Ich verkaufe keine naiven Rezepte.“ Aber es gebe da wie dort Gestaltungsspielraum, sagte Sr. Martha Zechmeister: „Wir feiern als Christen die Erlösung, die von einem Gescheiterten kommt. Das Modell ist ja kein Erfolgsmodell. Jesus scheitert. Aber von dort kommt Erlösung!“

 

Quelle: kathpress