12. August 2026

Weingut Klosterneuburg zwischen Tradition und neuen Herausforderungen

Seit mehr als 900 Jahren wird im Stift Klosterneuburg Weinbau betrieben. Doch Tradition allein reiche nicht, um den Herausforderungen der Gegenwart zu begegnen, betonte der Weingutsleiter des Stifts, Peter Frei, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Kathpress: Sinkender Weinkonsum, Klimawandel, internationaler Preisdruck und die Ausbreitung der Amerikanischen Rebzikade verändern die Rahmenbedingungen. Das Stiftsweingut setzt daher auf neue Produkte, nachhaltige Bewirtschaftung und die Hoffnung auf wissenschaftliche Lösungen.

Weinrebe

Wein im Wandel: Der Weinbau im Stift Klosterneuburg blickt auf eine mehr als 900-jährige Geschichte zurück – und steht zugleich vor neuen Herausforderungen. © Pockismail (Pixabay)

 

Die Geschichte des Weinbaus in Klosterneuburg ist eng mit jener des Stifts verbunden. Als Markgraf Leopold III. im Jahr 1114 den Grundstein für die Stiftskirche legte, begann zugleich die Geschichte einer Weinbautradition, die bis heute fortbesteht. Bei der Weihe der Stiftskirche im Jahr 1136 soll bereits Wein aus dem eigenen Weingut ausgeschenkt worden sein. Auch wissenschaftlich hat Klosterneuburg eine besondere Rolle in der Geschichte des Weinbaus. 1860 wurde hier die erste Weinbauschule der Welt gegründet, zudem wurde auf Initiative der Augustiner-Chorherren erstmals die Rebsorte St. Laurent ausgepflanzt.

 

Weinbau im Umbruch

Heute bewirtschaftet das Stiftsweingut rund 120 Hektar Rebfläche, für die Peter Frei verantwortlich zeichnet. Auf die reiche Geschichte des Klosterneuburger Weinguts angesprochen, betont der Weingutsleiter im Kathpress-Gespräch, dass Tradition nicht Stillstand heißt, und es wichtig sei, sich den aktuellen Herausforderungen im Weinbau zu stellen.

 

Die Rebzikade als neue Bedrohung

Eine dieser Herausforderungen kommt aus dem Reich der Insekten: Die Amerikanische Rebzikade breitet sich zunehmend auch in Europa aus. Laut Medienberichten soll es etwa im Burgenland bereits Rodungsbescheide für befallene Weingärten geben. Der Schädling kann die sogenannte „Goldgelbe Vergilbung“ der Rebe übertragen – eine Pflanzenkrankheit, die ganze Weinstöcke schädigen und den Weinbau in den betroffenen Regionen erheblich beeinträchtigen kann.

 

Für das Stiftsweingut ist die Entwicklung besonders relevant, weil nachhaltige Produktionsweisen die Bekämpfung von Schädlingen erschweren können. Der weitgehende Verzicht auf chemische Pflanzenschutzmittel erhöht nach Einschätzung von Frei die Anfälligkeit der Reben.

 

Weingutsleiter Peter Frei

Die Zukunft im Blick: Weingutsleiter Peter Frei setzt auf Innovation und nachhaltige Bewirtschaftung, um den Weinbau für die Zukunft zu sichern. © Stift Klosterneuburg

 

Dennoch blickt der Weingutsleiter nicht ausschließlich pessimistisch auf die Entwicklung. Die Geschichte des Weinbaus habe gezeigt, dass auch schwere Schädlingsplagen nicht zwangsläufig das Ende einer Branche bedeuten. Die historische Reblausplage habe beispielsweise die Forschung und die Entwicklung neuer Züchtungen vorangetrieben. Ähnliche Ansätze könnten auch bei der Rebzikade eine Lösung bringen. Bis dahin hofft das Stiftsweingut, dass die Schäden möglichst begrenzt bleiben.

 

Weniger Wein, neue Produkte

Doch nicht nur im Weingarten verändern sich die Bedingungen, auch das Konsumverhalten hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt. Während der Weinkonsum zurückgeht, achten Konsumentinnen und Konsumenten zugleich stärker auf Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit. Zudem sei die Preissensibilität gestiegen, analysiert Frei. Das Stiftsweingut reagiert darauf mit einem breiteren Sortiment, das neben klassischem Wein auch Traubensaft, Verjus und alkoholfreien Wein umfasst. Damit soll das Angebot an die veränderten Bedürfnisse angepasst werden.

 

International unter Druck

Zusätzliche Herausforderungen bringt der internationale Weinmarkt. Für ein Weingut der Größe des Stifts ist ein gewisser Exportanteil notwendig. Während die aktuellen US-Zölle aufgrund des vergleichsweise kleinen Geschäfts in den Vereinigten Staaten nur begrenzte unmittelbare Auswirkungen haben, ist die Situation auf den europäischen Märkten schwieriger. Französische und italienische Weine drängen verstärkt nach Österreich und auf wichtige Exportmärkte wie Deutschland und Skandinavien. Gleichzeitig sinkt auch dort der Weinkonsum. Die Folge sind ein intensiver Wettbewerb und Preiskämpfe, denen sich auch das Stiftsweingut nicht entziehen kann.

 

Weingutfest Stift Klosterneuburg

Zwei Tage voller Genuss und Unterhaltung: Beim traditionellen Weingutsfest gibt es Gelegenheit, sich selbst ein Bild von der Qualität der Stiftsweine zu machen. © Stift Klosterneuburg/Victor Liska

 

Weingutsfest am 28. und 29. August

Wer sich von der Qualität der im Stiftsgut produzierten Getränke überzeugen möchte, hat dazu schon bald beim traditionellen Weingutsfest des Weinguts Stift Klosterneuburg Gelegenheit. Am Freitag, 28. und Samstag, 29. August 2026, wartet auf die Besucherinnen und Besucher ein abwechslungsreiches Programm mit ausgezeichneten Weinen, kulinarischen Spezialitäten, Musik, und Angeboten für die ganze Familie. Auch ein Blick hinter die Kulissen des Weinguts ist möglich: Es werden kostenlose Führungen durch den historischen Weinkeller angeboten, bei denen man mehr über die lange Weinbautradition des Stiftes erfahren kann.

 

Quellen: kathpress, Stift Klosterneuburg