P. Fritz Wenigwieser: „Werden weiterhin gebraucht werden“
Franziskaner-Provinzial P. Fritz Wenigwieser blickt im Gespräch mit den Salzburger Nachrichten optimistisch in die Zukunft. (c) OFM Austria
Angesprochen auf die Frage, ob es das Franziskanerkloster in der Salzburger Altstadt in 100 Jahren noch geben wird, zeigte er sich überzeugt, davon, dass es zwar große Veränderungen geben werde, die Ordensmänner aber weiterhin gebraucht werden. „Die Strukturen werden sich ändern. Es werden Klostergemeinschaften aufgelöst und zu größeren zusammengeschlossen werden. Aber es wird sie weiterhin geben“, sagte er.
Er selbst erlebte das Ordensleben vor rund 40 Jahren noch völlig anders. Er trat kurz nach der Matura ein. „Wir waren sieben junge Brüder und alle Feuer und Flamme für Franz von Assisi und das, was er lehrte“, erzählte er. Der Alltag in der Ausbildung sei streng gewesen: frühes Aufstehen, tägliche Messe und ein dichtes Programm. Heute seien die Voraussetzungen andere. Es gebe weniger neue Ordensmitglieder, jene, die eintreten, seien meist älter und brächten ihre persönliche Lebensgeschichte stärker mit. Auch im Kloster sei die Work-Life-Balance ein Thema geworden.
Zunehmender Individualismus im Kloster
Gesellschaftliche Entwicklungen machen also auch vor den Klostermauern nicht halt. Freie Tage und individuelle Gestaltungsmöglichkeiten gehören inzwischen ebenso zum Ordensleben wie außerhalb des Klosters. P. Fritz Wenigwieser beobachtet darin auch einen zunehmenden Individualismus. „Früher war das ein abgeschlossener Bereich, zu dem niemand sonst Zutritt hatte. Das war eine eigene Welt. Inzwischen hat in der Klausur die ganze Welt Einzug gehalten“, meinte er. Das entstehe auch durch die sozialen Medien: „Da kann man noch so hohe Eisengitter davor haben, mit ein paar Wischern auf dem Handy holt man sich die ganze Welt ins Zimmer.“
Gleichzeitig sieht der Franziskaner weiterhin eine wichtige Aufgabe der Klöster. In Salzburg etwa kommen regelmäßig Menschen zur Beichte, darunter auch viele junge Menschen. Ihre Probleme reichen von Konflikten in Partnerschaft und Familie bis zu Abhängigkeiten: „Da ist es nicht damit getan, demjenigen aufzutragen, zehn Vaterunser zu beten. Da bin ich dann gefordert, schnell herauszufinden, was dahinterstecken könnte, um demjenigen auch wirklich weiterhelfen zu können.“
„Spirituelle Zentren schaffen“
Das ideale Kloster der Zukunft sei für P. Fritz Wenigwieser eine bunte Gemeinschaft. „Meine Vision ist, dass wir spirituelle Zentren schaffen, wo die Menschen willkommen sind, wo wir Glauben leben und man eine Gemeinschaft hat, in der man mitleben kann“, sagte er im Gespräch mit den Salzburger Nachrichten. Ein Beispiel dafür habe er im Shalom-Kloster in Pupping erlebt: Franziskaner lebten dort gemeinsam mit einer ehemaligen Klarissin, Mitgliedern des dritten Ordens und Flüchtlingen. Solche Modelle seien aber heute noch die Ausnahme und nicht in jedem Kloster möglich.
Auch persönlich sucht der Franziskaner-Provinzial nach mehr Vertiefung. Wenn er sein Amt eines Tages abgibt, würde er gerne ein Jahr als Einsiedler leben: „Nicht, weil ich unbedingt weit weg von jeder Gemeinschaft allein leben möchte und die Nase voll von der Arbeit habe. Nein, es geht mir um Vertiefung. Ich möchte in meinem Leben die Beziehung zu Gott weiter vertiefen. Noch tiefer eintauchen.“
Quelle: Salzburger Nachrichten