Kreativer Pilgerort: Modernes Wallfahrten in der Basilika Frauenkirchen

Der Franziskanerpater Thomas Lackner fliegt mit einer Drohne regelmäßig über Kirche und Kloster, beispielsweise um etwaige Schäden am Dach so früh wie möglich zu erkennen. (c) Jutta Steiner/Kathpress
„Menschen, die hierherkommen, finden einen barrierefrei zugänglichen Wallfahrtsort, der nicht stehen geblieben ist und viele Menschen ansprechen will.“ Seine neueste Initiative am modernisierten „spirituellen Hotspot“: Nach der ersten und einzigen Messweintankstelle soll noch im August 2026 die erste E-Bike-Ladestelle vor der Kirche eröffnet werden.
„Es kommen an die 200 Radfahrer an Spitzentagen hier vorbei und was ich anbieten kann, ist diese Ladestation. Beim Warten können sie inzwischen die Basilika erkunden und sind sie einmal im Kirchraum, dann hat der liebe Gott bereits gewonnen“, sagte P. Thomas Lackner schmunzelnd. Das Motto lautet: „Lade den Akku Deines Fahrrads und tanke in der Basilika Deine Seele auf!“ Die E-Bike-Ladestation wird mit dem Strom der eigenen Photovoltaikanlage betrieben. „Im Sommer sind Kirche und Kloster sogar energieautark und ein Teil unseres Stroms wird auch in die Martinusenergiegemeinschaft eingespeist.“

Noch im August 2026 soll die erste E-Bike-Ladestelle vor der Basilika Frauenkirchen eröffnet werden. (c) Jutta Steiner/Kathpress
Abwärme der Kerzen wird genützt
Auch die Abwärme der Kerzen, die täglich von unzähligen Pilgerinnen und Pilgern angezündet werden und die im Sommer für teils bis zu 40 Grad in der kleinen Kapelle sorgen, wird für die Erhaltung der Mauern genützt. Zusammen mit einem Installateur hat der klimaschutzengagierte Franziskaner eine Luftwärmepumpe entwickelt, die über eine Bauteilheizung die Mauern vor Feuchtigkeit und Nässe schützt.
Auch sonst ist die Basilika auf modernstem Stand: Die Türen öffnen sich elektrisch, ebenso die Fenster zum Lüften der Klosteranlage. Selbst die Böden sowie die Toiletten des Pilger-WCs werden nach jeder Benutzung automatisch gewaschen und desinfiziert. Heizung, Klimaanlage und Lüftung steuert P. Thomas Lackner mit dem Smartphone. Weihwasser gibt es auch in der Sprühtube – eine Erfindung des Ordensmanns in der Corona-Zeit. Auf Screens wird über Beichtmöglichkeiten und Veranstaltungen informiert. Auch Drohnenaufnahmen sind darauf zu sehen. Sie stammen vom Franziskanerpater selbst, der einen Drohnenführerschein hat und regelmäßig über Kirche und Kloster fliegt, auch um etwaige Schäden am Dach so früh wie möglich zu erkennen.
„Spirituelle Experimente“
Das Interesse der Menschen am Glauben und an der Basilika Frauenkirchen will P. Thomas Lackner mit „spirituellen Experimenten“ niederschwellig wecken, erklärte der technikaffine Ordensmann. „Es gibt hier Dutzende Möglichkeiten, um in den Glauben oder das Ordensleben einzutauchen, für das sich heute wieder vermehrt Menschen interessieren.“
Bestes Beispiel dafür ist die Messweintankstelle vor der Basilika mit auf sechs Grad wohltemperierten Sorten. „Ich sage immer: Der Messwein für die Kehle – die Basilika für die Seele. Wir haben so viele Bedrohungsszenarien in dieser Welt, alles ist irrsinnig schnell und den Menschen fehlt das Geländer für das Leben. Hier können sie auftanken.“

Die Weine in der Messweintankstelle sind auf sechs Grad temperiert. (c) Jutta Steiner/Kathpress
Beim Verkosten beginne er mit einem „Schmäh“, der oft ganz schnell zu tiefgründigen Gesprächen führe. „Wir haben vier Messweine: zwei lieblich, zwei trocken und der letzte kommt aus der Hölle.“ Die Erwähnung der Hölle, übrigens ein Ortsteil von Illmitz, sorge erst für Erstaunen, stoße letztendlich aber theologische Diskussionen an – „und zwar nicht mit einem furchterregenden Bild, das Angst macht, sondern so, dass die Leute damit umgehen können und sich mit dem Leben nach dem Tod auseinandersetzen“.
Alle Menschen erreichen
Die Kirche müsse alle Menschen erreichen, auch jene, die ihr fernstehen, und ihre Türen entsprechend weiter öffnen, sagte P. Thomas Lackner. Die traditionelle Wallfahrt in ihrer bisherigen Form werde es künftig vielleicht nicht mehr in der Art geben, obwohl es „zum Glück immer noch Ausläufer dieser Volksfrömmigkeit gibt“, meinte er. Um auch jüngere Generationen anzusprechen, müssten neue Bezüge zum Glauben hergestellt werden.
Für Kinder hat er etwa die Sommeraktion „Die Brille der Dankbarkeit“ ins Leben gerufen: Wer die „Meckerbrille“ im Alltag absetzt und stattdessen die Dankbarkeitsbrille aufsetzt, kann am Sonntag nach der Heiligen Messe in der Basilika Frauenkirchen von seinen Dankbarkeitsmomenten erzählen und erhält als kleine Belohnung ein Eis. Zur Weihnachtszeit zieht die „sprechende Krippe“ besondere Aufmerksamkeit auf sich – insbesondere ein Eichhörnchen, das über der Krippe läuft. „Ich höre manchmal von stöhnenden Großeltern, dass sie deshalb mehrmals zur Kirche kommen müssen“, freut sich der Franziskanerpater. Derzeit tüftelt er bereits an einer weiteren Neuerung: Künftig soll das Lagerfeuer der Krippe mithilfe von Bühnenrauch noch realistischer wirken.
Liebesschlösser
Ehe- und Liebespaare können am Kirchenplatz ihr Liebesschloss an einem Fahnenmast anbringen, dann wird der Schlüssel zur Gnadenmutter Maria auf der Heide gebracht und um den mütterlichen Schutz der Liebe gebeten. „Wenn Menschen zeigen, dass sie zusammenhalten wollen, ist das schön. Doch bei uns werden die Schlüssel nicht weggeschmissen. Ich klettere mit den Paaren auf den Hochaltar, lege den Schlüssel zu Füßen der Maria und bete mit ihnen für den Schutz ihrer Beziehung oder Ehe ein ‚Gegrüßet seist du Maria‘.“

Ehe- und Liebespaare können am Kirchenplatz in Frauenkirchen ihr Liebesschloss an einem Fahnenmast anbringen. (c) Jutta Steiner/Kathpress
Im Social-Media-Zeitalter hat der Franziskaner auch an eine besondere Fotomöglichkeit gedacht, die als Wallfahrergrüße in die Welt geschickt werden kann: Im Kreuzgang der Basilika zu Mariä Geburt befindet sich aktuell ein sogenannter Engel-Photopoint. An der Wand sind barocke Engelsflügel montiert, vor denen Besucherinnen und Besucher ein Selfie machen können. „Die Scheinwerfer gehen an und die Menschen können aus Frauenkirchen als Engel eine positive Botschaft in die Welt schicken, die sonst so voll von Terror, Krieg und Gewalt ist.“
Himmelsliege und Sachertorte
Auf der „Himmelsliege“ vor der Basilika können die Wallfahrerinnen und Besucher rasten und den Blick nach oben richten. Auch das Kaffeehaus der Basilika und die Klosterläden seien ein beliebter Treffpunkt. Neben regionalen Produkten, wie Tofu aus Frauenkirchen, gibt es auch ein eigenes Basilika-Bier und eine Basilika-Sachertorte aus der Dose. In Deutschland hätten die Franziskaner am Wallfahrtsort Kreuzberg ein eigenes Bier. Für Radfahrerinnen und Wallfahrer, „die ihren Elektrolythaushalt wieder auftanken müssen“, hat P. Thomas Lackner darum ein eigenes Basilika-Bier im Sortiment.

Im Sortiment des Klosterladens ist ein eigenes Basilika-Bier zu finden. (c) Jutta Steiner/Kathpress
Die Idee zur eigenen Sachertorte kam ihm, als er sich wieder den geschichtlichen Rätseln der Basilika widmete. „Ich habe gelesen, dass in unserer Krypta Johannes Carolus Esterhazy de Galantha (1775-1834) bestattet ist und der hatte einen berühmten Koch mit Namen Franz Sacher auf seinem Schloss Zseliz (damals in Ungarn, heute in der Slowakei) angestellt.“ Besagter Franz Sacher machte sich später selbstständig und hat die berühmteste Süßspeise Österreichs erfunden. „Esterhazy hat höchstwahrscheinlich die allererste Sachertorte gegessen. Unseren Besuchern sage ich: Gönnen Sie sich in Verbundenheit mit der Basilika Frauenkirchen ein Stück und wenn Sie in der Kirche ein ‚Vater unser‘ beten, dann dürfen Sie sich auch eine Portion Schlag genehmigen.“
Geheimgänge
Aktuell ist der Franziskaner auf der Suche nach Geheimgängen unter der Basilika. „Es soll drei davon geben, wie die Leute erzählen, und es ist gar nicht so unwahrscheinlich, denn in der Türkenzeit hat man ja auch, wenn die Gefahr herangerückt ist, die kirchlichen Schätze in die Mauer eingemauert. Aber die, die davon wussten, haben das Geheimnis mit ins Grab genommen“, erzählte P. Thomas Lackner. Einmal habe er gedacht, einen Geheimgang beim Rasenmähen gefunden zu haben. Wie sich herausstellte, war dort einmal ein Brunnen. In der Krypta wird gerade ein neuer Versuch gestartet, die Geheimgänge zu entdecken. „Auch Wünschelrutengeher waren schon hier und meinten zu wissen, wo sich die Geheimgänge verstecken. Nur Garantie wollten sie mir keine geben.“
Quelle: kathpress