31. Juli 2026

Sr. Maria Schlackl: „Sexarbeit ist keine Arbeit wie jede andere“

Zum Welttag gegen Menschenhandel am 30. Juli fordert Sr. Maria Schlackl, Initiatorin von „Aktiv gegen Menschenhandel – aktiv für Menschenwürde“, ein Umdenken in Politik und Gesellschaft. Über 90 Prozent der in Österreich sexuell ausgebeuteten Frauen und Mädchen kommen aus dem Ausland, zuletzt zunehmend aus China. Die liberale Prostitutionsgesetzgebung begünstigt diese Ausbeutung und muss dringend reformiert werden sagt sie im Kathpress-Interview.

Portät Sr. Maria Schlackl

Sr. Maria Schlackl ist Inititatorin des Vereins „Aktiv gegen Menschenhandel - aktiv für Menschenwürde“, der 2020 auch mit dem Preis der Orden ausgezeichnet wurde. (c) Martin Maria Eder 

 

Mehr als 90 Prozent aller Frauen und Mädchen, die in Österreich als „Sexdienstleisterinnen“ ausgebeutet werden, kommen aus dem Ausland, informierte Schlackl. Die Ordensfrau sieht darin einen engen Zusammenhang zwischen Migration sowie Arbeits- und sexueller Ausbeutung. Zuletzt sind insbesondere Frauen aus China verstärkt von Menschenhandel betroffen, so Schlackl mit Verweis auf aktuelle Polizeiberichte.

 

Bei sexueller Ausbeutung bestimmt die Nachfrage das „Angebot“ bzw. den Missbrauch, so die Salvatorianerin. Wer sexuelle Dienstleistungen nachfragt, trägt daher dazu bei, den Markt für Menschenhandel aufrechtzuerhalten. Täter wie Profiteure müssen zur Verantwortung gezogen werden, forderte Schlackl: „Es geht um Menschen, nicht um Ware, die man konsumieren kann.“

 

„Ware Frau“

Kritik übte Schlackl auch an der politischen Debatte. Die Politik positioniert sich zwar regelmäßig gegen Menschenhandel, blendet aber die Rolle der Prostitutionsgesetzgebung weitgehend aus. Das Geschäft mit der „Ware Frau“ funktioniert in Österreich nur aufgrund der liberalen Prostitutionsgesetzgebung, betonte Schlackl: „Die Frauen werden damit der Ausbeutung freigegeben.“

 

Auch der Begriff „Sexarbeit“ verschleiert ihrer Ansicht nach die Realität jener Frauen und Mädchen, die Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution sind. „Sexarbeit ist keine Arbeit wie jede andere“, so die Menschenhandels-Expertin. Besonders besorgniserregend ist, dass die Zahl der unter 14-Jährigen, die von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung betroffen sind, steigt.

 

Jüngste Fälle in Österreich und Schweiz

Neben gesetzlichen Änderungen braucht es auch eine gesellschaftliche Sensibilisierung, so die Ordensfrau. Sexistische Sprache, frauenverachtende Witze und digitale Formen sexualisierter Gewalt dürfen nicht verharmlost werden. Auch vor neueren Formen der sexuellen Ausbeutung - die bereits erwähnten digitalen Formen sexualisierter Gewalt - darf man nicht wegschauen, forderte Schlackl.

 

Sie verweist auf die internationale Ermittlungsaktion „Operation Medusa“ gegen ein Missbrauchsnetzwerk in mehreren europäischen Staaten; auch ein Fall aus Niederösterreich sowie einer aus Tirol wurden unabhängig von der Europol-Operation im Juli bekannt. Weiters soll ein Schweizer Ex-Politiker jahrelang seine Lebensgefährtin und ihre minderjährige Tochter betäubt, missbraucht und gefilmt haben.

 

Hilfe zu Autonomie und Selbsthilfe

Ihre vom Verein „Solwodi“ (Solidarity with Women in Distress) getragene Initiative macht immer wieder durch Vorträge, Diskussionsrunden und persönliche Gespräche den Zusammenhang von Sexkauf und Menschenhandel deutlich. Die Initiative „Solwodi“ lädt am 18. Oktober zu einer Fachtagung im ORF-Landesstudio Oberösterreich, bei der Expertinnen und Experten über Ursachen und Folgen sexueller Ausbeutung sowie mögliche gesetzliche Konsequenzen diskutieren.

 

Sr. Anna Mayrhofer beantwortet im YouTube-Video einige Fragen zu Solwodi. 

 

„Solwodi“ wurde 1985 von Sr. Lea Ackermann in Kenia gegründet und setzt sich mittlerweile auch in Deutschland und Rumänien für eine Verbesserung der Stellung von Frauen ein, die in ihren Heimatländern oder in Europa in eine große Notlage bis in die Prostitution geraten sind. Der österreichische Verein wurde von sechs Ordensgemeinschaften, darunter die Salvatorianerinnen und die Caritas Socialis Schwesterngemeinschaft, gegründet. Heute ist der Verein in mehreren europäischen Ländern aktiv und setzt sich für die Verbesserung der Stellung von Frauen ein.

 

Quelle: Kathpress