P. Georg Sporschill SJ feiert 80. Geburtstag

„Wo werde ich gebraucht, wo ist die Not am größten?“ war und ist die Leitfrage von P. Sporschill, der seit 2012 im rumänischen Siebenbürgen lebt und sich für Roma-Familien einsetzt.
Georg Sporschill: Mit den Roma in Siebenbürgen
Dem am 26. Juli 1946 in Feldkirch geborenen Georg Sporschill waren seit seiner Studienzeit „die Schwierigen ans Herz gewachsen“. Seine Leitfrage war stets: „Wo werde ich gebraucht, wo ist die Not am größten?“ Für sein Wirken – u. a. für Straßenkinder in Osteuropa und für Roma in Siebenbürgen – wurde er vielfach ausgezeichnet. Die größte Auszeichnung aber war ihm stets, das Leben mit den ihm anvertrauten Menschen teilen zu dürfen, in gegenseitiger Wertschätzung und auf Augenhöhe.
Georg Sporschill trat mit 30 Jahren in den Jesuitenorden ein, war Redakteur der Zeitschrift „Entschluss“ und Motor einer großen Jugendbewegung. In Wien organisierte er das Caritas-Jugendhaus in der Blindengasse, den Canisibus zur Essensverteilung an Armuts-Hotspots sowie das sozialökonomische Arbeitsmarktprojekt „Café Inigo“ in der Innenstadt. 1991 sandte ihn der Orden nach Rumänien. Bis 2011 leitete er den Verein „Concordia Sozialprojekte“, der sich der Arbeit mit Straßenkindern in mehreren Ländern Osteuropas widmet.

Immer mit den Menschen unterwegs: P. Georg Sporschill im Roma-Dorf. (c) Elijah
Roma-Hilfsprojekt „Elijah“
Er übergab die Leitung von „Concordia“ an ein neues Team. Er wollte nun selbst „in das Milieu gehen, wo die Straßenkinder herkommen: zu den überforderten und verwahrlosten Roma-Familien“. So ging Sporschill in die Roma-Dörfer des siebenbürgischen Harbachtals (Valea Hărtibaciului), wo die deutsche Theologin und Sozialarbeiterin Ruth Zenkert – mit der er schon bei Concordia zusammenarbeitete – das Hilfsprojekt „Elijah“ gestartet hatte.
Der Name nimmt Bezug auf den biblischen „Feuerpropheten“ Elijah. Im steirischen Sonntagsblatt schreibt Sporschill dazu: „Wir wollten an die Wurzel gehen, dorthin, wo die Not herkommt. (...) Der Prophet Elijah erweckte das tote Kind einer armen Witwe zum Leben. Allerdings verlangte er etwas von der Witwe: Mit dem letzten Mehl und Öl, das sie im Topf hatte, sollte sie für ihn Brot backen. Er zeigte der Witwe, dass sie nicht armselige Empfängerin, sondern Gastgeberin war.“

Elijah versorgt Kinder mit warmem Essen und versucht, sie zum Schulbesuch zu bewegen. (c) ÖOK/msc
Noch heute staunt er, wenn er in die Hütten der Roma-Familien kommt: „Wie viele Kinder und Verwandte leben da in einem einzigen Raum! Unglaubliche Gastfreundschaft. Ein farbiger Wandteppich mit dem Motiv des letzten Abendmahles oder des Guten Hirten ziert die Wand und verdeckt Löcher. Hier ist Jesus zuhause, er empfängt mich in der Armut mit einer Fröhlichkeit.“ Und: „Wenn ich unsere Arbeit beschreiben müsste, dann sage ich nicht 'Arbeit', sondern: Wir leben zusammen. Wir teilen Freud und Leid.“
„So hält man miteinander den Wahnsinn aus“
Bei einem Lokalaugenschein von Kathpress vor Ort formulierte es Sporschill so: „Wir fühlen uns bei den Roma zugehörig, und sie bei uns. Und dann hält man irgendwie miteinander den Wahnsinn aus.“

P. Georg Sporschill ist ein gern gesehener Gast in den Roma-Dörfern. (c) ÖOK/msc
Ein Mangel an Bildung, hohe Arbeitslosigkeit und große Perspektivlosigkeit prägen das Leben vieler Roma. Viele sind zudem Analphabeten. Zehnköpfige Familien leben unter schwierigen Bedingungen in baufälligen Ein-Raum-Häusern. Dass Mädchen mit 13 Jahren verheiratet und dann oft gleich schwanger werden, sei ganz normal, berichtet Sporschill im Kathpress-Interview, aus dem auch ein Podcast entstand. „Elijah“ geht es in diesem Umfeld vor allem darum, die Verwahrlosung der Kinder zu beenden, ihnen Schulbesuch zu ermöglichen und Basisfähigkeiten in Hygiene und geregeltem Tagesablauf einzuüben.
Sporschill: „Wir besuchen die Leute zu Hause und sind viel mit ihnen zusammen. Und dann versuchen wir, um die Kinder zu werben. Wir bieten ihnen in unseren Sozialzentren warmes Essen oder Waschmöglichkeiten und versuchen, sie zum Schulbesuch zu motivieren.“

Ruth Zenkert glaubt an die Kraft der Musik. Der Besuch einer Musikschule ist oft der erste Schritt zum Besuch einer normalen Schule. (c) ÖOK/msc
„Wer musiziert, ist nicht verwahrlost“
Ruth Zenkert startete ursprünglich mit einem Musikprojekt, um das Vertrauen der Roma zu gewinnen. So entstanden zwei Musikschulen in Nou und Hosman, in denen inzwischen rund 300 Kinder unterrichtet werden. Sporschill: „Vor zwölf Jahren gab es in unseren Dörfern keine Stimme, kein Musikinstrument, und jetzt spielen Hunderte Kinder Musik.“ Die Roma hätten eine besondere Begabung für Musik; das Beherrschen eines Instruments gibt den Kindern Selbstwertgefühl. „Wer musiziert, ist nicht verwahrlost“ – der Besuch einer Musikschule ist oft der erste Schritt zum Besuch einer normalen Schule.
Aus der musikpädagogischen Arbeit entwickelte sich über die Jahre ein vielfältiges Hilfsangebot: Horte, Sozialzentren, Arztpraxen, Nachhilfekurse, Jobtrainings, Sportangebote, Familienhäuser, Kinderkrippen für berufstätige Mütter, ein Bauhof für Hausrenovierungen, Töpferei und Weberei, Familienhilfen, ein Schülerwohnheim im nahen Sibiu, ein Streetwork-Projekt in Bukarest und vieles mehr. In den vergangenen 14 Jahren kam praktisch jedes Jahr eine neue Einrichtung hinzu. Viele Jugendliche haben mithilfe von Nachmittagsbetreuung die Schule abgeschlossen, einige haben es bis zum Studium geschafft – möglich nur dank der vielen treuen Spenderinnen und Spender, betont Sporschill.

Elijah hat inzwischen mehr als 80 Mitarbeiter:innen in Rumänien. (c) ÖOK/msc
Inzwischen arbeiten 80 Rumäninnen und Rumänen in Voll- oder Teilzeit für „Elijah“; auch einige ehemalige Roma-Schützlinge zählen mittlerweile zu den Stützen des Projekts. Eine weitere Stütze sind Ehrenamtliche aus allen Altersgruppen – regelmäßig kommen Volontäre aus Österreich für einige Monate bis ein Jahr ins Harbachtal. Für viele ist es die erste Erfahrung des Mitlebens in einer ökumenischen Basisgemeinde, zu der auch das tägliche Gebet gehört.
Heute betreibt der Verein „Elijah“ u. a. vier Sozialzentren, Musikschulen, Jugendklubs, Nachmittagsbetreuung, Nachhilfe, Ausbildungs- und Arbeitsprojekte, ein Schülerwohnheim, ein Mutter-Kind-Haus, ein Streetwork-Projekt in Bukarest sowie Hilfe beim Neu- und Umbau von Häusern.

Aurelia, eine wunderschöne und vom Leben gezeichnete 85-jährige Frau in der von „Elijah“ erbauten Roma-Siedlung in Nocrich. (c) ÖOK/msc
Augenmerk auf die „geistigen Erben“
Im jüngsten Jahresbericht von „Elijah“ schreibt Sporschill, dass er angesichts seines 80. Geburtstags sein Augenmerk verstärkt auf seine „geistigen Erben“ legen wolle. Der alttestamentliche Prophet Elijah – bedeutend im Judentum wie im Christentum, Nothelfer und Vorbild für soziale Arbeit – habe „50 starke Schüler hinterlassen". Elijah sei diesbezüglich auch Vorbild für Unternehmer: „Gute Unternehmer haben Nachfolger. Wer lernt von dir? Wer teilt mit dir die Aufgabe? Wer sind deine Erben?“
Das Kathpress-Interview wurde im Religionspodcast „Wer glaubt, wird selig“ anlässlich des Geburtstags von Sporschill neu publiziert und ist hier abrufbar.
2026 ist zudem ein Film über P. Sporschill und „Elijah“ entstanden (YouTube).
„Moise – Mein Leben mit Pater Georg“
Florin Moise, ein ehemaliges Straßenkind aus einem rumänischen Romadorf, hat Sporschill zum 80. Geburtstag eine Graphic Novel gewidmet: „Moise – Mein Leben mit Pater Georg“ ist im Wiener Verlag für moderne Kunst (vfmk.org) erschienen. Bestellbar gegen eine Mindestspende von 30 Euro bei:
Verein Elijah, Lagergasse 1/4, 1030 Wien
per Mail office.wien@elijah.at
per Tel. +43 1 9526000
Quelle: Kathpress