Theologin Zechmeister fordert Kirche an der Seite der Armen
Ein Leben inmitten von Armut und Gewalt: In El Salvador wurde Martha Zechmeister bewusst, dass sich Gott gerade in einer Wirklichkeit suchen lässt, die ihm am schreiendsten widerspricht. © ÖOK/Manu Nitsch
Kirchliche Ämter müssten sich letztlich an den Erfahrungen und Bedürfnissen der Armen und Ausgegrenzten messen lassen, sagte die langjährige Professorin an der Jesuiten-Universität in San Salvador. Christliche Theologie ohne konkreten Einsatz für benachteiligte Menschen verfehle letztlich ihren eigenen Anspruch.
Armut und Gewalt als prägende Erfahrungen
Die Theologin, die dem Orden Congregatio Jesu (davor: Orden der Englischen Fräulein) angehört und seit 17 Jahren in El Salvador lebt und lehrt, begründet diese Position mit ihren Erfahrungen in dem von Armut und Gewalt geprägten Land. Erst dort sei ihr bewusst geworden, dass sich Gott gerade in einer Wirklichkeit suchen lasse, „die ihm am schreiendsten widerspricht“.
Im zentralamerikanischen Land El Salvador sei auch ihre Vorstellung, gesellschaftliches Elend mit gutem Willen überwinden zu können, zerbrochen, meinte Zechmeister. Prägend sei für sie auch ein Satz des deutschen Theologen Johann Baptist Metz gewesen: „Mit dem Rücken zur Leidensgeschichte dieser Welt kannst du nicht von Gott sprechen.“
Von der Kraft christlicher Hoffnung
Zechmeister widerspricht damit einem Verständnis von Theologie, das Gotteserkenntnis von sozialem Handeln trennt. Auch Wohltätigkeit allein reiche nicht aus, urteilt die Ordensfrau. Und weiter: „Die Autorität der Leidenden, durch die Gott sich offenbart, ist damit die höchste Autorität der Kirche – ihr sind letztlich auch alle kirchlichen Ämter unterstellt. Als Ordensfrau bedeutet für mich mein Gelübde des Gehorsams, dieser Autorität ohne Wenn und Aber zu gehorchen – ein Anspruch, der übrigens für jeden Christen gilt."
Angesichts von Krieg, Armut und sozialer Ungerechtigkeit warnt Zechmeister zugleich vor Resignation. Hoffnung sei „immer ein sozialer Akt“ und dürfe weder in Schönfärberei noch in Rückzug münden. Christliche Hoffnung bedeute vielmehr einen „sturen, hartnäckigen Widerstand gegen die Evidenz dessen, was übermächtig und erdrückend scheint“. Als Vorbild nennt sie den 1980 ermordeten salvadorianischen Erzbischof Óscar Romero, der trotz der Gewalt an der Hoffnung festgehalten habe, „dass über den Ruinen ein Licht erstrahlen wird“.
Mit einer Fläche von etwas mehr als 21.000 Quadratkilometern ist El Salvador etwa so groß wie Niederösterreich. Auf diesem vergleichsweise kleinen Staatsgebiet leben rund 6,3 Millionen Menschen, womit El Salvador das am dichtesten besiedelte Land Zentralamerikas ist. Rund die Hälfte der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze. In der ehemaligen spanischen Kolonie herrschte von 1980 bis 1991 ein Bürgerkrieg. Im Kampf zwischen Militärdiktatur und Guerillabewegung kamen rund 70.000 Menschen ums Leben – der Mord an Erzbischof Óscar Romero, einem der prominentesten Kritiker des Militärregimes, am 24. März 1980 fiel darunter. 1992 kam es schließlich zu einem Friedensvertrag.
Quelle: kathpress