„Nun Girl Summer“: Birkenstock wirbt mit animierter Filz-Nonne

Kloster-Chic für die Generation TikTok: Der Kult-Schuhhersteller will mit dem Aufgreifen des „Nun Girl Summer“-Trends all jene ansprechen, die nach Einfachheit und Schlichtheit suchen. © Instagram/Birkenstock | Canva
Der Begriff, der von „Cosmopolitan“ und anderen Medien geprägt wurde, nachdem der Podcast „Dominican Sisters Open Mic“ in den vergangenen Monaten online für Aufmerksamkeit sorgte, ist eine Anspielung auf „Hot Girl Summer“ und steht für eine Sehnsucht nach Einfachheit, Gemeinschaft und Entschleunigung.
„Get into the habit!“
„From hippies and punks to nuns and monks – some wear a habit, others make it one“, heißt es in der Beschreibung zum Birkenstock-Werbeclip. Die Kampagne entstand in Zusammenarbeit mit der Animatorin Alina Golovlova und wurde von einer Birkenstock-Anzeige aus den 1980er Jahren inspiriert. Darauf waren mehrere lächelnde Nonnen zu sehen, die nebeneinander gingen – verbunden mit dem Wortspiel „Get into the habit!“.
Das Wort „habit“ spielt im Englischen mit einer Doppelbedeutung: Es bezeichnet sowohl das Ordensgewand als auch eine Gewohnheit oder Lebensweise. Und diese liegt insbesondere seit Bekanntwerden der Nonnen aus dem Kloster in Michigan, die in TikTok-Videos darüber sprechen, worauf sie in der Fastenzeit verzichten und sich bei Ultimate-Frisbee-Spielen zeigen, voll im Trend.

Das Original: Schon in den 1980ern warb Birkenstock mit Ordensfrauen, die die Kult-Sandalen trugen. © Birkenstock/Instagram | Reve (KI-generiert)
Ein Kultschuh, viele Ordensfans
Die Kampagne erregte schnell Aufmerksamkeit in den sozialen Medien, besonders unter katholischen Nutzerinnen und Nutzern. „Ich habe tatsächlich angefangen, Birkenstocks zu tragen, wegen der Zisterzienserinnen in Massachusetts“, schrieb eine Userin. Viele verwiesen auf die lange Verbindung zwischen Ordensleuten und den beliebten Sandalen. „Das ist so lustig, ich sage immer, Birkenstock sollte die Mönche des Klosters sponsern, in dem ich die Messe besuche – sie sind große Fans! Ich liebe das“, so ein weiterer Kommentar.
Eine Ordensfrau nutzte die Aufmerksamkeit schließlich mit einem Augenzwinkern, um das Unternehmen direkt nach einem Rabatt zu fragen: „Tatsächlich eine Nonne hier. Ich trage meine Birkenstocks täglich, aber sie müssen definitiv ersetzt werden. @birkenstock, gibt es einen Rabatt für Nonnen?“ Das Marketing sei „Gold wert“, erklärten viele andere. Ein User kommentierte: „Das bedeutet, seinen Markt zu kennen. Ich sehe so viele unserer Priester mit Birkenstocks. Manchmal gehen sie sogar voll in den ‚Father Mode‘ und tragen sie mit Socken!“
Und auch mehrere heimische Ordensleute haben ihre Likes unter das Birkenstock-Posting gesetzt. Abt Nikodemus Schnabl etwa schrieb mit einem Augenzwinkern: „Fühle mich ertappt!“
Neue Sehnsucht nach Einfachheit
Und tatsächlich: Birkenstock-Sandalen werden von vielen Ordensfrauen und Ordensmännern wegen ihres schlichten Designs, ihrer Langlebigkeit und ihres Tragekomforts geschätzt, schrieb das katholische Online-Magazin „ChurchPOP“. Die Sandalen passten zudem zur Lebensweise vieler Ordensgemeinschaften, die Werte wie Einfachheit und Verzicht betonen. Gerade für Ordensleute, die häufig zu Fuß unterwegs seien oder in pastoralen und sozialen Aufgaben arbeiten, sei der Komfort ein wichtiger Faktor, hieß es in dem Magazin.
Der Schuhhersteller hat mit dem Aufgreifen des „Nun Girl Summer“-Trends jedenfalls offensichtlich einen Nerv der Zeit getroffen. „Die Birkenstock-Werbung scheint jene anzusprechen, die in einer Zeit des endlosen Scrollens und der schnellen Dopamin-Kicks nach Einfachheit suchen“, berichtete „Premier Christian News“. Ob aus der Sehnsucht nach Einfachheit und Gemeinschaft auch ein größeres Interesse an Glauben oder Ordensberufen entsteht oder ob es sich hauptsächlich um eine Faszination für einen Lebensstil, der als Gegenpol zur ständigen digitalen Beschleunigung wahrgenommen wird, handelt, wird die Zukunft zeigen.
Quelle: kathpress