Br. David Steindl-Rast: Kolloquium mit Blick auf das „Geheimnis des Lebens“

Zeit für ein Foto: Nach dem Gottesdienst in der Stiftskirche, bei dem auf Wunsch von Br. David die Krönungsmesse von Mozart erklang, freuten sich alle über den gelungenen Abschluss des zweitägigen Kolloquiums. © Stift Kremsmünster
Im Zentrum des Gesprächs, das Matthias Beck mit dem Jubilar vor rund 450 Tagungsgästen führte, standen Grundfragen des Menschen, dem, so Steindl-Rast, „die Gottesbeziehung angeboren ist“. Der bekannte spirituelle Lehrer ging aber auch auf das Proprium des christlichen Glaubens, seine persönliche Christus-Beziehung und seine Haltung zu Leben, Tod und Auferstehung ein.
Die Frage, was nach dem Sterben komme, sei „sehr problematisch, denn man stirbt, wenn die Zeit um ist. Und wenn die Zeit um ist, kann nachher nichts mehr kommen“. Aber, so Steindl-Rast, „wir leben jetzt schon in Zeit und Ewigkeit“, denn das Wichtigste, wie die Liebe, sei der Zeit nicht unterworfen. Er vertraue daher darauf, „dass liebevolle Beziehungen irgendwie bleiben in einer Existenzweise, die wir uns so wenig vorstellen können, wie sich eine Raupe ihre spätere Existenz als Schmetterling vorstellen könne“. Abschließend sagte Steindl-Rast bekenntnishaft unter Verweis auf den Wiener Künstler-Priester Otto Mauer: „Der Mensch stirbt nicht am Tod. Der Mensch stirbt an ausgereifter Liebe. Und das wünschen wir uns alle.“
Die Botschaft des leeren Grabs
Ausführlich ging Steindl-Rast auf die Bedeutung der in den Evangelien überlieferten Botschaft vom „leeren Grab“ und auf den Bericht über das dort aufgefundene Leichentuch Jesu ein. Es sei wissenschaftlich heute weitaus schwieriger zu sagen, dass das Leichentuch von Turin, „die bestuntersuchte Reliquie der Weltgeschichte“, „irgendwie entstanden ist“, als vielmehr zu sagen, es sei „ein Überrest des verschwundenen Leibes Jesu“.

Plädoyer für das Leben: Im Gespräch mit Matthias Beck appellierte Br. David an alle Skeptiker, mehr Lebensvertrauen zu haben. © Stift Kremsmünster
Das leere Grab und das Leichentuch seien das einzige gewesen, was Maria Magdalena und die Jünger vorgefunden hätten. Aus der Art und Weise, wie sie beides aber vorgefunden haben, seien sie zum Schluss gekommen, dass Jesu Leichnam nicht gestohlen wurde. Dazu sei die Gewissheit gekommen: „Er lebt.“ Das einzige Wort, das dafür zur Verfügung gestanden sei, sei der missverständliche Begriff „Auferstehung“ gewesen. Steindl-Rast: Ähnlich wie die Jünger damals „stehen auch wir heute wieder vor dem leeren Grab“ und könnten mit all dem inzwischen vorhandenen Wissen sagen: „Er lebt. Er ist nicht da, und doch ganz anders da.“
Vertrauen in das Leben
Einmal mehr plädierte Steindl-Rast für eine positive Haltung zum Leben als Kern der menschlichen Existenz. Der skeptische Mensch von heute brauche mehr „Lebensvertrauen“. Es gelte, die Menschen daran zu erinnern, dass sie unbewusst ohnehin zu 99,9 Prozent dem Leben vertrauen. „Jede Sekunde sterben in deinem Leib zwei Millionen rote Blutkörperchen und müssen ersetzt werden. Versuch das einmal! Du vertraust dem Leben, das alles zu erledigen.“ Wenn das allermeiste unserer physischen Existenz von diesem Grundvertrauen getragen sei, so sollte auch unsere psychische Existenz, „das letzte Zehntel von einem Prozent“, von Vertrauen in das Leben geprägt sein.
„Glaube – wozu?“
Im Anschluss traf sich eine hochrangige Diskussionsrunde im Kaisersaal, um sich mit der Sinnfrage des Glaubens zu beschäftigen. Der von Josef Bruckmoser (Salzburger Nachrichten) geleiteten Gesprächsrunde gehörten Prof. Dr. Isabelle Bruckner (Freiburg), Prof. Dr. Sr. Maura Zátonyi OSB (Eibingen, Sant’Anselmo Rom), Bundeskanzler a.D. Dr. Wolfgang Schüssel und Abt Bernhard Eckerstorfer an. Isabelle Bruckner plädierte dafür, prägende theologische Grundworte neu zu übersetzen und als „Worte zum Festhalten“ zugänglich zu machen. Wolfgang Schüssel sprach von der christlichen Prägung Europas und rief die Christen zur Bereitschaft auf, mehr für ihre Einstellung zu kämpfen. Aus der Erfahrung seiner Lebenszeit schaue er – wie Sr. Maura auch – sehr zuversichtlich in die Zukunft, für die das „Wir“ entscheidend sei. Er erwähnte in diesem Zusammenhang einen Besuch im Stift Kremsmünster, bei dem er erlebte, wie junge Menschen trotz ihrer Unterschiede gemeinsam feierten und tiefe spirituelle Erlebnisse miteinander teilten. Für Abt Bernhard braucht Tradition stetige Innovation und Erfahrung, der Glaube werde aufgebaut, wo wir entdecken, was uns freut, wie er von Br. David gelernt habe. Spuren des Geheimnisses erlebe er ganzheitlich, in Musik, Poesie, Architektur und Riten.

Miteinander statt gegeneinander: Wolfgang Schüssel berichtete von einem Besuch im Stift Kremsmünster, bei dem er erlebte, wie junge Menschen trotz ihrer Unterschiede gemeinsam feierten. © Stift Kremsmünster
Festlicher Abschluss mit Erzbischof Grünwidl
Den Abschluss und Höhepunkt des Kolloquiums bildete die Festmesse zum Hochfest Hl. Benedikt, Patron Europas, mit dem Wiener Erzbischof Grünwidl. Wie es sich Br. David gewünscht hatte, erklang zum Gottesdienst in der Stiftskirche Mozarts Krönungsmesse. In seiner Predigt ging der Erzbischof auf den Hl. Benedikt und die Benediktiner ein, denen er durch seine Herkunft persönlich sehr verbunden sei, Br. David würdigte er als Geschenk für die Kirche und die Welt. Am Ende des Gottesdienstes dankte Abt Bernhard dem neuen Erzbischof mit den besten Wünschen für seine erste Messe in Oberösterreich. Schließlich ging Br. David zum Altar, um sich persönlich für die Feier des Kolloquiums zu seinem Geburtstag und all das Gute, das er erfahren habe, zu bedanken.

Zum Abschluss des Festgottesdienstes bedankte sich Br. David Steindl-Rast bei allen, die das Kolloquium organisiert und vorbereitet haben. © Stift Kremsmünster
Schön sei, so meinte er, dass die Feier draußen im Hof mit einem wortlosen Ritual in Stille ende, weiße Tauben als Symbol des Friedens in den Abendhimmel fliegen zu lassen – was dann auch geschah.
Benediktiner und spiritueller Lehrer
David Steindl-Rast wurde 1926 in Wien geboren. Nach Studien an der Akademie der Bildenden Künste und der Universität Wien promovierte er in Psychologie und Anthropologie. 1953 trat er in das Benediktinerkloster Mount Saviour im US-Bundesstaat New York ein. Er ist Mitbegründer des Center for Spiritual Studies und seit Jahrzehnten eine zentrale Stimme im interreligiösen Dialog. Heute lebt und wirkt er im Europakloster Gut Aich.
Quelle: kathpress, Stift Kremsmünster