Stift Zwettl bekommt neue Leitung

Johannes Maria Szypulski tritt Ende Oktober 2026 als Abt des Stifts Zwettl zurück. (c) Franz Bretterbauer
Der Zwettler Abt Johannes Maria Szypulski hatte am 25. Juni 2026 sein 70. Lebensjahr vollendet und gemäß den Konstitutionen der Österreichischen Zisterzienserkongregation dem Abtpräses seinen Rücktritt angeboten. Abtpräses Pius Maurer hatte daraufhin die Mitbrüder von Stift Zwettl um ihr Votum gefragt, ob Abt Johannes Maria Szypulski noch weitere fünf Jahre im Amt bleiben soll. Die schriftliche Abstimmung habe das Ergebnis gebracht, dass der Konvent von Zwettl eine Neuwahl befürwortet, hieß es in der Aussendung. Er habe daraufhin entschieden, meinte Abt Pius Maurer, den Rücktritt von Abt Johannes Maria Szypulski mit Ende Oktober 2026 anzunehmen. Dann wird ein neuer Klostervorsteher für das Stift Zwettl gewählt.
Abtpräses Pius Maurer dankte in der Aussendung Abt Johannes Maria Szypulski für sein langjähriges Wirken als Abt von Stift Zwettl: „Mit großem persönlichen Einsatz, mit Leutseligkeit, mit Temperament, Gottvertrauen und Frömmigkeit hat Abt Johannes Maria das Stift Zwettl über neun Jahre lang geleitet.“ Viele Besucher hätten den Abt als herzlichen Gastgeber erlebt. In seiner Amtszeit sei auch manches im Stift Zwettl restauriert worden. Erst kürzlich konnte der Zwettler Abt den neu gestalteten Abteihof und Kreuzgarten feierlich eröffnen und segnen.
„Ort verschiedener spiritueller und kultureller Impulse“
Stift Zwettl sei zudem in der Amtszeit von Abt Johannes Maria Szypulski eine Station von „Cisterscapes“ geworden, einem europäischen Kulturwanderweg, der mehrere zisterziensische Kulturlandschaften Europas verbindet. Fazit des Abtpräses: „Stift Zwettl ist ein Ort verschiedener spiritueller und kultureller Impulse auf regionaler und überregionaler Ebene.“
Abt Johannes Maria Szypulski stammt aus Polen. Er trat 1982 in das Zisterzienserstift Zwettl ein. 1985 wurde er zum Priester geweiht. Einige Jahre wirkte er als Pfarrseelsorger von Großinzersdorf und Loidesthal (Erzdiözese Wien). Seit 2016 ist er Pfarrer der Stiftspfarre Zwettl, seit 29. Mai 2017 ist er Abt. Sein Wahlspruch lautet: „Fortitudo mea Maria“ (Meine Kraft ist Maria).
Drittältestes durchgehend bestehendes Zisterzienserkloster
Stift Zwettl als das weltweit drittälteste durchgehend bestehende Zisterzienser-Kloster datiert auf das 1138 zurück, als der Kuenringer Hadmar I. durch eine Stiftung Mönchen aus Stift Heiligenkreuz die Errichtung eines ersten Klostergebäudes am Kamp ermöglichte. Die wirtschaftliche Basis des Stiftes im Waldviertel bildete die Kultivierung des Landes. 1159 konnte die erste romanische Klosterkirche geweiht werden, die im 14. Jahrhundert durch einen gotischen Kirchenbau ersetzt wurde.
Kriege und die Reformation bescherten dem Kloster im 15. und 16. Jahrhundert schwierige Zeiten. Im Barock setzte dann aber eine Periode der religiösen und wirtschaftlichen Erneuerung ein; u.a. wurden die Stiftsgebäude vollkommen umgestaltet und die Kirche fertiggestellt und im Inneren kostbar ausgestattet. Mit dem Kirchturm erhielt das Stift sein unverkennbares Wahrzeichen. Joseph Munggenast und Paul Troger gestalten den barocken Bibliothekssaal.
Neue Arbeitsfelder in der Seelsorge
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfolgte im Rahmen der Josephinischen Kirchenreform eine weitgehende Veränderung des klösterlichen Lebens, die Mönche wandten sich vermehrt der Seelsorge in den anvertrauten rund 15 Pfarren zu. Im 20. Jahrhundert überstand das Stift die beiden Weltkriege und die NS-Zeit weitgehend unbeschadet. Mit der Gründung des Bildungshauses in den 1920er-Jahren und der „Höheren Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft Yspertal“ entstanden neue Arbeitsfelder in der Seelsorge.
Derzeit zählt die Mönchsgemeinschaft von Stift Zwettl zwölf Mitglieder. Die Ordensmänner leisten u.a. seelsorgliche Dienste in zahlreichen Pfarren in der Umgebung. Unternehmerisch aktiv ist das Stift mit Betrieben in der Forst- und Teichwirtschaft. Letztere ist vor allem für die Zucht der Waldviertler Karpfen bekannt. Das Stift ist aber vor allem auch als Kultur- und Bildungszentrum im Waldviertel bekannt.
Die Österreichische Zisterzienserkongregation
Zur Österreichischen Zisterzienserkongregation, die von Abtpräses Pius Maurer geleitet wird, gehören sieben Klöster: die Abteien Rein, Heiligenkreuz, Zwettl, Wilhering, Lilienfeld, Schlierbach und Vyssi Brod in Tschechien.
Quelle: kathpress