08. Juli 2026

Neue Plattform macht Österreichs Ordens-Pilgerwege sichtbar

Viele der österreichischen Pilgerwege führen zu Ordensgemeinschaften oder folgen den Lebensspuren großer Heiliger. Das neue Portal „pilgern.at“ macht diese geistlichen Wege erstmals auf einer gemeinsamen Plattform sichtbar und lädt dazu ein, Österreich als Land der Orden und des Pilgerns neu zu entdecken.

Pilgerin im Gespräch mit Ordensmann

Inspirierende Begegnungen am Wegesrand: Entlang vieler Pilgerwege gibt es immer wieder Gelegenheiten, während des Wanderns mit Ordensleuten ins Gespräch zu kommen. © FOTO WEINFRANZ

 

Mit dem neuen Portal pilgern.at erhält Österreich erstmals eine zentrale digitale Anlaufstelle für das Pilgern. Rund 100 Pilgerwege mit insgesamt etwa 30.000 Kilometern werden auf der Plattform übersichtlich vorgestellt – ergänzt um Etappenbeschreibungen, Kartenmaterial, spirituelle Impulse, einen digitalen Pilgerpass sowie die Möglichkeit, mit Pilgerbegleiterinnen und Pilgerbegleitern in Kontakt zu treten. Entwickelt wurde das Portal vom Arbeitskreis Tourismuspastoral der Katholischen Kirche Österreichs gemeinsam mit dem Österreichischen Pastoralinstitut und dem Medienreferat der Österreichischen Bischofskonferenz.

 

Neben bekannten Routen wie dem Jakobsweg oder den Mariazeller Wegen eröffnet das Portal auch einen besonderen Zugang zu den zahlreichen Pilgerwegen, die eng mit den Ordensgemeinschaften Österreichs verbunden sind. Sie führen nicht nur durch eindrucksvolle Landschaften, sondern erschließen auch spirituelle Traditionen, die das Land seit Jahrhunderten prägen. Hier einige Beispiele:

 

Auf den Spuren des heiligen Franziskus

Ein Weg vor den Toren Wiens ist der Franziskusweg Niederösterreich Süd. Die Route führt an mehreren Orten franziskanischer Spiritualität vorbei und verbindet Naturerlebnis mit dem Gedanken der Einfachheit, der Schöpfungsverantwortung und der Achtsamkeit. Sie lädt dazu ein, den Alltag hinter sich zu lassen und bewusst langsamer zu werden – ganz im Sinne des heiligen Franz von Assisi.

 

Bernhard von Clairvaux im Waldviertel

Mit dem Bernhardiweg im Waldviertel erinnert das Portal an die große Tradition der Zisterzienser. Der Weg  führt ausgehend vom Stift Zwettl durch zehn Stiftspfarren und verweist auf den heiligen Bernhard von Clairvaux, dessen Reformbewegung zahlreiche Klöster Europas geprägt hat. Die Route verbindet historische Klosterlandschaften mit den weiten Kulturlandschaften des Waldviertels und macht deutlich, welchen Einfluss die Zisterzienser auf Spiritualität, Landwirtschaft und Kultur in Österreich hatten.

 

Unterwegs von Stift zu Stift

Der Hemmapilgerweg rund um Admont führt zu den Wirkungsstätten der heiligen Hemma von Gurk, einer der bedeutendsten Frauengestalten der österreichischen Kirchengeschichte. Ihr Wirken ist eng mit der Gründung zweier Klöster in Admont und Gurk verbunden. Wer in der Steiermark aufbricht, wählt die Route von der Hemma-Stiftung Stift Admont und über das Stift St. Lambrecht. Die Strecke verbindet die eindrucksvolle Landschaft des Ennstals mit spirituellen Orten und bietet Gelegenheit, sich mit der eindrucksvollen Persönlichkeit der Landes- und Schutzpatronin von Kärnten auseinanderzusetzen.

 

Von der Donau bis zur Moldau

Der erst vor kurzem neu eröffnete Wilheringer Pilgerweg verbindet das oberösterreichische Stift Wilhering mit seiner ehemaligen Tochtergründung, dem Stift Hohenfurth (Vyssi Brod) in Tschechien, und mit allen Kirchen des Wilheringer Seelsorgeraums. Der Wilheringer Pilgerweg basiert auf der zisterziensischen Spiritualität und umfasst 15 Impulsstationen, die sich an den Lehren des hl. Benedikt von Nursia und des hl. Bernhard von Clairvaux orientieren und deren Inhalte mittels QR-Codes abgerufen werden können. Im besten Fall lädt der Weg zum „Beten mit den Füßen“ ein, wie der Wilheringer Abt Reinhold Dessl bei der Eröffnung des Weges sagte.

 

Wilheringer Pilgerweg

Mehr als ein Modetrend: Beim Pilgern unternehmen immer mehr Menschen eine „Reise nach innen“ und werden dabei empfänglich für die Wunder der Schöpfung und den liebenden Urgrund des Lebens. © Martin Sighart

 

Auf den Spuren von Klemens Maria Hofbauer

Der Klemens-Maria-Hofbauer-Pilgerweg erinnert an den Wiener Stadtpatron und Redemptoristen Klemens Maria Hofbauer. Als Seelsorger und Ordensmann setzte er sich unermüdlich für die Erneuerung des Glaubens und die Begleitung der Menschen ein. Der Pilgerweg verbindet Stationen seines Lebens und Wirkens und macht die Spiritualität der Redemptoristen erfahrbar: nahe bei den Menschen, offen für ihre Fragen und geprägt von der Hoffnung.

 

Zwischen Oblaten und Benediktinern

Der Sonntagbergweg verbindet bedeutende spirituelle Orte Niederösterreichs. Ausgangspunkt ist die Basilika Maria Taferl, die von den Oblaten der Makellosen Jungfrau Maria betreut wird und zu den wichtigsten Marienwallfahrtsorten Österreichs zählt. Ein Höhepunkt des Weges ist das Benediktinerstift Seitenstetten. Das Kloster ist seit Jahrhunderten ein Ort des Glaubens und der Gastfreundschaft und bietet Pilgerinnen und Pilgern Gelegenheit, die benediktinische Tradition kennenzulernen und daraus neue Kraft zu schöpfen.

 

Pilgern als Zugang zu gelebter Spiritualität

Viele der auf pilgern.at abrufbaren Wege führen nicht nur an historischen Klöstern oder Wallfahrtsorten vorbei, sondern vermitteln auch die geistlichen Traditionen der Franziskaner, Zisterzienser, Redemptoristen oder anderer Gemeinschaften. Wie Roland Stadler, Vorsitzender des Arbeitskreises „Pilgern in Österreich“, zum Start des Portals betont, versteht sich Pilgern als „offener Zugang zu Spiritualität“. Genau dieses Anliegen spiegelt sich auch in den Ordenswegen wider: Sie laden dazu ein, Glauben nicht nur zu betrachten, sondern Schritt für Schritt zu erfahren.

 

Quelle: kathpress