Franziskaner: P. Adam Bergmann zum Priester geweiht

P. Adam Bergmann wurde am 4. Juli 2026 in der Stadtpfarrkirche Wels vom Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer zum Priester geweiht. (c) OFM Austria/Christoph Bergmann
Zahlreiche Menschen aus der Familie, der Ordensgemeinschaft, dem Freundeskreis und der Pfarre waren gekommen, um mit dem Franziskaner den Weihegottesdienst und die Primizmesse am nächsten Tag zu feiern. In seiner Predigt wandte sich Bischof Manfred Scheuer gegen einen „Strukturfetischismus in der Kirche“. Viele Sitzungen würden nach einem kurzen spirituellen Einstieg bei der Verwaltung, beim Geld, bei der Macht und bei Strukturen landen – und das auch im Bereich der Seelsorge.
Die Weihe von P. Adam Bergmann könne dazu „ein heilsamer Kontrapunkt“ sein, lautete Scheuers Wunsch. Nicht Zahlen, Statistiken oder auch Strukturen sollten die Hauptrolle in kirchlichen und auch gesellschaftlichen Vollzügen spielen. „Beim Priesterberuf geht es ganz radikal um die Gottesfrage. Gott allein ist die Erfüllung menschlicher Sehnsucht. Und er ist der Grund menschlicher Freiheit“, betonte der Bischof.

Bischof Manfred Scheuer betonte in seiner Predigt: „Beim Priesterberuf geht es ganz radikal um die Gottesfrage. Gott allein ist die Erfüllung menschlicher Sehnsucht. Und er ist der Grund menschlicher Freiheit.“ (c) OFM Austria/Christoph Bergmann
Wahrnehmen von Armutserfahrungen
Hinwendung zu Gott bedeute nach dem Vorbild der heiligen Franziskus, in dessen Ordenstradition der aus dem oberösterreichischen Marchtrenk stammende Weihekandidat verwurzelt ist, immer auch das Wahrnehmen von Armutserfahrungen, die jeder aus dem Alltag kenne. Scheuer nannte hier Entbehrung, Enttäuschung, Verzicht, Mangel an Angenommen- und Geliebtsein, jedes Zu-kurz-Kommen, Vergessen und Übersehen werden. Er erwähnte weiters Erfahrungen von Behinderten, leiblich und psychisch kranken und alten Menschen sowie Notleidenden.
„Angesicht solcher Erfahrungen werden Besitz, Geld und Macht relativiert“, sagte Scheuer. Es gelte zum heute vorherrschenden Lebensstil eine wirkliche Alternative zu finden. Der heilige Franziskus sei der Überzeugung gewesen, dass Habgier und Geiz die Beziehungen des Menschen zu Gott stören und Ehrgeiz und Konkurrenzdenken den Sinn für die Geschwisterlichkeit unter den Menschen zunichtemachen. Er habe das evangelische Ideal der Liebe und Brüderlichkeit in seiner ganzen Fülle leben wollen, erinnerte der Bischof.

Zahlreiche Wegbegleiter:innen feierten mit P. Adam Bergmann. (c) OFM Austria/Christoph Bergmann
„Pflegen wir Beziehungen!“
Sein Appell: „Pflegen wir Beziehungen!“ Auch wenn real existierende Familien und Gemeinschaften „kein idealistisches Paradies“ seien, gelte es sich der Herausforderung zu stellen, „mit den Licht- und mit den Schattenseiten, mit Stärken und Defiziten, mit Begabungen und Behinderungen, mit den Rosen und Neurosen beziehungsreich umzugehen“.
Der von den Nazis ermordete evangelische Märtyrer Dietrich Bonhoeffer habe die Haltung des Segnens als christliche Antwort auf Leid und Unrecht empfohlen. „Segnen, d.h. die Hand auf etwas legen und sagen: du gehörst trotz allem Gott“, sagte Scheuer und wies hin: Neupriester P. Adam Bergmann werde von Berufs wegen ein Segnender sein.
Weihe als Auftrag
Für die Franziskaner in Österreich und Südtirol ist die Weihe von P. Adam Bergmann nicht nur ein freudiges Ereignis, sondern ein Auftrag: „Überall, wo Menschen ‚anstehen‘ oder durch das System fallen, braucht es Priester, die den Himmel offen halten“, stellte P. Fritz Wenigwieser, der Provinzialminister der Franziskaner, fest. Der Neupriester sei vom Wesen her ein pragmatischer Mensch. Das werde ihm dabei helfen, in Krankenseelsorge, Schule oder in anderen Bereichen die Menschen lebensnah an den Bruchstellen dieser Welt zu begleiten. Vom Ordensgründer Franziskus könnte die Gesellschaft heute neu lernen, dass Leben und Tod, Leid und Freude untrennbar zusammengehören. Das habe der Neugeweihte in den vergangenen Wochen selbst erlebt, durchlebt und vorgelebt.
Seine Primizmesse feierte P. Adam Bergmann am darauffolgenden Tag, ebenfalls in der Stadtpfarrkirche Wels.

Der gebürtige Oberösterreicher P. Adam Bergmann trat 2018 in den Franziskanerorden ein. (c) OFM Austria/Christoph Bergmann
Zur Person
P. Adam Bergmann stammt aus Marchtrenk (OÖ), wurde am 24. Dezember 1991 geboren und auf den Namen Raphael getauft. Nach der Matura in Wels studierte er in Graz Theologie. Im Jahr 2018 entschloss er sich, in den Franziskanerorden einzutreten. Bei seiner Einkleidung am 14. September 2019 in Brixen nahm er den Ordensnamen Adam an. Nach dem Noviziat studierte er in Graz und Rom Archäologie. Am 1. Dezember 2025 weihte ihn der Grazer Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl in der Ordenskirche in Graz zum Diakon. Derzeit wirkt P. Adam Bergmann in der Seelsorge Schöneck-Hall und wird auch am Franziskanergymnasium Hall tätig sein.
Weitere Eindrücke der Weihe sind in der Bildergalerie am Ende der Seite zu finden. Alle Fotos (c) OFM Austria/Christoph Bergmann
Quellen: Franziskaner; kathpress