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23. Juni 2026

Kirchen würdigten Lebenswerk von Oberin Christine Gleixner

Vor 100 Jahren, am 22. Juni 1926, wurde die Ökumene-Pionierin Oberin Christine Gleixner (1926-2015) geboren. Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes im Wiener Stephansdom gedachten Vertreterinnen und Vertreter der 18 im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) zusammengeschlossenen Kirchen der Ordensfrau der Frauen von Bethanien, die für ihr Lebenswerk auch als „Mutter der Ökumene“ bezeichnet wird.

Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes wurde am 22. Juni 2026 der Ökumene-Pionierin Oberin Christine Gleixner gedacht.

Im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes wurde am 22. Juni 2026 der Ökumene-Pionierin Oberin Christine Gleixner gedacht. (c) Erzdiözese Wien/Schönlaub

 

Dem Gottesdienst stand der Wiener Erzbischof Josef Grünwidl vor. Dass die Ökumene in Österreich heute so gut und so breit aufgestellt sei, habe maßgeblich mit Oberin Christine Gleixner zu tun, sagte Grünwidl eingangs des Gottesdienstes. Von vielen Seiten wurde die zierliche aber so bestimmte und von allen geschätzte Ordensfrau beim Gedenk- und Dankgottesdienst gewürdigt, vor allem auch als „Brückenbauerin“; zwischen den Kirchen, den Religionen, aber auch hin zur Welt und Politik.

 

Über Gleixners Wirken in der Erzdiözese Wien erinnerte sich beim Gottesdienst die langjährige Wiener Diözesanarchivarin und spätere Privatsekretärin von Kardinal Franz König, Annemarie Fenzl. König habe sich in Ökumene-Fragen auf Gleixner, was durchaus ungewöhnlich war, „zu 100 Prozent verlassen und sie hat ihn nie im Stich gelassen“. Ein gutes ökumenisches Klima setze ein gutes menschliches Klima voraus. Es genüge nicht, Gräben zuzuschütten, es gehe ebenso darum, das Verbindende zu stärken. Sowohl König als auch Gleixner seien diesbezüglich „Glücksfälle für die Ökumene“ gewesen, zeigte sich Fenzl überzeugt.

 

Vereinte Maria und Marta

Gleixner gehörte dem Orden der Frauen von Bethanien an. In Bethanien bei Betlehem lebten die Schwestern Maria und Marta sowie ihr Bruder Lazarus, über die die Bibel erzählt. In Christine Gleixner hätten sich die Menschenbilder von Maria und Marta vereint. Von Marta hatte Gleixner „die praktische, große manchmal kompromisslose Kompetenz in Sachfragen“ und von Maria „ihr unerschütterliches Vertrauen in Gott und ihre Güte“, sagte Fenzl abschließend.

 

Die langjährige Diözesanarchivarin Annemarie Fenzl erinnerte an das Wirken von Oberin Christine Gleixner in der Erzdiözese Wien.

Die langjährige Diözesanarchivarin Annemarie Fenzl erinnerte an das Wirken von Oberin Christine Gleixner in der Erzdiözese Wien. (c) Erzdiözese Wien/Schönlaub

 

In die gleiche Kerbe schlug auch die evangelische Oberkirchenrätin Ingrid Bachler in ihrer Predigt zur Schriftlesung über die Begegnung Jesu mit Maria und Marta. Gleixner sei eine Frau von großer geistlicher Tiefe und unerschütterlicher Hoffnung auf die Einheit der Christen gewesen. Zudem war sie eine Frau des Handelns, die Kirche und Gesellschaft aktiv mitgestaltet habe, meinte Bachler.

 

An der Spitze des Ökumenischen Rates

An Gleixners Verdienste im Blick auf den Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich erinnerte der evangelische Altbischof Michael Bünker. Einer von Gleixners großen Verdiensten bestand darin, dass die Katholische Kirche 1994 Vollmitglied im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich wurde, was zu diesem Zeitpunkt noch in keinem anderen europäischen Kirchenrat der Fall war. Gleixner war später auch von 2000 bis 2005 Vorsitzende des Ökumenischen Rates. In ihrer Amtszeit fielen so wegweisende Ereignisse wie der erste „Tag des Judentums“, die erste „Lange Nacht der Kirchen“ oder auch das „Sozialwort der christlichen Kirchen“ in Österreich. Gleixner sei für eine „Ökumene auf Augenhöhe gestanden“ und habe damit eigentlich schon das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) über die dort noch gesetzten ökumenischen Grenzen hinaus auf Zukunft hin interpretiert, sagte Bischof Bünker.

 

Der langjährige Leiter der Katholischen Sozialakademie, P. Alois Riedlsperger, und der evangelische Altbischof und frühere langjährige Diakoniedirektor Michael Chalupka erinnerten daran, dass Gleixner treibende Kraft für das Ökumenische Sozialwort der Kirchen in Österreich (2003) war, das gemeinsam von allen damals im ÖRKÖ vertretenen Kirchen auf breiter Basis erarbeitet wurde. Für die Oberin sei das Sozialwort ein „Kompass“ bzw. eine Orientierungshilfe gewesen sowie eine Einladung für einen weiterführenden Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft, sagte der Jesuit.

 

Altbischof Chalupka hob die enge Zusammenarbeit von Gleixner und dem orthodoxen Metropoliten Michael Staikos hervor, die bei der Erarbeitung des Dokuments das „starke Duo“ repräsentiert hätten, das federführend involviert war. So sei es letztlich auch möglich gewesen, dass alle 14 damals im ÖRKÖ vertretenen Kirchen das Dokument mittrugen, sagte Chalupka. Für Gleixner sei es zudem wohl auch sehr wichtig gewesen, dass im Sozialwort vor allen Forderungen an Politik und Gesellschaft die Selbstverpflichtung der Kirchen steht.

 

Mahnende Stimme beim Österreich-Konvent

Der Präsident des Verfassungsgerichtshofes, Christoph Grabenwarter, erinnerte an Gleixners Mitwirken beim „Österreich-Konvent“. Gleixner arbeitete von 2003 bis 2005 beim Verfassungskonvent des österreichischen Nationalrates namens der Kirchen mit und war in der Diskussion über Vorschläge für eine grundlegende Staats- und Verfassungsreform wesentlich eingebunden. Bei der Abschlussveranstaltung im Jänner 2005 appellierte Gleixner an die politischen Verantwortungsträger, dass es zukunftsfähige Lösungen nur dann geben könne, wenn es zugleich zu einem Verzicht auf jegliches parteipolitische Taktieren kommt, erinnerte Grabenwarter. Dieser Appell habe bis heute nichts von seiner Gültigkeit verloren.

 

Der Jesuit P. Alois Riedlsperger erinnerte an Oberin Christine Gleixner als treibende Kraft für das Ökumenische Sozialwort der Kirchen in Österreich.

Der Jesuit P. Alois Riedlsperger erinnerte an Oberin Christine Gleixner als treibende Kraft für das Ökumenische Sozialwort der Kirchen in Österreich. (c) Erzdiözese Wien/Schönlaub

 

In Vertretung der Medien in Österreich würdigte der Journalist Peter Wesely Oberin Gleixner. Gleixner gestaltete etwa lange Zeit die ORF-Radioreihe „Ökumenische Morgenfeier“ mit, die nach den Worten des früheren Wiener Weihbischofs Helmut Krätzl zur „ökumenischen Drehscheibe in Österreich“ wurde. Gleixner sei bei den oft sehr intensiven Vorbereitungen der Sendungen eine der wichtigsten Persönlichkeiten gewesen, sagte Wesely. Sie habe Kompetenz und Autorität ausgestrahlt, den Blick immer nach vorne gerichtet. Denkverbote habe es bei ihr keine gegeben, obwohl sie durchaus gut abwägen konnte, was zur jeweiligen Zeit ökumenisch möglich war. Die „Ökumenische Morgenfeier“ wurde von 1968 bis 1997 ausgestrahlt. Auch danach sei Gleixner eine medial viel beachtete kirchliche Stimme gewesen, meinte Wesely.

 

Der orthodoxe Priester Wolfgang Nikolaus Rappert erinnerte in sehr persönlichen Worten an seine gemeinsame Zeit mit Oberin Gleixner in der Wiener Diözesankommission für Ökumene. Er habe sie als wegweisende Brückenbauerin erlebt, die sehr wohl bestehenden Grenzen zwischen den Kirchen bzw. in der Ökumene ernst nahm, zugleich aber immer nichts als unüberwindbar ansah, sagte Rappert.

 

Ein Leben für die Ökumene

Oberin Christine Gleixner war über Jahrzehnte eine der prägendsten Persönlichkeiten der Kirchen in Österreich und trug maßgeblich dazu bei, die Einheit der Kirchen in Österreich voranzubringen. Gleixner verstarb am 30. November 2015 nach kurzer schwerer Krankheit im Alter von 89 Jahren.

 

Sie wurde am 22. Juni 1926 in Wien geboren und wuchs als einziges Kind einer sehr liberalen Familie in kritischer Distanz zur Kirche und zur damaligen Gesellschaftsordnung auf. Nach dem Studium der Biologie in Wien trat sie 1949 in Bloemendaal (Niederlande) in die Kongregation der Frauen von Bethanien (CFB) ein, studierte dort und in Nijmegen, Utrecht und Paris Theologie und kehrte 1962 nach Wien zurück, wo sie die Verantwortung für die Niederlassung ihres Ordens übernahm.

 

Auf verschiedensten Ebenen der Ökumene

In der Erzdiözese Wien und in ganz Österreich und darüber hinaus war Gleixner auf verschiedensten Ebenen der Ökumene tätig: etwa als langjähriges Mitglied und Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich, der Diözesankommission für ökumenische Fragen der Erzdiözese Wien, der Gemischt-Katholisch-Evangelischen Kommission oder auch in der Vorbereitung und als Delegierte bei den Europäischen Ökumenischen Versammlungen (Basel 1989, Graz 1997, Sibiu 2007).

 

Gleixner baute das Ökumenische Forum Christlicher Frauen in Österreich mit auf, war ab 1990 Konsultorin der Stiftung Pro Oriente und wirkte von 1997 bis 2001 an der Vorbereitung der „Charta Oecumenica“ mit. Sie gestaltete lange Zeit die ORF-Radioreihe „Ökumenische Morgenfeier“ mit. Großen Wert legte Gleixner auch auf den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen, vor allem auf das besondere Naheverhältnis zum Judentum.

 

Viele Jahre war Gleixner in der Vorbereitung des „Österreichischen Ordenstages“, bei „Österreichischen Katholikentagen“ und beim Weltgebetstag der Frauen engagiert. Von 1969 bis 1971 war sie Delegierte bei der Wiener Diözesansynode. 1986 begleitete sie die KSZE-Konferenz in Wien. Ab 1990 war sie Mitglied im Beirat der Kontaktstelle für Weltreligionen.

 

Treibende Kraft für Ökumenisches Sozialwort

Gleixner war auch treibende Kraft für das Ökumenische Sozialwort der Kirchen in Österreich (2003) und arbeitete von 2003 bis 2005 beim Verfassungskonvent des österreichischen Nationalrates („Österreich-Konvent“) mit. Von 1996 bis 2004 war sie Mitglied in der Kommission Iustitia et Pax der Österreichischen Bischofskonferenz.

 

Die Republik Österreich ehrte Gleixner im Jahr 2000 mit dem Professorentitel. 2006 erhielt sie das Ehrendoktorat der Katholischen Privatuniversität Linz, 2008 die Ehrenmitgliedschaft bei der Bildungsinitiative PILGRIM, 2009 das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, 2009 die Ehrenmitgliedschaft des Koordinierungsausschusses für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Im selben Jahr wurde sie mit dem Abt-Emmanuel-Heufelder-Preis der bayrischen Benediktinerabtei Niederaltaich ausgezeichnet.

 

Quelle: kathpress

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Weiterlesen:

Frauen von Bethanien (Ordens-Wiki)

Website der Erzdiözese Wien

 

[teresa bruckner]


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