Ordensmann zu EU-Asylreform: „Christlich ginge anders.“

Seite an Seite mit den Schutzsuchenden: Br. Emanuel Huemer beim Hilfseinsatz für Geflüchtete im Rahmen der Initiative „SOS Balkanroute“. © Steyl Medien
„GEAS verschlimmert die humanitäre Lage Geflüchteter“, so Huemers Fazit gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress. Und weiter: „Währenddessen gehen die groben Menschenrechtsverletzungen innerhalb der EU und das Sterben an den EU-Außengrenzen ungehindert weiter.“
Das neue Asylsystem lasse Schutzsuchende vermehrt in Rechtsunsicherheit. An entscheidenden Stellen des Verfahrens seien Rechtsmittel nicht vorgesehen, etwa beim ersten Screening oder bei der Zuordnung zu bestimmten Asylverfahren. „Migrationspolitik wird zum Testfeld für den Abbau rechtsstaatlicher Garantien, für die Entwertung universeller Rechte und für eine europäische Ordnung, die sich immer offener an Abschreckung, Aussonderung und Ausnahme orientiert“, bewertet Huemer die jüngste Ausrichtung der europäischen Migrationspolitik.
Für einen Kurswechsel in der EU-Asylpolitik
Kritisch beurteilt der Ordensmann vor allem die stärkere Bedeutung von Grenzverfahren, die Ausweitung von Haft- und Lagersystemen sowie die geplante Auslagerung von Rückführungen in sogenannte „Return Hubs“ außerhalb der Europäischen Union. Praktiken, die bislang vorwiegend an den EU-Außengrenzen angewandt wurden, würden damit zunehmend Teil des regulären europäischen Asylsystems. Zugleich würden bestehende Probleme nicht gelöst, sagte Huemer. Als Beispiele nannte er illegale Pushbacks, den Einsatz von Schallkanonen gegen Migranten, Todesfälle im Mittelmeer sowie Haftbedingungen während laufender Asylverfahren.

Menschenschicksale, die bewegen: Als Beispiel für ungelöste Probleme nannte Br. Emanuel Huemer u.a. die Todesfälle im Mittelmeer. © Pixabay (Gerd Altmann)
Laut Huemer müsste die europäische Flüchtlingspolitik einen anderen Schwerpunkt setzen. „Christlich ginge anders“, findet der Ordensmann. Im Mittelpunkt sollten dabei der Schutz der unveräußerlichen Rechte und die Würde jedes einzelnen Menschen – besonders der Schutzsuchenden – stehen.
Die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems ist am Freitag, dem 12. Juni 2026, in Kraft getreten. Sie soll die Asylverfahren innerhalb der EU vereinheitlichen und sieht unter anderem schnellere Verfahren an den Außengrenzen, neue Solidaritätsmechanismen zwischen den Mitgliedstaaten sowie verschärfte Regeln für Asylsuchende vor.
Quelle: kathpress