Symposion zur Geschichte der Barnabiten und Salvatorianer

Kunsthistoriker Richard Bösel sprach über die Baugeschichte der Barnabiten in Österreich. (c) Salvatorianer/Robert Sonnleitner
Das Symposion habe deutlich gemacht, welch bedeutenden Beitrag die Barnabiten über Jahrhunderte zur religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Entwicklung Österreichs geleistet haben, hieß es in einer Aussendung. Gleichzeitig sei sichtbar geworden, wie eng die Geschichte von Barnabiten und Salvatorianern miteinander verbunden ist und wie sehr dieses gemeinsame Erbe bis heute nachwirkt. – Die Salvatorianer übernahmen nach der Auflösung der österreichischen Provinz der Barnabiten 1922 zahlreiche Einrichtungen des Ordens.
Den Auftakt der Feierlichkeiten bildete die Führung „Auf den Spuren der Barnabiten“ durch die Michaelerkirche und das Kolleggebäude. P. Peter van Meijl, Ordenshistoriker, Leiter des Provinzarchivs und ehemaliger Pfarrer von St. Michael, führte die Gäste, darunter den Generaloberen der Barnabiten, P. Ntale Majaliwa Etienne, durch das geschichtsträchtige Bauwerk. Dabei vermittelte er zahlreiche Einblicke in die gemeinsame Geschichte von Barnabiten und Salvatorianern und erläuterte die historischen Hintergründe dieses besonderen Ortes.
Neues Buch zum gemeinsamen Erbe
Am Nachmittag stand die historische Barnabiten-Bibliothek im Salvatorianer-Kolleg im Mittelpunkt. Nach der Begrüßung durch Provinzvikar P. Franz Tree stellte Martin Kolozs, Mitarbeiter des Provinzarchivs der Salvatorianer, den neu erschienenen Sammelband „Geteiltes Erbe. 400 Jahre Barnabiten und Salvatorianer in Österreich (1626-2026)“ vor. Das Werk vereint Beiträge renommierter Historiker:innen und Kunsthistoriker:innen und widmet sich zentralen Aspekten der gemeinsamen Geschichte beider Ordensgemeinschaften.

Der Sammelband „Geteiltes Erbe. 400 Jahre Barnabiten und Salvatorianer in Österreich (1626-2026)“ vereint Beiträge renommierter Historiker:innen und Kunsthistoriker:innen. (c) Salvatorianer
Die Kunsthistoriker Prof. Richard Bösel und Günther Buchinger widmen ihre Beiträge der Bautätigkeit der Barnabiten in Österreich bzw. der künstlerischen Ausgestaltung von St. Michael unter den Barnabiten. P. Filippo Lovison, Barnabite und Kirchenhistoriker in Rom, beleuchtet das Schicksal der österreichischen Provinz der Barnabiten, und Karin Mayer nimmt die Salvatorianer als Bewahrer der barnabitischen Kultur in den Blick. Auch der Ordenshistoriker und ehemalige Pfarrer von St. Michael, P. Peter van Meijl, hat für die Publikation seinen Vortrag über die Übernahme der Barnabitenhäuser durch die Salvatorianer 1923 verschriftlicht, ebenso wie sein Mitarbeiter, Provinzarchivar Robert Passini über das Erbe der Barnabiten in salvatorianischen Händen nach dem Vorbild von P. Waldemar Posch. Erhältlich ist das Buch im Provinzarchiv bzw. Pfarrbüro der Salvatorianer oder bei Herausgeber Martin Kolozs (Kosten: 20,-- Euro zzgl. Porto).
Bautätigkeit der Barnabiten in Österreich
Den Reigen der Fachvorträge eröffnete der Kunsthistoriker Prof. Richard Bösel. In seinem Referat präsentierte er neue Forschungsergebnisse zur Baugeschichte der Barnabiten in Österreich. Anhand bislang wenig beachteter Archivbestände aus Mailand und Rom zeigte er die Bedeutung des Ordens für die Entwicklung barocker Architektur in Wien und Niederösterreich auf.

Der Auftakt der Feierlichkeiten: Die Führung „Auf den Spuren der Barnabiten“ durch die Michaelerkirche und das Kolleggebäude. (c) Salvatorianer/Robert Sonnleitner
Besondere Aufmerksamkeit galt dem Michaelerkolleg, dessen Baugeschichte durch neu entdeckte Planunterlagen aus dem Jahr 1663 genauer rekonstruiert werden konnte. Bösel machte deutlich, wie eng Architektur, Seelsorge und gesellschaftliche Repräsentation miteinander verbunden waren und welchen Beitrag die Barnabiten zur kulturellen Entwicklung Österreichs geleistet haben.
Nepomuk-Bruderschaft von Mistelbach
Der Historiker Benjamino Cantonati widmete sich der Johannes-von-Nepomuk-Bruderschaft in Mistelbach, einer der bedeutendsten religiösen Vereinigungen des 18. Jahrhunderts in Niederösterreich. Die von den Barnabiten gegründete Bruderschaft stellte den Schutz des guten Rufes und die Verehrung des heiligen Johannes von Nepomuk in den Mittelpunkt ihres Wirkens.
Anhand zahlreicher historischer Quellen zeichnete Cantonati nach, wie die Barnabiten das religiöse und gesellschaftliche Leben der Region prägten. Die Bruderschaft entwickelte sich zu einer der wohlhabendsten und einflussreichsten ihrer Zeit und verband Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Schichten. Zugleich zeigte der Vortrag, wie tief die Verehrung des Heiligen Johannes von Nepomuk im religiösen Alltag Niederösterreichs verankert war.

Zahlreiche Teilnehmer:innen kamen zum Symposion in das Salvatorianerkloster St. Michael in Wien. (c) Salvatorianer/Robert Sonnleitner
Österreich-Provinz der Barnabiten
P. Filippo Lovison, Barnabite und Professor für Geschichte und kirchliches Kulturerbe an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom, richtete den Blick auf ein wenig bekanntes Kapitel der Ordensgeschichte: die österreichische Provinz der Barnabiten und ihre Auflösung im Jahr 1922. Anhand bislang kaum ausgewerteter Quellen aus dem Generalarchiv des Ordens in Rom zeichnete er die Entwicklung der Provinz nach und zeigte die Herausforderungen auf, mit denen die Gemeinschaft in den letzten Jahrzehnten ihres Bestehens konfrontiert war. Besonderes Augenmerk legte er auf die Frage, ob und unter welchen Bedingungen eine Rückkehr der Barnabiten nach Österreich möglich gewesen wäre.
Mit der Auflösung der österreichischen Barnabitenprovinz begann zugleich ein neues Kapitel. Im Jahr 1923 übernahmen die Salvatorianer die pastorale Verantwortung für die bisherigen Barnabitenhäuser, darunter St. Michael und Mariahilf in Wien sowie St. Martin in Mistelbach.
Auftrag für die Zukunft
P. Filippo Lovison würdigte die Rolle der Salvatorianer bei der Fortführung der seelsorglichen Arbeit und betonte, dass die Geschichte der Barnabiten in Österreich ohne das Engagement ihrer Nachfolger nicht vollständig verstanden werden könne. Das gemeinsame Erinnern an diese Vergangenheit sei zugleich ein Auftrag für die Zukunft.
Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete am Sonntag ein feierlicher Dankgottesdienst in der Michaelerkirche, den die Salvatorianer gemeinsam mit einer Delegation der Barnabiten begingen.
Quelle: kathpress