ÖOK-Vorsitzende zur Enzyklika „Magnifica humanitas“

Mit Magnifica humanitas legt Papst Leo XIV. sein erstes großes Lehrschreiben vor – eine programmatische Enzyklika über die Zukunft des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. (c) Coverabbildung: Herder; Bearbeitung: Canva
Die ersten Reaktionen auf „Magnifica Humanitas“ haben die differenzierte und offene Sicht von Papst Leo XIV. auf das unsere Tage so stark beschäftigende Thema „KI“ und dessen eingehende und theologisch tief begründete Mahnung zur Menschlichkeit zurecht gelobt. Technik, und so auch die KI, ist „keine menschenfeindliche Kraft“, doch „erfordert sie einen nüchternen und wachsamen Umgang.“ Dabei mahnt der Heilige Vater die unersetzliche menschliche Beziehung ein und zitiert seinen Vorgänger Franziskus, wenn er uns vor Augen führt, dass „autonome Systeme Mitleid, Barmherzigkeit, Vergebung und die Offenheit für die Hoffnung auf eine Veränderung der Person nicht kennen.“
Für Sr. Franziska Madl OP und Propst Anton Höslinger Can.Reg. ist es ein wichtiger theologischer Ansatz, den Leo XIV. betont, dass „die Begrenztheit des Menschen – Unfähigkeit, Krankheit, Alter, Leiden, Verletzlichkeit“ – kein „zu behebender Mangel“ ist, sondern „ein Umstand, durch den der Mensch reift und sich für Beziehungen öffnet.“ Der Papst formuliert aus einem grundsätzlich christlichen Gottes- und Menschenbild das zentrale Anliegen seines Schreibens: Die Annahme seiner Endlichkeit in Wahrheit „macht den Menschen nicht arm, sondern öffnet ihn für die Erkenntnis des Antlitzes Gottes und des Nächsten.“
Wichtig scheint den Vorsitzenden der Ordenskonferenz, dass aus dieser Betrachtung heraus zwei weitere Themen wesentlich für die neue Enzyklika sind: die Soziallehre der Kirche und der Themenkomplex Krieg und Friede. Gerade der Einsatz der KI im Krieg zeigt auf, dass „es nicht ausreicht, sich allgemein auf Ethik zu berufen,“ sondern dass es um die „persönliche Verantwortung“ des Menschen geht. Diese und eine „eventuelle Schuld darf sich nicht ‚in die Maschine‘ verlieren.“ Dass dabei alle (!) einen Beitrag leisten können, unterstützt der Augustiner Leo XIV. mit einem Zitat seines Ordensvaters Augustinus: „Es gibt niemanden, der keinen Frieden will; aber nicht jeder ist bereit, sich für Gerechtigkeit einzusetzen. Warum streitest du mit der Gerechtigkeit? Möchtest du Frieden erreichen? Dann übe Gerechtigkeit!“
Abschließend meinen die beiden Vorsitzenden der Österreichischen Ordenskonferenz unisono, dass der Ordensmann auf dem Stuhl Petri mit seinen fünf resümierenden Imperativen für „die Baustelle unserer Zeit“ auch den Anspruch jeglichen Ordenslebens trifft, das exemplarisch für das Glaubensleben sein und in die menschliche Gesellschaft hineinwirken möchte: „Bleiben wir der Wahrheit treu!“ „Investieren wir in die Bildung, die bei uns selbst beginnt!“ „Pflegen wir Beziehungen!“ „Lieben wir die Gerechtigkeit und den Frieden!“ „Das Gebet“, mit seiner „transformierenden“ Kraft!
Sr. Franziska Madl & Propst Anton Höslinger