Mariazell startete mit E-Bikes und Schatzkammer in Wallfahrtssaison
Für P. Michael Staberl begann mit dem Auftakt der Wallfahrtssaison in Mariazell eine intensive Zeit. (c) ÖOK/emw
Der Eröffnungsgottesdienst wurde am 1. Mai 2026 von Abt Alfred Eichmann aus dem Stift St. Lambrecht gemeinsam mit zahlreichen Firmlingen gefeiert und musikalisch von Chor und Orchester aus Fürstenfeld gestaltet. Schon in den ersten Mai-Tagen zeigte sich laut P. Michael Staberl in Mariazell ein enormer Andrang organisierter Wallfahrten. Gruppen aus Pfarren, aber auch Schulen, Betrieben, Vereinen und Berufsverbänden prägen das Bild. Nicht nur an den Wochenenden, sondern auch werktags erreichten viele Wallfahrer aus dem In- und Ausland den Gnadenort, viele davon in Bussen, sowie eine große Zahl von Individualpilgern. Insgesamt rechne man in der Basilika wie bereits in den Vorjahren mit rund einer halben Million Besuchern bis zum Herbst. Die Zahl basiert auf Erfahrungswerten und angemeldeten Gruppen von denen es allein im Vorjahr über 1.200 gab.
Ungebrochen ist auch die Beliebtheit des Fußpilgerns nach Mariazell. Besonders rund um die Feiertage wie Christi Himmelfahrt, Pfingsten und Fronleichnam nutzen viele Gläubige das verlängerte Wochenende für mehrtägige Touren, darunter auch viele Jugendliche und junge Erwachsene. Gleichzeitig stößt diese Form des Pilgerns zunehmend an Grenzen, wenn große Gruppen unterwegs sind: „Viele Quartiere entlang der Wege fallen weg, weil Gasthäuser schließen, und auch Übernachtungen in Heustadeln sind heute wegen strengerer Vorschriften schwieriger als früher“, erklärte P. Michael Staberl.
Neue Pilgerformen gewinnen an Bedeutung
Parallel dazu gewinnen neue Pilgerformen an Bedeutung. Viele erreichen Mariazell mit dem Motorrad und lassen ihr Gefährt dort segnen. Doch auch das Radpilgern erlebt durch den Einsatz von E-Bikes einen deutlichen Aufschwung. „Früher waren die Strecken über Annaberg oder den Zellerrain für viele zu anspruchsvoll. Mit E-Bikes ist das heute für deutlich mehr Menschen möglich“, sagte der Superior. Der Tourismusverband bewirbt diese Entwicklung gezielt, wodurch auch weniger sportliche Pilgergruppen den Weg – etwa über den Traisentalradweg – nach Mariazell finden.
Die Pilger:innen kommen nicht nur zu Fuß nach Mariazell, sondern auch mit E-Bikes oder Motorrädern. (c) privat
Seinem Ruf als völkerverbindender Ort wird Mariazell weiterhin mehr als gerecht: „Es vergeht kein Wochenende ohne Pilger aus anderen Ländern der früheren Habsburgermonarchie“, berichtete P. Michael Staberl. Die stärksten Gruppen seien die Ungarn, Slowaken, Polen – diese oftmals auf der Durchreise nach Rom – und Kroaten, die teils sogar aus Split und Dubrovnik angereist kommen und den Abstecher zur „Magna Mater Austriae“ mit einem Wien- oder Wachaubesuch verbinden. Fix im Jahreskalender sind zudem die großen Wallfahrten der Kroatischen Mission und der Burgenlandkroaten.
Getakteter Messbetrieb
Im Alltag bedeutet die Hochsaison für die Basilika einen eng getakteten Betrieb. Teils sogar stündlich werden Gottesdienste gefeiert, da neben den täglichen Fixzeiten um 8, 10, 11.15 und 18.30 Uhr je nach Bedarf weitere Heilige Messen für die ankommenden Pilger gebucht werden können. „Bei uns geht es oft wie an einem Bahnhof zu“, schilderte der Benediktiner. „Die Gruppen kommen und gehen, und wenn sich eine Gruppe verspätet, weil sie etwa unterwegs in ein Gewitter gekommen sind oder sich jemand den Fuß gebrochen hat, wirkt sich das auf den gesamten Ablauf aus.“

In der Basilika Mariazell finden teilweise stündlich Gottesdienste statt. (c) C.Stadler/Bwag
Eine Herausforderung bleibt der Priestermangel, der sich auch auf die Wallfahrten auswirkt. Viele Gruppen reisen inzwischen ohne eigenen Geistlichen an. In Mariazell selbst sorgen fünf Priester sowie internationale Aushilfen – derzeit aus Ungarn und aus Indien – für die seelsorgliche Betreuung. „Dazu gehört neben der Feier der Eucharistie auch das Beichtangebot an Vormittagen und während der Abendmesse, Segnungen und der Begrüßungsdienst für neu ankommende Gruppen, wenn diese das wünschen“, erklärte der Mariazeller Superior.
Schatzkammer in neuem Licht
Als kulturell-spirituelle Neuerung präsentiert sich heuer die Mariazeller Schatzkammer in gewandeltem Licht. „Nach der Installation eines neuen Beleuchtungssystems strahlen jetzt unsere Schätze förmlich“, sagte P. Michael Staberl. Die Sammlung umfasst zahlreiche Votivgaben aus mehreren Jahrhunderten, Zeichen des Dankes für Heilungen, überstandene Krisen oder familiäre Anliegen, von denen teils ein beigefügtes Dokument erzählt. Auch heute werden weiterhin Objekte gestiftet, zuletzt etwa ein Verlobungsring oder persönliche Gegenstände aus dem Nachlass von Altbischof Maximilian Aichern. Mit rund 50.000 Besucherinnen und Besuchern jährlich zählt die Schatzkammer zu den bedeutenden Anziehungspunkten des Wallfahrtsortes.
Quelle: kathpress