Abtprimas Jeremias Schröder: Zukunft der Klöster hängt von Gemeinschaft ab

Abtprimas Jeremias Schröder blickt optimistisch in die Zukunft des Klosterlebens. (c) ÖOK/Elisabeth Mayr-Wimmer
Diese Entwicklung beschreibt Abtprimas Jeremias Schröder als gleichzeitiges Nebeneinander unterschiedlicher Trends: Während einige Gemeinschaften tatsächlich aussterben, könnten sich andere unerwartet stabilisieren oder sogar neu beleben. Als Beispiel verwies er auf das Kloster Georgenberg in Tirol, das bereits vor der Auflösung stand und dann durch neue Eintritte wieder an Dynamik gewann. Solche Erfahrungen stärkten seine Zuversicht, dass das klösterliche Leben langfristig Bestand haben werde.
Entscheidend sei dabei weniger der Grad der Strenge als vielmehr Kontinuität und gelebte Gemeinschaft. „Wenn es lange keine Eintritte gibt, reißt etwas ab“, sagte er. Umgekehrt ziehe eine lebendige Gemeinschaft mit gemeinsamen Zielen und funktionierendem Miteinander auch neue Mitglieder an. Gerade die Qualität des Zusammenlebens sei daher ein zentraler Faktor für die Zukunftsfähigkeit der Klöster.
Versöhntes Nebeneinander der Liturgietraditionen
Zum strittigen Thema der alten lateinischen Liturgie, der auch manche Benediktinerklöster folgen, betonte der Abtprimas das friedliche Nebeneinander von alter und neuer Form in seinem Orden. Er sagte: „Einen Konflikt sehe ich da nicht. Bei uns Benediktinern stehen traditionelle Liturgie und heutige Liturgie sehr versöhnt nebeneinander.“
Dieses Miteinander werde im Orden konkret gelebt, auch wenn einzelne Gemeinschaften bewusst an der älteren Form festhalten. Insgesamt handle es sich dabei jedoch um eine vergleichsweise kleine Gruppe von Klöstern, die dennoch vollständig in die Ordensstruktur integriert seien. Der gegenseitige Respekt ermögliche es, unterschiedliche liturgische Praktiken ohne größere Spannungen zu praktizieren.
Weiter sagte er zum Thema Traditionalismus in der Kirche: „Nachdem Papst Benedikt hier Türen geöffnet hat, wird man die alte Form nicht mehr ganz hinausdrängen können. Wir haben Mitbrüder und auch Schwestern, die auf dieser Form des Betens und Messfeierns ihr Ordensleben aufgebaut haben. Das hat inzwischen auch ein Heimatrecht in der Kirche und sollte wenigstens in einigen Bereichen zugelassen werden.“
Handynutzung Thema bei Klostereintritt
Abtprimas Jeremias Schröder äußerte sich auch zur Frage, wie im Klosterleben Smartphones, Social Media und Künstliche Intelligenz (KI) genutzt werden sollten. Er betonte, die Regelung im Detail bleibe jedem Kloster überlassen. Aber in der Ausbildung der Novizen müsse es „auf jeden Fall ein Thema sein, und es muss Verzicht eingeübt werden“. In manchen Klöstern müssten die Novizen sogar ihr Handy beim Eintritt abgeben, sagte der Abtprimas. Auch wenn die Regelungen je nach Kloster unterschiedlich sein könnten, sei in dieser Frage „wirklich eine Anstrengung nötig“.
Die Nutzung von KI in Klöstern sieht der er positiv, insbesondere wenn es um die Simultanübersetzung bei Konferenzen gehe, an denen Ordensmänner und -frauen aus verschiedenen Ländern teilnehmen. Dennoch bleibe das Sprechen von Fremdsprachen auch in den Ordensgemeinschaften wichtig, denn es sei „gut für die Entwicklung des Verstehens anderer Denkhorizonte“.
Der weltweiten Benediktinischen Konföderation, der Abtprimas Jeremias Schröder vorsteht, gehören Klöster in allen Erdteilen mit insgesamt etwa 7.000 Mönchen an. Sie ist auch Betreiberin der Ordenshochschule Sant‘Anselmo in Rom. Die Föderation der Benediktinerinnen zählt etwa doppelt so viele Mitglieder.
Quelle: kathpress