Barmherzige Schwestern Zams feierten 200-Jahr-Jubiläum

Die Barmherzigen Schwestern von Zams luden zum großen Jubiläumstag mit Einblicken in 200 Jahre Ordensgeschichte. Am Foto: Landeshauptmann Anton Mattle, Sr. Maria Gerlinde Kätzler, Sr. M. Gertraud Egg (Generalsekretärin), Sr. Nathanja Maria Perndorfer, Sr. Daniela Stolz (Generalökonomin), Sr. Barbara Weindl (Vikarin), Generaloberin Sr. Barbara Flad, Sr. Birgit Hammerle, Ivo Muser (Bischof der Diözese Bozen-Brixen) und der ehemaige Caritas-Direktor Georg Schärmer (v.l.). (c) Kongr. Barm. Schw. Zams/Martina Kopp
Am 23. April 1826 erfolgte in Zams ein zukunftsweisender Schritt: Die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern von Zams wurde mit der feierlichen Übernahme des ehemaligen Krankenhauses, das zugleich Mutterhaus war, sowie der symbolischen Schlüsselübergabe an die erste Ordensschwester und Generaloberin Sr. Josefa Nikolina Lins offiziell begründet. Was damals als mutige Antwort auf konkrete Not begann, hat sich zu einem weit verzweigten Werk entwickelt, das im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen bis heute maßgeblich verankert ist.

Der Bischof der Diözese Innsbruck, Hermann Glettler, stand dem Gottesdienst zu Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten vor. (c) Kongr. Barm. Schw. Zams/Martina Kopp
Beim Gottesdienst zu Beginn der Feierlichkeiten verwies Bischof Hermann Glettler auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen: „Die neuen Gesichter von Armut, sozialer Ausgrenzung und Orientierungslosigkeit sind ein deutlicher Auftrag, auch heute den besonders Vulnerablen beizustehen und den jungen Menschen ein Grundmaß an Zuversicht für ihre Zukunft mitzugeben. Im bewährten Netzwerk von sozialen, pädagogischen und spirituellen Einrichtungen der Barmherzigen Schwestern von Zams, das bis nach Südtirol und Peru reicht, möge dies auch weiterhin geschehen.“
Feier „im Zeichen unserer Freude und Dankbarkeit“
In ihrer Ansprache im Rahmen des anschließenden Festakts richtete Generaloberin Sr. Barbara Flad den Blick auf die Anfänge des Ordens. Ausgehend von den ersten Schritten im fürsorglichen Dienst an Kranken und Bedürftigen entwickelte sich über zwei Jahrhunderte hinweg ein tragfähiges Netzwerk in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Bildung.

Generaloberin Sr. Barbara Flad (l.) erhielt von Landeshauptmann Anton Mattle (r.) neben Glückwünschen auch die Finanzierungszusage für die dringend notwendige Generalsanierung des denkmalgeschützten Rundbaus des Krankenhauses. (c) Kongr. Barm. Schw. Zams/Martina Kopp
„Wenn wir zurückblicken und die Werke sehen, die über die Jahre entstanden sind, wirkt manches davon vielleicht sehr groß und mächtig. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass all dies nur durch den beherzten Einsatz einzelner Menschen möglich war – durch ihre Bereitschaft, mit anderen für andere da zu sein. Diese Feier steht im Zeichen unserer Freude und Dankbarkeit für alles, was daraus gewachsen ist“, sagte sie. Heute tragen rund 1.900 Mitarbeiter:innen das von den Schwestern geschaffene Werk. Sie führen mit dem Orden den Gründungsauftrag zeitgemäß weiter und tragen dazu bei, dass die ursprüngliche Idee gelebter Barmherzigkeit auch unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen wirksam bleibt.
„Barmherzigkeit ist keine Gefühlsanwandlung“
Die Festrede hielt der ehemalige Caritas-Direktor Georg Schärmer. Er würdigte den nachhaltigen Beitrag des Ordens im Sozial- und Gesundheitsbereich: „Barmherzigkeit ist keine Gefühlsanwandlung, sondern mutiges, beharrliches und radikales Handeln auf der Höhe der Zeit und auf der Höhe des Evangeliums. Die Barmherzigen Schwestern in Zams tun dies unermüdlich und widerstandsfähig. Wann immer das Gesundheitswesen in Tirol ‚krankte‘, hatten die Barmherzigen Schwestern eine kompetente und realisierte Antwort darauf.“

Der ehemalige Caritas-Direktor Georg Schärmer hielt die Festrede zum 200-Jahr-Jubiläum der Barmherzigen Schwestern von Zams. (c) Kongr. Barm. Schw. Zams/Martina Kopp
Landeshauptmann Anton Mattle überbrachte in seinen Grußworten neben Glückwünschen auch eine positive Nachricht: die Finanzierungszusage für die dringend notwendige Generalsanierung des denkmalgeschützten Rundbaus (Haus I) des Krankenhauses.
Ein besonderer Höhepunkt war die Präsentation der eigens zum Jubiläum erschienenen Festschrift. Das rund 220 Seiten umfassende Buch versteht sich als fundierte Gesamtschau von Herkunft, Spiritualität und Entwicklung der Gemeinschaft. Die Festschrift führt die parallelen Linien der Ordens- und Krankenhausgeschichte zusammen und veranschaulicht, wie sich das Wirken der Barmherzigen Schwestern und die Entstehung sowie der Ausbau des Krankenhauses über zwei Jahrhunderte hinweg wechselseitig geprägt und vorangetrieben haben.
Jubiläumsausstellung eröffnet
Im Anschluss eröffnete Generaloberin Sr. Barbara Flad die Jubiläumsausstellung im Foyer der Katharina Lins Schulen. Exemplarisch wurden zwölf Schwestern „vor den Vorhang“ geholt. In persönlich gestalteten Koffern sind biografische Dokumente, Fotografien und Erinnerungsstücke präsentiert, die auf das Charisma und die Stärke einer Auswahl prägender Ordensfrauen verweisen. Die Ausstellung, mit viel Kreativität und Detailwissen von Sr. Maria Gerlinde Kätzler gestaltet, macht sichtbar, dass sich die Geschichte der Kongregation in den Lebenswegen einzelner Schwestern verdichtet – und dass jede von ihnen auf ihre Weise zum Miteinander, zum Fortbestehen und zur Weiterentwicklung des Auftrags beigetragen hat. Auch ein gemeinsamer Gang mit den Festgästen zum Friedhof des Mutterhauses stand auf dem Programm. In einem Gebet wurde das Vermächtnis der mehr als 3.000 verstorbenen Schwestern in Worte gefasst: „Wir sind Gemeinschaft – wir, die Lebenden und die uns Vorangegangenen. Ihr Leben sei uns Vorbild.“

Die Jubiläumsausstellung im Foyer der Katharina Lins Schulen holt exemplarisch zwölf Schwestern „vor den Vorhang“. (c) Kongr. Barm. Schw. Zams/Martina Kopp
In der zum Jubiläum erschienenen Festschrift heißt es abschließend: „Solange Menschen einander brauchen und einander Halt geben, bleibt der Auftrag der Barmherzigkeit lebendig. Die Spuren und Werte zweier Jahrhunderte mögen weiterleuchten und Generationen auf Wege führen, auf denen Glaube, Mut, Hoffnung und Nächstenliebe Zukunft haben.“
Quelle: Barmherzige Schwestern Zams