Gedenkandacht für Medizin- und Ordenspionierin Anna Dengel

Der Ort für das Gedenken war nicht zufällig gewählt: Ein Glasfenster in der Votivkirche, das sogenannte Missionsfenster, erinnert an das Leben und Wirken der Tirolerin. © Verein „Freunde Anna Dengel“
Eine Ärztin im Habit
Anna Dengel, 1892 im Tiroler Lechtal geboren, zählt zu den ersten Ärztinnen Österreichs und begann nach ihrem Medizinstudium 1920 in Indien zu arbeiten. Fünf Jahre später gründete sie die Gemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern mit dem Ziel, insbesondere Frauen medizinisch zu versorgen und auszubilden. Dabei überwand sie auch kirchenrechtliche Hürden: Ordensfrauen war eine ärztliche Tätigkeit über Jahrhunderte hinweg untersagt – ein Verbot, das erst 1936 aufgehoben wurde. Heute sind die Missionsärztlichen Schwestern in Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa tätig und betreiben Gesundheitszentren sowie Ausbildungsprogramme.
Ärztin und Missionarin mit geistlicher Tiefe
Der aus Tirol stammende Jesuit P. Stefan Hengst zeichnete in seiner Predigt über Anna Dengel das Bild einer jungen Frau, die früh eine klare Berufung verspürte. Bereits mit 17 Jahren sei sie „sofort Feuer und Flamme“ gewesen, als sie von der Möglichkeit hörte, als Ärztin in Missionsländern zu wirken und „Missionarin zu sein“. Sie sei dabei von Zuversicht geprägt gewesen und ließ sich durch nichts entmutigen: „Das Unmögliche von heute ist die Arbeit von morgen.“
Zugleich betonte Hengst die geistliche Tiefe im Leben der Ordensgründerin. Dengel habe aus dem grundlegenden Vertrauen heraus gelebt, angesichts der Vorsehung und Liebe Gottes und seines Erbarmens könne nichts hoffnungslos sein. Ihr Zugang sei eine „Integration“ von Glauben und Alltag gewesen, denn: „Es ist gar nicht so kompliziert, Gott zu suchen.“ Daraus habe Dengel auch klare Maßstäbe für das religiöse Leben abgeleitet, das vor allem in der Gottsuche bestehe. Charakteristisch sei auch ihre Gelassenheit gewesen, denn: „Wir brauchen nicht ängstlich zu sein, wir sind in Gottes Hand“, so ein Ausspruch Dengels.

Anna Dengel ging beharrlich ihren Weg und behielt immer ihren Optimismus: „Wir brauchen nicht ängstlich zu sein, wir sind in Gottes Hand“. © Verein „Freunde Anna Dengel“
Von der Unterstützten zur Unterstützerin
Reinhard Heiserer von Jugend Eine Welt verwies auf prägende Erfahrungen im Leben Dengels. So habe etwa eine ihr unbekannte Frau, mit der sie nur in Briefkontakt stand, durch finanzielle Unterstützung ihr Studium ermöglicht. Das sei ein bemerkenswertes Beispiel für Solidarität zwischen Frauen gewesen, die sich für ein besseres Gesundheitssystem eingesetzt haben, und zeige auch heute noch, was Vertrauen bewirken könne. Erst dieses Zusammenspiel zwischen Dengel und ihrer Patin habe dazu beigetragen, „dass Anna Dengel werden konnte, was sie war“.
Zugleich hob Heiserer Dengels Beharrlichkeit hervor. Auch angesichts kirchlicher Widerstände habe sie an ihrem Ziel festgehalten und nach Lösungen gesucht. Wenn sich Hindernisse ergeben hätten, habe sie Wege gefunden, diese zu umgehen, „weil sie an ihre Sache geglaubt hat“.
100 Jahre im Dienst der Gesundheit
Die Gedenkfeier machte zudem deutlich, dass das Vermächtnis Dengels bis heute weiterwirkt. Der von ihr 1925 gegründete Orden der Missionsärztlichen Schwestern hat den ursprünglichen Ansatz inzwischen weiterentwickelt und den Fokus auf ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit gerichtet, das neben medizinischer Versorgung auch soziale, ökologische und pastorale Aspekte miteinbezieht. Die Schwestern sind weltweit vielfältig tätig und richten ihre Arbeit konsequent an den Bedürfnissen der Menschen aus.
Quellen: kathpress, Verein „Freunde Anna Dengel“