Eröffnung des Wilheringer Pilgerwegs „Von der Donau bis zur Moldau“

Nach drei Jahren ist es soweit: Eröffnung des Wilheringer Pilgerwegs mit Festgästen und Kooperationspartner:innen. © TVB Mühlviertel | Roland Bartl
Den Festgottesdienst feierten Bischof Manfred Scheuer und Abt Reinhold Dessl mit den zahlreich gekommenen Besucher:innen in der Stiftskirche Wilhering. Die Pilgerroute sei nicht nur ein äußerlicher Weg, sondern auch eine Reise nach innen, unterstrich Bischof Manfred Scheuer in seiner Predigt. Pilgern sei nicht nur ein Modetrend, sondern komme dem Bedürfnis nach Sinnsuche und spiritueller Erfahrung entgegen. Was die Motivationen des „Gehens“ betrifft, gebe es neben sportlichem Ehrgeiz oder gesundheitlichen Motiven auch die Suche nach dem ureigenen Selbst. Das Gehen sei daher „eine Schule der Sehnsucht, mich nicht mit zu wenig zufriedenzugeben, die Ziele meines Lebens nicht zu niedrig anzusetzen und diese Ziele nicht aus den Augen zu verlieren“, hielt der Bischof fest. Ein Weg mit einem Ziel gebe nicht nur Orientierung – das Gehen wirke darüber hinaus persönlichkeitsbildend, gemeinschafts- und freundschaftsstiftend.
Nicht selten hingen Pilgerwege und Wallfahrten auch mit biografischen und existenziellen Übergängen und Brüchen zusammen. Davon zeugten die vielen Votivtafeln für Anliegen und Dank entlang der Wege. Vor Prüfungen, nach der Matura, bei Verlusterfahrungen und bei Lebensübergängen würden sich viele Menschen auf den Weg machen, meinte Scheuer. Gehen sei ein Ausdruck für den Gang des Lebens mit Gelingen, mit Scheitern, mit Höhen und Tiefen, mit den Wegen, Umwegen, Irrwegen und Abwegen. „Das Gehen wird zum Bild der inneren Befindlichkeit und auch zum Symbol unserer Beziehungen: Menschen gehen aneinander vorbei oder wieder aufeinander zu“, sagte der Bischof.
Feierlicher Auftakt: Festgottesdienst mit Bischof Manfred Scheuer, Abt Reinhold Dessl und Prior Johannes Mülleder. © TVB Mühlviertel | Roland Bartl
Pilgern überwindet Grenzen
Nach der Festmesse mit Abt Reinhold Dessl und Bischof Manfred Scheuer wurde der neue Pilgerweg offiziell eröffnet. Der Wilheringer Weg führt nicht nur wortwörtlich über die Landesgrenze zwischen Österreich und Tschechien, sondern soll auch dazu anregen, innere Grenzen auszuloten sowie gesellschaftliche Grenzen zu hinterfragen. Die „Reise nach innen“ könne „empfänglicher machen für die Wunder der Schöpfung und den liebenden Urgrund des Lebens, den wir Gott nennen“, betonte Abt Reinhold Dessl vom Stift Wilhering. Bewegung mache den Kopf freier und helfe dabei, „in uns zu gehen“. In einer Welt voller Konfliktherde regte Abt Dessl dazu an, die Pilgererfahrung, den Weg ins Innere und die Überwindung von Grenzen auch nach außen zu tragen – als Symbol für eine Gesellschaft, die das Verbindende sucht. „Auch zwischen dem Stift Wilhering und seinem ehemaligen Tochterkloster Hohenfurth ist eine neue Verbindung entstanden, für die ich sehr dankbar bin“, betonte Abt Reinhold und wünschte allen: „Mögen viele gestärkt und gesegnet von diesem Pilgerweg nach Hause kommen!“

Wegweisender „Schnitt in die Zukunft“: Feierliche Eröffnung des Wilheringer Pilgerwegs im Anschluss an den Gottesdienst. © TVB Mühlviertel | Roland Bartl
Eine Besonderheit des Projekts – die Zusammenarbeit in einem transnationalen Interreg-Förderprojekt zwischen Österreich und Tschechien – wurde auch im Festakt gewürdigt, indem sämtliche Reden simultan auf Tschechisch übersetzt wurden.
Zisterziensische Spiritualität
Der Wilheringer Pilgerweg basiert auf der zisterziensischen Spiritualität und umfasst 15 Impulsstationen (die sogenannten „15 Gs“ von „Gesegnet“ bis „Gewandelt“). Laut Projektbeschreibung orientieren sich diese an den Lehren des hl. Benedikt von Nursia und des hl. Bernhard von Clairvaux. An den beteiligten Kirchen installierte Impulstafeln bieten mittels QR-Code Audio-Inhalte in den Sprachen Deutsch, Tschechisch und Englisch an. Zudem haben etwa fünfzehn Pilgerwegweiser:innen eine Ausbildung absolviert, um die Pilgernden nach individuellen Bedürfnissen zu begleiten.
Die Pilgerinnen und Pilger haben die Möglichkeit, sich in einzelnen Pfarrhöfen ein Bett in einem Pilgerzimmer zu mieten. Wer den Weg lieber auf eigene Faust plant, findet in der neuen Begleitbroschüre „Der Wilheringer Weg“ alle Details zu Etappen, Nächtigungsmöglichkeiten und Hintergrundinfos. Die Broschüre ist ab sofort unter www.wilheringerweg.at, im Mühlviertel Tourismus Büro Bad Leonfelden sowie im Stiftsshop des Stifts Wilhering erhältlich und liegt in Kirchen und Gemeindeämtern auf. Ins Begleitheft können nicht nur die gesammelten Pilgerstempel eingetragen werden, es liefert auch genaue Wegbeschreibungen, bietet für jede Etappe Meditationstexte und Raum für eigene Gedanken und ist so der perfekte Begleiter für den eigenen Weg nach innen.

Von der Donau bis zur Moldau: Der neue Pilgerweg verbindet das Stift Wilhering mit seiner ehemaligen Tochtergründung, dem Stift Hohenfurth in Südböhmen, und mit allen Kirchen der Region, die vom Stift Wilhering betreut werden. © Martin Sighart
Alle zogen an einem Strang
An der Entstehung des Pilgerweges waren zahlreiche Akteure gemeinsam beteiligt. Neben der Interreg-Förderung ermöglichten LEADER-Mittel aus vier Regionen (Urfahr West, Linz Land, Donau Böhmerwald, Sterngartl Gusental), die Zusammenarbeit mit den Tourismusverbänden Mühlviertel und Donauregion Oberösterreich, dem Stift Wilhering sowie zahlreichen Ehrenamtlichen die Umsetzung des Projekts. „Ein Team von 20 überwiegend ehrenamtlichen Personen hat mehr als drei Jahre am Wilheringer Pilgerwegprojekt intensiv gearbeitet. In unbezahlbar vielen Stunden wurde so ein beeindruckendes Projekt auf die Beine gestellt, das Länder und Menschen verbinden wird“, würdigte Abt Dessl diesen Einsatz.
Quellen: kathpress, Wilheringer Weg, Diözese Linz