Ordens-Projekte mit Florian-Kuntner-Preisen ausgezeichnet

Insgesamt neun Projekte wurden am 27. März 2026 mit dem Florian-Kuntner-Preis ausgezeichnet. (c) Erzdiözese Wien/Schönlaub
Der Florian-Kuntner-Preis wird alle zwei Jahre von der Diözesankommission für Weltkirche und Entwicklungszusammenarbeit der Erzdiözese Wien ausgelobt, 2026 bereits zum zwölften Mal. Das Preisgeld beträgt insgesamt 18.000 Euro. Benannt sind die Preise nach dem 1994 verstorbenen Wiener „Weltkirche- und Friedensbischof“ Florian Kuntner.
Auch Ordensgemeinschaften an Projekten beteiligt
In der Kategorie „Weltkirchliche Partnerschaft“ wurde die Pfarre Rossau für ihre langjährige Partnerschaft zum „Centro de Apoio à Família“ in Brasilien ausgezeichnet. Seit mehr als 15 Jahren führt die Caritas Socialis in Guarapuava/Brasilien das „Centro de Apoio à Família“. Das Zentrum wird von Kindern und Jugendlichen, alleinerziehende Frauen und Großmüttern besucht. Die Kinder werden in Ergänzung zur Schulbildung gefördert, was ihnen Perspektiven für ihr Leben eröffnet. Die Pfarre Rossau unterstützt das Zentrum durch zahlreiche größere und kleinere soziale Aktivitäten, die über das gesamte Jahr verteilt durchgeführt werden. Außerdem wurden das im Südsudan durchgeführte Projekt „Rain Workers – Wissen regnen lassen“ des gleichnamigen Vereins sowie die Pfarre Allerheiligen für ein Gesundheitsprojekt im Kongo ausgezeichnet.

Die Pfarre Rossau wurde für ihre langjährige Partnerschaft zum von der Caritas Socilias geführten „Centro de Apoio à Família“ in Brasilien ausgezeichnet. (c) Erzdiözese Wien/Schönlaub
In der Kategorie „Junges Engagement“ erhielt das Don Bosco Sozialwerk in Wien den Florian-Kuntner-Preis für das Projekt „(un)sichtbar“. Es widmet sich der politischen Teilhabe junger Menschen – unabhängig davon, ob sie wahlberechtigt sind oder nicht. In Interviews vor einem Greenscreen äußerten Jugendliche ihre persönlichen Erfahrungen, Meinungen und Gefühle zu Demokratie und Politik. Dabei handelte es sich um Klient:innen von Jugendzentren, von stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie ukrainische Vertriebene. Die entstandenen Videos wurden so bearbeitet, dass nur Kleidung und Körpersprache sichtbar bleiben. Die Videos wurden über Social Media und Partnerorganisationen geteilt, um Dialog, Reflexion und Austausch zu fördern. Den Abschluss des Projekts bildete ein Fest mit Filmpräsentation und Diskussionen zwischen Jugendlichen und Politikern. Die zwei weiteren Preise in dieser Kategorie gingen an das Projekt „Laetare! Musik verbindet. Freude bewegt“ der Jungen Kirche der Erzdiözese Wien sowie an die Nahost-Jugendworkshops der Stiftung Pro Oriente.
Die Preise in der Kategorie „Bildungsarbeit für Eine Welt“ gingen an den Verein „Global Achtsam“ für ein Projekt im Rahmen des Fairen Handels, das Projekt „Partnerschule auf den Philippinen“ des Bundesgymnasiums Zehnergasse in Wiener Neustadt und die „Aktionsgruppe gegen Kinderarbeit“ von Jugend eine Welt, eine Hilfsorganisation, deren wichtigste Projektpartner:innen die Salesianer Don Boscos und die Don Bosco Schwestern sind.

In der Kategorie „Junges Engagement“ erhielt das Don Bosco Sozialwerk in Wien den Florian-Kuntner-Preis für das Projekt „(un)sichtbar“. (c) Erzdiözese Wien/Schönlaub
Fest der Verbundenheit
Von einem „Fest der Verbundenheit mit allen“ sprach eingangs Christian Zettl, Weltkirche-Beauftragter der Erzdiözese Wien. Pastoralamtsleiter Markus Beranek zitierte in seinem Grußwort aus dem Schlussdokument der Bischofssynode zur Synodalität aus dem Jahr 2024: „Die Kirche strebt sowohl auf lokaler Ebene als auch kraft ihrer katholischen Einheit danach, ein Netzwerk von Beziehungen zu sein, das prophetisch eine Kultur der Begegnung, der sozialen Gerechtigkeit, der Inklusion der Ausgegrenzten, der Gemeinschaft unter den Völkern und der Sorge für die Erde, unser gemeinsames Zuhause, verbreitet und fördert.“
Den Festvortrag bei der Preisverleihung hielt Thomas Zobernig, Geschäftsführer des offenen Kinder und Jugendzentrums „Sale für Alle“ in Wien. Er stellte die Arbeit des Zentrums vor, das vor allem von Kindern aus einkommensschwachen Familien und mit Migrationshintergrund besucht wird und in dem sie eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung, Unterstützung beim Lernen und in ihren Talenten und Fähigkeiten gefördert werden. Diese Arbeit sei nur durch das Engagement der vielen Ehrenamtlichen im Team möglich, sagte Zobernig. Die gemeinsame Arbeit stifte Identität und Gemeinschaft, nötig sei freilich, die Ehrenamtlichen auch in die Entscheidungen miteinzubeziehen. Das gelte nicht nur für das Jugendzentrum, sondern für alle Projekte, die vor allem von Ehrenamtlichen getragen werden.

Thomas Zobernig, Geschäftsführer des offenen Kinder und Jugendzentrums „Sale für Alle“ in Wien, hielt den Festvortrag bei der Preisverleihung. (c) Erzdiözese Wien/Schönlaub
Auch in der Jury des Florian-Kuntner-Preises waren die heimischen Orden durch den Steyler Missionar P. Stephan Dähler vertreten. Sie wurde von Angela Kemper, Katharina Renner, Ingrid Schwarz und Michael Ströhle vervollständigt. Für die musikalische Gestaltung sorgten Mitglieder des Kammerorchesters der Initiative „Superar“. An die Preisverleihung schloss ein Gottesdienst in der Unterkirche des Stephansdoms an. Der Feier im Gedenken an Weihbischof Kuntner stand Erzbischof Grünwidl vor.
Ein Bischof mit Blick auf die Welt
Am 30. März jährt sich zum 32. Mal der Todestag des Wiener Weihbischofs Florian Kuntner, der für sein entschlossenes und konsequentes Eintreten für Frieden und globale Solidarität bekannt war. Er wurde am 22. März 1933 in Kirchberg am Wechsel (NÖ) geboren. Nach der Priesterweihe 1957 wurde er 1962 Pfarrer von Piesting, 1971 Propstpfarrer in Wiener Neustadt und danach Bischofsvikar für das neu gegründete Vikariat unter dem Wienerwald mit Sitz in Wiener Neustadt. 1977 wurde Kuntner gemeinsam mit Helmut Krätzl von Kardinal Franz König zum Bischof geweiht.
Als Bischofsvikar „für alle Anliegen der Mission und Entwicklungshilfe in der Erzdiözese Wien“, Referatsbischof für Weltkirche, Mission und Entwicklungshilfe in der Österreichischen Bischofskonferenz und Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke (Missio) war es Kuntner ein großes Anliegen, globale Gerechtigkeit und partnerschaftliche Beziehungen zu den Kirchen des globalen Südens zu fördern. Nach einer seiner vielen Reisen – um in persönlichen Begegnungen die Solidarität mit Ortskirchen im Süden zum Ausdruck zu bringen, erlag Kuntner erst 61-jährig einer Tropenkrankheit. Er wurde in der Domherrengruft von St. Stephan in Wien bestattet.
Quelle: kathpress