Hilfsprojekt-Pionier P. Georg Sporschill denkt über „geistige Erben“ nach

P. Georg Sporschill richtet sein Augenmerk vor seinem 80. Geburtstag verstärkt auf seine „geistigen Erben“. (c) Elijah.Soziale Werke
Der Jahresbericht erschien dieser Tage gemeinsam mit dem „Elijah“-Osterbrief, den die Leiterin des Vereins mit Sitz in Marpod (Rumänien), Ruth Zenkert, verfasste. Sie berichtet über das jüngste „Elijah“-Projekt, das ehemaligen Straßenkindern in Bukarest gewidmet ist.
P. Georg Sporschill, der für sein soziales Engagement vielfach ausgezeichnet wurde, erwähnt im Bericht, dass er heuer 80 wird. Deshalb richte er sein Augenmerk verstärkt auf seine „geistigen Erben“. Der alttestamentliche Prophet Elijah – er hat große Bedeutung im Judentum wie im Christentum und gilt als Nothelfer, aber auch Vorbild für soziale Arbeit – habe „50 starke Schüler hinterlassen“. Elijah sei diesbezüglich auch Vorbild für Unternehmer: „Gute Unternehmer“ – erklärte der Vorarlberger Jesuit – „haben Nachfolger. Wer lernt von dir? Wer teilt mit dir die Aufgabe? Wer sind deine Erben?“
Neues Projekt für ehemalige Straßenkinder
„Elijah“-Leiterin Ruth Zenkert verweist im Osterbrief auf das jüngste Projekt des Vereins, die jüngst eröffnete Casa Robert im Bukarester Bahnhofsviertel. Es ist das zweite Haus von „Elijah“ für ehemalige Straßenkinder, die den Ausstieg nicht geschafft haben und mittlerweile oft 40 oder älter sind. Projektverantwortlicher ist Fabian Robu.
„Fabian geht jeden Tag zu den Straßenmenschen und bringt ihnen Tee, Medikamente, vor allem aber Freundschaft. Am Nachmittag kommen sie in das Zentrum, die Casa Luisa, zum Waschen, Aufwärmen und Ausruhen – und zum Gebet. Das Abendessen stärkt sie. Das zweite Haus, Casa Robert, ist fertig renoviert. Jetzt können zwanzig ‚Straßenkinder‘ auch übernachten. Wer ein Bett erkämpft hat, ist glücklich“, berichtet Zenkert. Eine frohe Gemeinschaft sei entstanden. „Pater Georg war im Winter in Bukarest bei unseren Freunden von der Straße. Sie sind glücklich über das neue Haus und helfen mit, wo sie können.“
Befreiung aus den „tödlichen Fesseln der Straße“
Zenkert schließt mit einer Bitte zur Feier von Ostern: „Werden die Menschen nach so vielen Jahren auf der Straße doch noch eine Heimat finden? Das ist unsere Frage zu Ostern, wenn wir die Auferstehung aus dem Grab und die Befreiung aus den tödlichen Fesseln der Straße feiern.“
Dem am 26. Juli 1946 in Feldkirch geborenen P. Georg Sporschill waren seit seiner Studienzeit „die Schwierigen ans Herz gewachsen“. Er trat mit 30 in den Jesuitenorden ein, war Redakteur der Zeitschrift „Entschluss“, Motor einer großen Jugendbewegung und organisierte in Wien das Caritas-Jugendhaus in der Blindengasse, den Canisibus zur Essensverteilung an Armuts-Hotspots sowie das sozialökonomische Arbeitsmarktprojekt „Café Inigo“ in der Wiener Innenstadt. Der Orden sandte ihn 1991 nach Rumänien. Bis 2011 leitete der Jesuit den Verein „Concordia“, der sich der Arbeit mit Straßenkindern in mehreren Ländern Osteuropas widmet.
„Wo ist die Not am größten?“
Er übergab die Leitung an ein neues Team, mit dem Ziel, „in das Milieu zu gehen, wo die Straßenkinder herkommen – zu den überforderten und verwahrlosten Roma-Familien“, wie P. Georg Sporschill erklärte. Leitfrage war für ihn: „Wo werde ich gebraucht, wo ist die Not am größten?“ Deshalb ging er in die Roma-Dörfer des siebenbürgischen Harbachtals (Valea Hartibaciului), wo er jetzt lebt. In einer der Harbachgemeinden startete er 2012 mit der Religionspädagogin Ruth Zenkert ein Roma-Projekt, das auf den biblischen „Feuerpropheten“ Elijah Bezug nimmt und in Rumänien unter dem Namen „Elijah Initiativa Sociala“ firmiert.
Aus kleinen Anfängen ist Großes gewachsen: Heute betreibt der Verein „Elijah“ u.a. vier Sozialzentren, Musikschulen, Jugendklubs, Nachmittagsbetreuung, Nachhilfe, Ausbildungs- und Arbeitsprojekte, ein Schülerwohnheim, ein Mutter-Kind-Haus, ein Streetwork-Projekt in Bukarest und leistet Hilfe zum Neu- und Umbau von Häusern.
Quelle: kathpress