Auszeichnung für Lebenswerk: Herbert-Haag-Preis für Bischof Erwin Kräutler

Bischof Erwin Kräutler, der der Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut angehört, hat am 22. März 2026 den Herbert-Haag-Preis für sein Lebenswerk erhalten. (c) Herbert Haag Stiftung/Franca Pedrazzetti
An der Preisverleihung nahm auch eine Abordnung der Diözese Feldkirch mit Bischof Benno Elbs an der Spitze teil. Odilo Noti, Präsident der Herbert Haag Stiftung, sagte in seinem Grußwort, dass Perintfalvi und Kräutler unterschiedliche Akzentsetzungen in ihrem Engagement verkörpern würden. Aber: „Ihr gemeinsames Insistieren auf menschlicher Würde und Gleichheit, auf Menschenrechten und Demokratie verbindet sie“, erklärte Noti.
Bischof Erwin Kräutler (86) wurde für sein Lebenswerk geehrt. Der gebürtige Vorarlberger gehört der Kongregation der Missionare vom Kostbaren Blut an und ist seit den 1960er Jahren in Brasilien tätig. Er war langjähriger Bischof der Diözese Xingu im Amazonasgebiet und engagierte sich als Präsident des Indianermissionsrates (CIMI) für die Rechte indigener Völker und den Umweltschutz. Er wirkte unter anderem an der päpstlichen Enzyklika „Laudato si‘“ mit und kritisierte wiederholt die Auswirkungen von Großprojekten wie dem Staudamm Belo Monte auf die lokale Bevölkerung. Auch dass er einflussreiche Kreise in Altamira wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Kinderprostitution angezeigt habe, führt die Stiftung in der Begründung zur Preiszuerkennung an.

Unter die Schar der Gratulant:innen mischte sich auch eine Abordnung der Diözese Feldkirch mit Bischof Benno Elbs an der Spitze. (c) Herbert Haag Stiftung/Franca Pedrazzetti
Mehrfach Opfer von Bedrohungen und Anschlägen
Schon mehrfach wurde Kräutler Opfer von Bedrohungen und Anschlägen, eine Mitstreiterin, die Ordensfrau Dorothy Stang, wurde sogar ermordet. Der Bischof gilt als einer der vehementesten Fürsprecher der von der Befreiungstheologie in Lateinamerika formulierten „Option für die Armen“ und machte sich außer mit sozialen und ökologischen Anliegen auch für strukturelle Reformen in der Kirche stark, darunter die stärkere Einbindung von Frauen in kirchliche Leitungsfunktionen oder die Weihe von Frauen.
Die Laudatio auf Bischof Kräutler hielt Stiftungsrätin Ute Leimgruber. Der „rote Faden des Evangeliums“ sei für Bischof Kräutler die untrennbare Verbindung von Gottesliebe und Nächstenliebe, sagte Leimgruber. Sie hob sein lebenslanges, unermüdliches Engagement für die Rechte der indigenen Bevölkerung Amazoniens; für die Bewahrung der Schöpfung, für Ökologie und Klimaschutz sowie für eine nicht-klerikalistische, geschlechtergerechte Kirche hervor. Alle drei Aspekte gehörten untrennbar zusammen.
Kräutler: Sehnsucht nach Eucharistie erfüllen
Er habe es nie bereut, „diesen Schritt gemacht und meine Vorarlberger Heimat mit der Amazoniens getauscht zu haben“, sagte Bischof Kräutler in seinen Dankesworten. Er nützte die Preisverleihung auch für ein Anliegen, das ihn seit Jahrzehnten bewegt. Da seine Diözese so riesig sei und viele Indigene weit weg von Kirchen lebten, sei es schwierig, überall die Sehnsucht der Menschen nach der Eucharistie zu erfüllen. „Warum um Gottes willen, ist es deshalb nicht möglich, Gemeindemitglieder, die in diesen Regionen leben und teils schon Leitungsfunktionen inne haben zu weihen, damit überall Eucharistie gefeiert werden kann?“ fragte Kräutler.

Bischof Erwin Kräutler betonte, dass er es nie bereut habe, „diesen Schritt gemacht und meine Vorarlberger Heimat mit der Amazoniens getauscht zu haben“. (c) Herbert Haag Stiftung/Franca Pedrazzetti
Was sein Engagement für die Umwelt im Regenwald angeht, erklärte der Bischof, dass Umwelt nichts Anonymes sei – sondern mit Menschen zu tun habe. Auf der ganzen Welt. Deswegen spreche er lieber von „Mitwelt“ als von Umwelt. „Wenn das Amazonas einmal nicht mehr bestehen sollte, dann wird die ganze Erde in Mitleidenschaft gezogen“, mahnte er seine Zuhörer:innen.
Die Armut der indigenen Völker
In diesem Zusammenhang sei auch die Armut der indigenen Völker zu verstehen: „Denn es geht nicht nur um materielle Armut der Menschen wie Hunger, sondern auch darum, dass die indigenen Völker arm sind, wenn sie aus in ihren Dörfern in die Städte vertrieben werden. Wenn sie nicht mehr so leben und sein dürfen, wie sie es von ihrer Kultur kennen.“
Auch Rita Perintfalvi (52) erhielt des Herbert-Haag-Preis. Sie lehrt und forscht in Budapest, war zuvor an den theologischen Fakultäten der Universitäten Wien und Graz tätig und ist unter anderem Präsidentin der ungarischen Sektion der Europäischen Gesellschaft für Theologische Forschung von Frauen. In Publikationen, öffentlichen Beiträgen und einer von ihr mitbegründeten Basisgemeinschaft thematisierte Perintfalvi u. a. sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, Rechtspopulismus, religiösen Fundamentalismus und Geschlechtergerechtigkeit. Sie kritisiert das politische System unter Viktor Orban und spricht von einer ideologischen Instrumentalisierung des Christentums in Ungarn.

Rita Perintfalvi und Bischof Erwin Kräutler wurden mit dem Herbert-Haag-Preis 2026 ausgezeichnet. (c) Herbert Haag Stiftung/Franca Pedrazzetti
Herbert Haag-Stiftung
Die 1985 vom Schweizer Theologen Herbert Haag gegründete Stiftung versteht sich als der biblischen Botschaft von Freiheit, Solidarität und Demokratie verpflichtet. Die Preisverleihung ist Teil ihrer Bemühungen um ökumenischen, interreligiösen und gesellschaftlichen Dialog. Zu den bisherigen Ausgezeichneten zählen unter anderem die Theologen Leonardo Boff und Eugen Drewermann, Bischof Jaques Gaillot, der Jesuit Klaus Mertes, Pfarrer Rudolf Schermann, das Kirchenvolksbegehren in Österreich und Deutschland, Pfarrer Helmut Schüller und die „Pfarrerinitiative“, die Wiener Publizistin Dolores Bauer, die Theologen Wolfgang Treitler und Doris Reisinger sowie das theologische Feuilleton-Portal feinschwarz.net.
Quelle: kathpress