Dominikanerinnen spenden 22.000 Euro an Jerusalemer Schmidt-Schule

Wichtige Unterstützung: Sr. Franziska Madl übergab bei ihrem Besuch einen symbolischen Scheck an Dietrich Bäumer, den Leiter der Jerusalemer Schmidt-Schule. Das Geld wurde bereits zuvor an die 1886 von den Borromäerinnen gegründete Schule überwiesen. © ÖOK/rm
Die Spenden stammen aus den Einnahmen des letztjährigen „Advents auf dem Schlossberg“ – eines alljährlichen Benefizmarktes auf dem Areal des Schulvereins der Dominikanerinnen in Wien Hietzing, zu dessen Gelingen nicht nur die Schülerinnen und Schüler, sondern auch das Lehrpersonal aller Bildungseinrichtungen, die beiden Elternvereine sowie die Küchen-, Haus- und Verwaltungsangestellten beitragen. Der Reinerlös von über 19.000 Euro wurde vom Schulverein auf 20.000 Euro und anschließend vom Konvent auf 22.000 Euro aufgestockt. Dieser Betrag wurde bereits im Dezember an die Schmidt-Schule-Jerusalem überwiesen.
Spendenscheck-Übergabe im Heiligen Land
„Das Geld ist natürlich schon geflossen, aber es war uns wichtig, ein Symbol zu setzen. Und deshalb freue ich mich sehr, dass ich heute hier sein kann, um auch symbolisch einen Scheck zu übergeben“, betonte Sr. Franziska Madl bei ihrem Besuch der Schule. Schulleiter Dietrich Bäumer nahm den Scheck dankend entgegen und erwähnte dabei, dass sich die Schule aufgrund des Gaza-Krieges in einer wirtschaftlich schwierigen Lage befindet. Aufgrund der finanziellen Unterstützung könne der Schulbetrieb für rund 10 Schülerinnen ein Jahr lang gesichert werden. Das Geld wird in Form von Stipendien an die Schülerinnen und ihre Familien weitergegeben.
Gemeinsamer Austausch: Im Gespräch erfuhr Sr. Franziska Madl aus erster Hand, mit welchen Problemen die Schulleitung, das Lehrpersonal und die Schülerinnen konfrontiert sind. © ÖOK/rm
Große Ehre und Freude
Kennengelernt haben sich Sr. Franziska Madl und Dietrich Bäumer im Herbst 2024, als der Jerusalemer Schulleiter beim Bildungstag der Ordenstagungen in Wien-Lainz über die Herausforderungen einer katholischen Schule in einem konfliktreichen Umfeld referierte.
„Wir kennen uns jetzt seit rund einem Jahr, und seitdem ist diese Verbindung geblieben. Ich finde das sehr, sehr schön,“ freute sich Dietrich Bäumer und bedankte sich herzlich bei allen Spenderinnen und Spendern: „Vielen, vielen Dank dafür und herzliche Grüße nach Wien!“
Wichtiges Zeichen gegen das Vergessen
Anfang März berichtete Sr. Franziska Madl bei einer schulinternen Veranstaltung über ihre persönlichen Eindrücke und ihre Begegnungen während der Israelreise, die sie in ihrer Funktion als erste weibliche Vorsitzende der Österreichischen Ordenskonferenz unmittelbar vor Ausbruch des Iran-Krieges absolvierte. Laut ihren Berichten sind die Schülerinnen der Schmidt-Schule sehr dankbar für die großzügige Spende. Äußerst berührend war eine besondere Rückmeldung, die Sr. Franziska beim Besuch der Jerusalemer Schule erhielt: Noch wichtiger als die finanzielle Unterstützung sei für die Mädchen das Gefühl, dass man sie nicht vergessen hat und dass man an sie denkt.
Mädchenbildung auf höchstem Niveau
Die Schmidt-Schule, 1886 von den Borromäerinnen gegründet und aktuell vom Deutschen Verein vom Heiligen Lande getragen, wird von über 500 Schülerinnen mit unterschiedlicher sozialer und religiöser Herkunft besucht. Rund 15 Prozent der Schülerinnen sind Christinnen, die übrigen Muslima. Bei den Lehrkräften ist das Verhältnis umgekehrt: 85 Prozent sind Christen, 15 Prozent Muslime. Die Schule umfasst eine Grundschule und ein Gymnasium, wo unter anderem Deutsch unterrichtet wird. Mit ihrer interkulturellen, interreligiösen, multilingualen und ganzheitlichen Ausrichtung will die Schule einen dringend notwendigen Beitrag zu gegenseitigem Verständnis, Toleranz und Respekt leisten.
Mädchenbildung auf höchstem Niveau: Der Unterricht in der Schmidt-Schule erfolgt interkulturell, interreligiös, multilingual, ganzheitlich und unabhängig von der sozialen und religiösen Herkunft der Schülerinnen. © ÖOK/rm
Tägliche Herausforderungen im Kriegsalltag
Wie Bäumer berichtete, müssen zahlreiche Schülerinnen und Lehrkräfte aus dem Westjordanland aufgrund des bewaffneten Konflikts zwischen der israelischen Armee und der Terrororganisation Hamas täglich israelische Checkpoints passieren, um die Schule in Ostjerusalem zu erreichen. Die Wartezeiten an den Kontrollpunkten sind oft stundenlang und stellen eine erhebliche Belastung dar.
Er betonte die Bedeutung von Zusammenhalt innerhalb der Schulgemeinschaft, während politische Diskussionen bewusst vermieden werden. Alles in allem sei die Arbeit in der Schmidt-Schule in Jerusalem ein Spagat zwischen Religionen, Konfessionen und Kulturen, den man täglich aufs Neue in Angriff nehmen müsse.
Finanzielle Notlage durch Gaza-Krieg
Die Folgen des Konflikts betreffen auch die Familien der Schülerinnen: Viele Eltern, die im Tourismus tätig waren, haben durch den Krieg ihre Arbeit verloren. Wenn Eltern das Schulgeld nicht mehr aufbringen können, übernimmt die Schule die Kosten. „Niemand muss die Schule verlassen“, erklärte Bäumer. Ohne zusätzliche Spenden sei dies jedoch langfristig nicht möglich.
Quelle: Dominikanerinnen