Kirchliche Allianz mit Sr. Anneliese Herzig drängt auf Ausstieg aus Bergbau

Am 20. März 2026 wurde die „Platform for Divestment in Mining“ bei einer Pressekonferenz in der vatikanischen Pressestelle vorgestellt. Aus Österreich war Sr. Anneliese Herzig (2.v.r.) dabei. (c) privat
Ziel der Initiative ist es, kirchliche Finanzanlagen stärker an ethischen Kriterien auszurichten und damit auf Umweltzerstörung, Menschenrechtsverletzungen und globale Ungleichheiten im Zusammenhang mit Rohstoffabbau zu reagieren. „Investitionen sind nie neutral“, mahnte Sr. Anneliese Herzig im Rahmen der Pressekonferenz. Die Kirche könne und solle mit ihren Finanzentscheidungen „positive Effekte auf Gesellschaft und Ökologie“ erzielen. Rohstoffabbau führe „zu Ungleichheit, Armut und Umweltverschmutzung im Globalen Süden“, während er Konsumbedürfnisse im Globalen Norden bediene.
Umfassender Gesinnungswandel gefordert
Im Interview mit Radio Vatikan am Rande der Pressekonferenz forderte Sr. Anneliese Herzig einen umfassenden Gesinnungswandel, der über den reinen Finanzsektor hinausgeht. „Es braucht Mut und Entschiedenheit“, sagte sie gegenüber Radio Vatikan. Es brauche die Bereitschaft, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen und sich mit der harten Realität der Menschen in den Abbaugebieten zu konfrontieren.
„Wir müssen den Mut haben, auch manches zu ändern, auch wenn es manches schwieriger macht – etwa die Verhandlungen mit Banken. Und ja, vielleicht haben wir dann nicht so einen großen Gewinn, wie wir manchmal gerne hätten“, sagte die Ordensfrau, die im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar unter anderem das Projekt „Gold und Kirche“ koordiniert.
Konkrete Umsetzung von „Laudato si“
Die Initiative versteht sich als konkrete Umsetzung der Enzyklika „Laudato si“ sowie vatikanischer Leitlinien zur Finanzethik. „Desinvestitionen im Bergbau bedeuten, die Situationen von Ungerechtigkeit anzuerkennen“, erklärte zu Beginn der Pressekonferenz Sr. Nina Benedikta Krapic, Vizedirektorin des vatikanischen Presseamtes. Kernanliegen sei, kirchliche Investitionen transparenter zu machen und von Finanzstrukturen abzuziehen, die mit „Menschenrechtsverletzungen und Umweltverbrechen“ verbunden sein könnten, erklärte Sr. Nina Benediktia Krapic.
Bei der Präsentation betonte Kurienvertreter Kardinal Fabio Baggio, die Menschheit stehe vor der Frage, „wie wir die Welt den kommenden Generationen überlassen wollen“. Dazu gehöre auch, stärker auf die Stimmen lokaler Gemeinschaften zu hören.
Stimmen aus betroffenen Regionen
Der guatemaltekische Kardinal Álvaro Ramazzini verwies auf die enge Verbindung von „Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft“. Aktuell seien jene am stärksten von ökologischen Schäden betroffen, die ohnehin am Rand stünden. Auch der brasilianische Bischof Vicente Ferreira unterstrich, die Kirche müsse „an der Seite jener stehen, die am meisten von Katastrophen und Ausbeutung betroffen sind“. Auch Stimmen aus betroffenen Regionen kamen zu Wort. Die indigene Vertreterin Yolanda Flores aus Peru verwies auf die Bedrohung von Lebensräumen durch den Abbau strategischer Rohstoffe. Abholzung und die Zerstörung von Ökosystemen dürften nicht „für Reichtum geopfert werden“.
Sr. Maamalifar Poreku hob den moralischen und theologischen Anspruch hervor: „Alles ist miteinander verbunden.“ Die ökologische Krise sei „untrennbar von ihren sozialen Auswirkungen auf die verletzlichsten Gruppen“. Es gehe um eine „humanitäre Notwendigkeit“ und um Verantwortung für Arme und künftige Generationen. Ohne strukturelle Veränderungen werde sich nichts ändern; auch die Kirche müsse ihre finanziellen Ressourcen nachhaltig einsetzen. Divestment sei eine „konkrete Ausdrucksform dieses Engagements“.
Ökumenisches Projekt
Die Plattform versteht sich als ökumenisches Projekt und will insbesondere die Stimmen aus dem Globalen Süden stärken. Diese fordern die Kirchen im Norden auf, ihre Finanzpraktiken zu ändern und „die Schreie von Mutter Erde und der widerständigen Gemeinschaften“ ernst zu nehmen. Langfristig zielt die Initiative auf verbindliche ethische Standards für kirchliche Finanzentscheidungen ab, um die „Sorge für das gemeinsame Haus“ glaubwürdig umzusetzen, heißt es.
Quellen: kathpress; Vatican News