Frauen.Führen.Kirche: Neues Netzwerk stärkt Frauen in kirchlichen Leitungspositionen

Regina Petrik, Maria Habersack und Gabriele Eder-Cakl (v.l.) gaben bei einem Pressegespräch am 20. März 2026 Einblick in die Ziele und Hintergründe des Netzwerks „Frauen.Führen.Kirche“. (c) Elisabeth Mayr-Wimmer
„Unser Netzwerk verbindet Führungs-Expertinnen, die durch ihre Aufgaben im kirchlichen Umfeld mit spezifischen Herausforderungen konfrontiert sind“, erklärt Regina Petrik, Generalsekretärin der Katholischen Aktion Österreich (KAÖ). „Durch persönlichen und fachlichen Austausch sowie Netzwerkveranstaltungen wollen wir Frauen darin bestärken, Führungspositionen zu übernehmen, ihr Potenzial zu entfalten und ihre Expertise sichtbar zu machen.“
Das Netzwerk versteht sich bewusst als offene Struktur. „Wir nennen uns nicht nur Netzwerk – wir funktionieren auch wie ein Netz“, sagt Petrik. „Es gibt keine fixen Hierarchien. Alle sind miteinander verbunden und wir setzen auf die Kraft der Vielen.“
Frauen prägen Kirche – aber selten die Leitung
Dass Frauen das kirchliche Leben maßgeblich tragen, steht für die Initiatorinnen außer Frage. „Ja, die Kirche ist weiblich“, sagt Gabriele Eder-Cakl, Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts. „Das zeigt sich deutlich in vielen Bereichen des kirchlichen Lebens – etwa in Bildung, Pflege, Ehrenamt oder bei den Gottesdienstbesucherinnen.“

„Wir nennen uns nicht nur Netzwerk – wir funktionieren auch wie ein Netz“, betonte Regina Petrik beim Pressegespräch. (c) Elisabeth Mayr-Wimmer
Gleichzeitig sei die Gleichberechtigung von Frauen und Männern auf allen Ebenen der Kirche noch nicht erreicht. Das Ziel der Österreichischen Bischofskonferenz, bis 2028 zumindest ein Drittel der Leitungsfunktionen mit Frauen zu besetzen, ist noch nicht erreicht. Gleichzeitig gibt es auch positive Entwicklungen. In der Österreichischen Ordenskonferenz ist die Führung derzeit weiblich: Vorsitzende ist Generalpriorin Sr. Franziska Madl, Sr. Christine Rod ist Generalsekretärin und alle Fachbereiche werden von Frauen geleitet.
Frauen im Vatikan
Deutliche Signale kommen auch aus dem Vatikan, wo Frauen in letzter Zeit in höchste Leitungsämter berufen wurden. „Auch im Schlussbericht der Studiengruppe 5 des synodalen Prozesses, der erst kürzlich veröffentlicht wurde, findet sich der klare Auftrag an die Weltkirche, Frauen verstärkt in Leitungspositionen zu holen“, erklärt Eder-Cakl.
„Mit Frauen.Führen.Kirche nehmen wir diesen Auftrag der Weltsynode ernst und beginnen konkret mit der Förderung von Frauen als Führungskräfte in der Kirche in Österreich“, bekräftigt sie.
Strukturelle Hürden für Frauen
Laut Statistik Austria (2023) sind nur rund ein Drittel der Führungspositionen in Österreich mit Frauen besetzt. In Vorständen liegt der Anteil sogar nur bei 12,7 Prozent (Arbeiterkammer, 2025). „Es gibt so viele hervorragend ausgebildete Frauen wie noch nie zuvor“, betont Maria Habersack, Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs. „Die Frage ist daher nicht, ob Frauen qualifiziert sind, sondern welche Strukturen ihren Weg in Führungspositionen noch immer erschweren.“

„Wenn in den oberen Ebenen nur wenige Frauen präsent sind, fehlen wichtige Vorbilder und Mentorinnen“, sagte Maria Habersack. (c) Elisabeth Mayr-Wimmer
Zu diesen strukturellen Hürden zählen laut Habersack etwa die „gläserne Decke“, also unsichtbare Barrieren im beruflichen Aufstieg, weiterhin verbreitete Stereotype über Führung sowie Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Wenn in den oberen Ebenen nur wenige Frauen präsent sind, fehlen wichtige Vorbilder und Mentorinnen.“
Genau hier setzt das neu gegründete Netzwerk an. Ziel ist es, Frauen zu vernetzen, gegenseitige Unterstützung zu stärken und Räume für Austausch, Mentoring und Sichtbarkeit zu schaffen. „Wir wollen Frauen ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Kompetenzen sichtbar zu machen“, betont Maria Habersack. „Netzwerke schaffen Vertrauen, eröffnen neue Perspektiven und stärken Frauen darin, Führungsaufgaben zu übernehmen.“
Gleichwertigkeit auch bei kirchlichen Ämtern
Für Eder-Cakl geht die Frage der Gleichberechtigung in der Kirche jedoch noch weiter. „Es geht um Gleichwertigkeit und nicht um Privilegien“, betont sie. „Und das betrifft auch die Frage nach der Möglichkeit der sakramentalen Weihe zu Diakonin, Priesterin und Bischöfin.“

„Es geht um Gleichwertigkeit und nicht um Privilegien“, erklärte Gabriele Eder-Cakl. (c) Elisabeth Mayr-Wimmer
Unter den weltweit rund 1,4 Milliarden Katholikinnen und Katholiken sind etwa 700 Millionen Frauen. „700 Millionen Katholikinnen können nichts dafür, dass sie als Frauen geboren wurden“, sagt Eder-Cakl. „Sie sind genauso getauft und berufen, die Liebe Christi weiterzugeben. Deshalb brauchen Frauen als Getaufte auch die sakramentale Bestärkung für ihr Tun – also: sieben Sakramente für alle.“
Über Frauen.Führen.Kirche
Frauen.Führen.Kirche ist ein neu gegründetes Netzwerk von und für Frauen in kirchlichen Führungspositionen in Österreich. Es verbindet Expertinnen aus unterschiedlichen Bereichen des kirchlichen Umfelds. Durch persönlichen und fachlichen Austausch sowie gezielte Netzwerkveranstaltungen stärkt das Netzwerk die Sichtbarkeit und das öffentliche Bild von Frauen in der Kirche. Ziel ist es, Frauen zu ermutigen, Führungsverantwortung zu übernehmen, ihr Potenzial zu entfalten und ihre Expertise selbstbewusst einzubringen. www.frauenführenkirche.at
Initiatorinnen des Netzwerks: Gabriele Eder-Cakl (Direktorin des Österreichischen Pastoralinstituts), Maria Habersack (Vorstandsvorsitzende der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs), Renate Magerl (Bereichsleiterin Kommunikation der Österreichischen Ordenskonferenz), Karin Mayer (Bereichsleiterin Kultur der Österreichischen Ordenskonferenz), Martha Mikulka (Geschäftsführerin der Vereinigung von Ordensschulen Österreichs), Regina Petrik (Generalsekretärin der Katholischen Aktion Österreich), Christine Rod MC (Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz)