Salzburgs vergessene Ordensfrauen

Der hl. Benedikt und die hl. Erentrudis stützen eine kranke Chorfrau in einer Apotheke im Stift Nonnberg. (c) Josef Kral
In einem eindrucksvollen Fensterpfad an der Hofstallgasse werden Texte und Illustrationen präsentiert, die das Wirken jener Frauen sichtbar machen, die Bildung ermöglichten, Kranke pflegten, Musik schufen, schrieben, organisierten, gründeten – und Widerstand leisteten.
Starke Frauen, starke Geschichte
Im Mittelpunkt stehen außergewöhnliche Lebensgeschichten – von der Frühzeit bis ins 20. Jahrhundert. Den Auftakt bildet die heilige Erentrudis (um 663–718), erste Äbtissin des Stifts Nonnberg, des ältesten durchgehend bestehenden Frauenklosters im deutschen Sprachraum. Als Wegbereiterin von Mädchenbildung und Armenfürsorge wurde sie zur geistlichen Mutter Salzburgs und später sogar zur Landesmutter erhoben.
Mut bewies auch Cordula Mundtenhaimer, die sich gegen die Auflösung ihres Klosters stellte, bevor sie selbst Äbtissin wurde und das Stift Nonnberg organisatorisch stärkte. Führungskraft und Reformgeist verkörperte Eva Maria Fleisch von Lerchenberg, die trotz überraschender Wahl zur Äbtissin die Finanzen sanierte und das Kloster durch Krisenzeiten führte.

Die Salzburger Ursulinenkirche und -kloster um 1735. (c) UBS
Bildung, Musik und Literatur
Viele der porträtierten Frauen waren Pionierinnen der Bildung und Kultur. Die Organistin Sidonia Enthaller begründete die bis heute bedeutende Musiktradition des Nonnbergs. Anna Maria Pfister galt als herausragende Komponistin, deren Werk selbst männliche Kollegen übertraf.
Maria Franziska Theresia Meichel hinterließ mit ihrem „Geistlichen Binnen-Stöcklein“ ein bemerkenswertes literarisches Zeugnis weiblicher Gelehrsamkeit. Und Maria Augustina Gräfin Nádasdy legte mit der Gründung der Salzburger Ursulinen das Fundament für eine nachhaltige Mädchenbildung in der Stadt.
Pflege, Fürsorge und soziale Verantwortung
Krankenpflege hatte in den Salzburger Frauenklöstern stets hohen Stellenwert. In den Apotheken des Stifts Nonnberg versorgten Nonnen Bedürftige mit Heilmitteln und medizinischer Expertise.

Sr. Manfreda Grausgruber (1878–1967) war als „Engel von Salzburg“ bekannt. (c) Archiv der Kreuzschwestern
Im 19. Jahrhundert baute Maria Ambrosia Preisinger den Orden der Barmherzigen Schwestern in Salzburg maßgeblich auf und etablierte Kranken- und Versorgungseinrichtungen in Stadt und Land. Schwester Manfreda Grausgruber, bekannt als „Engel von Salzburg“, organisierte Hilfe für Studierende, Arme und Flüchtlinge.
Widerstand und Zivilcourage
Auch dunkle Kapitel der Geschichte spiegeln sich in den Lebenswegen dieser Frauen.
Anna Bertha Königsegg widersetzte sich mutig der nationalsozialistischen „Rassenhygiene“ und verbot ihren Mitschwestern jede Beteiligung an Zwangsmaßnahmen. Leonilla Baumgartner kam 1944 bei einem Luftangriff ums Leben, während sie eine Patientin pflegte.
Die Philosophin und spätere Karmelitin Edith Stein, die 1930 in Salzburg einen vielbeachteten Vortrag hielt, wurde 1942 in Auschwitz ermordet und 1998 heiliggesprochen. Heute erinnern das Edith-Stein-Haus und die Kirchliche Pädagogische Hochschule in Salzburg an ihr Wirken.
Geschichte neu entdecken
Die Ausstellung macht deutlich: Die Geschichte Salzburgs ist ohne das Wirken dieser Frauen nicht denkbar. Ihre Lebenswege erzählen von Bildung und Barmherzigkeit, von Führungskraft und Frömmigkeit, von Mut, Kreativität und Widerstandskraft.
Anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März lädt die Universitätsbibliothek Salzburg bis 7. April 2027 dazu ein, diese oft übersehenen Kapitel regionaler Geschichte neu zu entdecken – und den „stillen Heldinnen“ der Stadt die Aufmerksamkeit zu schenken.
Quelle: Christoph Brandhuber