Sr. Ida Vorel: „Müssen auch auf Social Media präsent sein“

Sr. Ida Vorel hat auf TikTok mittlerweile mehr als 43.700 Follower. (c) TikTok/Canva
„@sr.ida“ beantwortet via TikTok etwa Fragen wie: Dürfen Ordensschwestern Red Bull oder Alkohol trinken? Und darf man überhaupt fortgehen, wenn man im Kloster lebt? Die Kurzvideos hat die Ordensfrau im Juni 2025 gestartet. Sie sei überrascht gewesen, wie gut ihre kurzen Videos aufgenommen wurden. Waren es nach dem ersten TikTok-Auftritt noch gut 30 Follower, ging bereits das zweite Video viral. Seitdem produziere sie fast täglich ein Video. Stand Anfang März 2026 zählt sie rund 43.700 Follower. „Ich bin mit Social Media aufgewachsen“, sagte die 32-jährige Ordensfrau auf die Frage, wieso sie von Beginn an keine Berührungsängste gegenüber TikTok hatte.
„Social Media ist ein Lebensraum und deswegen müssen wir dort präsent sein.“ Pro Tag investiere sie etwa 20 Minuten in ihren TikTok-Kanal, wobei die Videos normalerweise zwischen zwei und drei Minuten dauern, erklärte die Franziskanerin. Mit den kurzen Videos wolle sie beweisen, dass Ordensfrauen „normal“ sind und das Ordensleben eine lebbare Option sei, auch für junge Frauen. Sr. Ida Vorel: „Ich will ein realistisches Bild von unserer Lebensform vermitteln.“ Oftmals herrsche das Bild vor, dass Ordensfrauen weltfremd seien, eingeschränkt oder gar unfrei leben würden. Dem hält sie entgegen: „Wir sind Frauen, die ihre Kraft aus Gott schöpfen und die selbstbestimmt und selbstständig sind.“
Fragen zu Verboten
Auffällig sei, dass sich die meisten Fragen ihrer Follower beim Klostertalk um Verbote drehen. Sie selbst sehe ihr Leben jedoch viel weniger mit Verboten und Restriktionen verbunden. „Es geht für mich darum, zu sehen, was ich für meinen Lebensweg brauche.“ Sie wolle den Menschen dabei aber nicht erzählen, „dass mein Weg der einzig richtige ist. Ich kritisiere das bei manch anderen christlichen Influencern, dass die viel mit der Moralkeule unterwegs sind.“
Ihr Ziel sei, Menschen ohne Zwang für den Glauben zu interessieren, erklärt Sr. Ida Vorel. „Es ist schön, wenn ich merke, dass sich meine Follower wieder mit Glaubensfragen beschäftigen.“ So hätte sie nie gedacht, dass sie einmal ein Video mache, wie man Rosenkranz betet. „Also ich glaube, wenn ich ein Konzept gemacht hätte, das wäre nicht vorgekommen. Ich habe es aber gemacht, weil die Leute es sich gewünscht haben, und ich habe viele positive Rückmeldungen bekommen, dass das endlich jemand verständlich erklärt.“
Hass und Häme im Netz
Obwohl die Franziskanerin den respektvollen Austausch mit ihrer Community schätzt, bleibe sie von Hass und Häme im Netz nicht verschont. Abwertende Kommentare bekomme sie besonders aufgrund ihrer freiwilligen Ehelosigkeit und sexuellen Enthaltsamkeit. „Eine Frau, die aus eigenem Willen ehelos und sexuell enthaltsam lebt, ist für manche Männer eine Bedrohung. Da denke ich mir: Leute, ihr habt richtig große Probleme, aber ich bin es nicht“, erklärte Sr. Ida Vorel, die auch das Quartier16 der Franziskanerinnen von Vöcklabruck für Frauen in schwierigen Lebenssituationen leitet.
Statt solche Angriffe zu ignorieren, greife sie manche der untergriffigen Kommentare in ihren Videos auf und ordne sie sachlich ein. Wenn die Ordensschwestern pauschal als unsportlich abgestempelt werden, spreche sie etwa offen über Bodyshaming. Und wenn Hasskommentare gezielt verletzen sollen, benenne sie diese klar als eine Form von Gewalt gegenüber Frauen. „Natürlich kann ich mich ärgern, ich kann aber auch die blöden Kommentare für etwas Positives nutzen“, sagt Sr. Ida Vorel.
Quelle: kathpress