Das Fastentuch von Bartolomeo Altomonte im Linzer Karmelitenkloster

UV-Aufnahme des Fastentuches. (c) Bundesdenkmalamt, Fotoarchiv, Irene Hofer
Ein unerwarteter Fund
Im Frühjahr 2020, während des ersten Corona-Lockdowns, nutzte der Konvent der Karmeliten diese Zeit, um Ordnungsarbeiten an seinen Beständen vorzunehmen. Dabei stieß der damalige Prior P. Paul Saji Bavakkat auf einen umfassenden, bislang nicht erfassten Gemäldebestand und wandte sich für eine fachliche Beratung an die Kulturabteilung der Österreichischen Ordenskonferenz. Deren Leiterin und Konservatorin Karin Mayer entdeckte in einem Depotraum des Klosters ein aufgerolltes, unscheinbares Tuch. Erst beim Ausbreiten zeigte sich seine außergewöhnliche Bedeutung: ein rund vier mal zwei Meter großes barockes Fastentuch, signiert und datiert 1782 von Bartolomeo Altomonte – ein bis dahin unbekanntes und einzigartiges Werk dieses bedeutenden Künstlers.

Der Linzer Karmelitenkonvent bei seinem Besuch in den Werkstätten im Sommer 2025, um die laufenden Restaurierungsarbeiten zu besichtigen. (c) ÖOK
Altomontes einziges Fastentuch
Das Fastentuch zählt zu den Spätwerken Altomontes, der ein Jahr später starb, und ist bislang das einzige bekannte Fastentuch aus seiner Hand. Archivquellen im Kloster belegen Zahlungen an den Künstler im Jahr 1782, auch wenn über die konkrete historische Verwendung des Tuchs keine weiteren Zeugnisse erhalten sind. Damit wird deutlich, betont Karin Mayer: „Ordensarchive und -sammlungen sind oft die einzigen Orte, an denen solche Zusammenhänge noch rekonstruiert werden können.“
Inhaltlich zeigt das Werk die Ölbergszene in einer eindringlichen, zutiefst menschlichen Bildsprache. Müdigkeit, Zweifel und Leid prägen die Jünger im unteren Bildbereich, während sich darüber ein lichter Raum öffnet, in dem Engel und göttliches Licht Hoffnung und Verheißung symbolisieren. Altomontes fein abgestufte Lichtführung lenkt den Blick vom Dunkel ins Helle und entspricht damit der spirituellen Tradition des Karmelitenordens: Das Fastentuch wird zur Einladung zur inneren Sammlung und zum stillen Gebet.

Zwei Jahre lang arbeiteten die beiden Restauratorinnen Katharina Kohler und Brigitte Futscher an der Restaurierung des Fastentuchs in den Werkstätten des Bundesdenkmalamts in Wien. Fachliche Aufsicht hatte Jessica Roßmann. (c) Bundesdenkmalamt, Fotoarchiv, Petra Laubenstein
Fastentücher und ihre Funktion
Fastentücher haben im klösterlichen Leben eine lange Tradition. Seit dem Mittelalter dienen sie in der Fastenzeit auch der bewussten Reduktion des Bildraums im Kirchenraum, um den Fokus auf das Wort Gottes zu lenken. Dass ein derart qualitätvolles barockes Fastentuch bis in die Gegenwart im Besitz des Ordens erhalten geblieben ist, unterstreicht die langfristige Verantwortung klösterlicher Gemeinschaften für ihr geistliches und kulturelles Erbe.

Auszug aus dem Rechnungsbuch: Altomonte erhielt hier einen Ratenbetrag von 50 Gulden. (c) Karmelitenarchiv Linz / Martina Lehner
Gleichzeitig zeigt die Geschichte des Tuchs auch die Verletzlichkeit dieses Erbes. Jahrzehntelange Lagerung, mechanische Belastungen durch Aufrollen sowie frühere Sicherungsmaßnahmen hatten dem Werk erheblich zugesetzt. Der Konvent stellte sich dieser Herausforderung bewusst und entschied sich, das Fastentuch umfassend restaurieren zu lassen – ein Schritt, der Mut, Weitblick und erhebliche finanzielle Eigenleistung erforderte. Unterstützt wurde das Projekt vom Land Oberösterreich und vom Bundesdenkmalamt.

Feinarbeit bei der Restaurierung. (c) Bundesdenkmalamt, Fotoarchiv, Irene Hofer
Restaurierung legte Bild frei
Die Restaurierung in den Werkstätten des Bundesdenkmalamts in Wien machte es möglich, die ursprüngliche Malschicht Altomontes wieder freizulegen. Frühere Eingriffe wurden rückgängig gemacht, Risse geschlossen und eine neue, sichere Aufhängung geschaffen. Während dieser Zeit suchte der Konvent aktiv den Austausch mit den Restauratorinnen und Fachverantwortlichen, unter anderem bei einem Besuch der Werkstätten in Wien. Dieser Prozess war Teil einer bewussten Auseinandersetzung mit dem eigenen kulturellen Erbe.

Ab Aschermittwoch ist das Fastentuch in der Linzer Karmelitenkirche zu sehen. (c) ÖOK
Für den heutigen Prior, P. Benno Skala, ist die Rückkehr des Werks in den Kirchenraum ein besonderes Ereignis: „Nach umfassender Restaurierung ist das Fastentuch wieder Teil unseres Kirchenraums. Wir sind dankbar, dass dieses bedeutende geistliche und kulturelle Erbe erhalten werden konnte.“

Barocker Fund: Das Fastentuch lagerte vergessen auf einem Kasten. Dass es sich um ein wertvolles Stück handelte, erfuhr man erst später. (c) ÖOK / Karin Mayer
Rückkehr in den Kirchenraum
Nach Jahrzehnten des Vergessens kehrt das Fastentuch nun sichtbar in den liturgischen Alltag des Ordens zurück. Ab Aschermittwoch, 18. Februar 2026, ist es während der 40 Tage der Fastenzeit in der Karmelitenkirche in Linz zu sehen, bevor es anschließend wieder sorgsam im Konvent aufbewahrt wird – nicht als museales Objekt, sondern als lebendiger Bestandteil klösterlicher Identität.

P. Paul Saji bei der ersten Betrachtung des Fastentuches nach dem Fund. (c) ÖOK / Karin Mayer
Geschichte bewahren - Zukunft ermöglichen
Wie eng Geschichte, Verantwortung und Zukunft hier miteinander verbunden sind, fasst Karin Mayer zusammen: „Dieses Fastentuch ist Teil der Geschichte und Identität des Karmelitenordens in Linz. Dass es wieder sichtbar ist, verdanken wir der Bereitschaft des Konvents, Verantwortung für sein kulturelles Erbe zu übernehmen, sich mit seiner eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und dieses Erbe auch für kommende Generationen zu bewahren. Für die vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit bei diesem Projekt bin ich sehr dankbar.“