Zwei Bibliotheken des Servitenordens für die Zukunft gesichert
Bibliotheksleiterin Eva Ramminger dankte Provinzial P. Anthony Raj OSM und Prior Fr. Fero Bachorik OSM für die Überlassung der beiden Sammlungen aus den Konventen Innsbruck und Volders. (c) ULB Tirol
Die beiden Klosterbibliotheken sind Ausdruck einer lebendigen Ordenskultur, in der Studium, Predigt und Seelsorge stets eng mit schriftlicher Überlieferung verbunden waren. Die systematische Anlage der Bibliotheken, ihre thematische Breite sowie die Vielzahl an Vorbesitzern verweisen auf den intensiven Austausch des Servitenordens mit kirchlichen, akademischen und gesellschaftlichen Netzwerken. Damit sind die Bestände nicht nur Quellen der Ordensgeschichte, sondern auch Spiegel frühneuzeitlicher Wissens- und Frömmigkeitskultur.
Die Bibliothek des Servitenkonvents Innsbruck
Die historische Bibliothek des Servitenkonvents Innsbruck geht auf die Stiftung des Konvents im Jahr 1611 zurück. Von Beginn an als geistige Grundlage des klösterlichen Lebens gedacht, wurde sie insbesondere im 17. und 18. Jahrhundert durch Legate von geistlichen und weltlichen Förderern kontinuierlich erweitert. Die Sammlung dokumentiert die Rolle des Innsbrucker Konvents als Ort theologischer Reflexion, gelehrter Auseinandersetzung und pastoraler Praxis.

Naturnahes Aquarell „Nashornkuh von Madrid“ aus den Beständen der Innsbrucker Servitenbibliothek. (c) ULB Tirol
Der Bestand umfasst eine umfangreiche Druckschriftensammlung mit mehr als 200 Inkunabeln sowie rund 500 Handschriften aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Diese reichen von theologischen und spirituellen Texten über Predigtliteratur und Ordensrecht bis hin zu Werken aus Philosophie, Geschichte und den Naturwissenschaften. In ihrer Dichte und Geschlossenheit stellt die Bibliothek ein herausragendes Zeugnis servitischer Gelehrsamkeit dar.
Die Bibliothek des Servitenkonvents Innsbruck befand sich bereits seit 2008 als Dauerleihgabe an der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol (ULB Tirol). Mit Dezember 2025 wurde diese Leihgabe in eine Schenkung an die ULB Tirol überführt und damit dauerhaft in deren Bestand übernommen.
Die Bibliothek des Servitenkonvents Volders
Die historische Bibliothek des Servitenkonvents Volders ist eng mit der Geschichte des Klosters verbunden, das Ende des 17. Jahrhunderts neben der Kirche zu Ehren des hl. Karl Borromäus errichtet wurde. Ihre Bestände spiegeln das geistige Profil eines frühneuzeitlichen Ordenskonvents wider, in dem Seelsorge, Bildung und wissenschaftliche Auseinandersetzung untrennbar miteinander verbunden waren.

Der zeitliche Schwerpunkt der Sammlung in der Bibliothek des Servitenkonvents Volders liegt im 18. Jahrhundert, ergänzt durch Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie aus späterer Zeit. (c) ÖOK/km
Der zeitliche Schwerpunkt der Sammlung liegt im 18. Jahrhundert, ergänzt durch Werke aus dem 16. und 17. Jahrhundert sowie aus späterer Zeit. Neben theologischer Literatur finden sich Schriften aus Rechtswissenschaft, Geschichte, Medizin, Philologie und Belletristik. Besonders aussagekräftig für die Ordensgeschichte sind die zahlreichen Vorprovenienzen, darunter das Legat des Servitenpaters Caspar Maria Künigl (1699–1770), die Rückschlüsse auf persönliche Lektüregewohnheiten, Bildungswege und geistige Netzwerke innerhalb des Ordens erlauben. Die Bibliothek des Servitenkonvents St. Karl in Volders wurde nach der Auflassung der dortigen Ordensniederlassung 2025 übernommen.
Erschließung und Digitalisierung
Die Schenkungen erfolgten aus dem Wunsch des Servitenordens nach fachgerechter Betreuung, optimalen konservatorischen Bedingungen und dauerhafter Zugänglichkeit für Forschung und Öffentlichkeit. Dazu trägt das vom Kunst- und Kulturministerium geförderte Projekt „Kulturerbe digital“ (2024-2026) bei, in dessen Rahmen die Handschriften in Kooperation mit dem Institut für Klassische Philologie und Neulateinische Studien der Universität Innsbruck sowie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften inhaltlich erschlossen und digitalisiert werden.
ULB-Leiterin Eva Ramminger dankte den Vertretern des Ordens, Provinzial P. Anthony Raj und Prior Fr. Fero Bachorik, für die großzügige Überlassung der Sammlungen und betonte, dass damit das Profil der Universitäts- und Landesbibliothek Tirol als eine „zentrale Gedächtnisinstitution des Landes“ weiter gestärkt werde. Die Bestände gelten als bedeutende Zeugnisse des historischen Wirkens des Ordens in der Region und als wertvolles schriftliches Kulturgut. Die Sammlungen seien „herausragend“ und würden „durch ihren Umfang, ihre thematische Vielfalt und zahlreiche qualitätsvolle Werke bestechen“, erklärte Ramminger.
Quellen: Karin Mayer (Bereichsleiterin Kultur und Dokumentation), kathpress