Kultur & Dokumentation

Zwischen Aufbruch und Ungewissheit

Im Rahmen des 13. Internationalen Kongresses zur Erforschung des 18. Jahrhunderts (Graz im Juli 2011) fand eine Sektion zu Frauenklöstern im „langen“ 18. Jahrhundert statt, deren Ergebnisse nun als Tagungsband vorliegen. Im Laufe des vergangenen Jahrzehnts entstanden in Deutschland, Österreich, Tschechien und Polen eine Reihe von Studien zu einzelnen Nonnenkonventen, dennoch zählen frühneuzeitliche Frauenklöster zu den bis dato noch wenig bearbeiteten Feldern der Geschichtsforschung. Der thematische Schwerpunkt und der „rote Faden“ der Beiträge sind die „Durchlässigkeit“ der Klausur und damit die gemeinschaftliche Frömmigkeitspraxis von geistlichen und weltlichen Frauen.

Inhalt:

  • Veronika Capská: Between Revival and Uncertainty – Female Religious Life in Central Europe in the Long Eighteenth Century
  • Jan Zdichynec: Quia sic fert consuetudo? Die Klausur in den Zisterzienserinnenklöstern der Frühen Neuzeit: Vorschriften, Wahrnehmung und Praxis
  • Janine Christina Maegraith: Klosterapotheken und ländliche Armenfürsorge am Beispiel südwestdeutscher Frauenklöster
  • Olga Miriam Przybylowicz: Stabilisation and Continuity. The Nunnery of the Order of St. Clare in Stary Sacz from the Visitation of Cardinal Jerzy Radziwill (1599) to the Reformation of Bishop Kajetan Soltyk (1763)
  • Christine Schneider: Die Auswirkungen der josephinischen Klosteraufhebungen auf den Wiener Ursulinenkonvent
  • Ellinor Forster: Die Aufhebung der Tiroler Damenstifte am Ende des 18. Jahrhunderts im Kontext des veränderten Umgangs mit Adelsprivilegien
  • Christine Tropper: Die Entwicklung des Konventes des Benediktinerinnenstiftes St. Georgen am Längsee im 18. Jahrhundert
  • Ingrid Facchinelli: „Von Motiven und Bewögnus Ursachen zu Erbauung eines Closters“. Von der Gründung zur Abteierhebung von Kloster Säben (1686–1699)
  • Christine M. Gigler: „[…] miteinander in geistlichen Ordensüebungen, dan Unterrichtung der unschuldigen Mägdlein und Verferttigung der Kürchen Arbeithen gottseelig zu leben […]“. Die Entstehung und innere Organisation der Kongregation der Halleiner Schwestern-Franziskanerinnen im 18. Jahrhundert
  • Stefan Benz: Geschichtsschreibung der Frauenklöster Zentraleuropas im 18. Jahrhundert
  • Teresa Schröder: Zwischen Chorgesang und Kartenspiel – Lebensführung und Herrschaftspraxis in Kloster und Stift

Zwischen Aufbruch und Ungewissheit. Klösterliche und weltliche Frauengemeinschaften in Zentraleuropa im „langen“ 18. Jahrhundert / Between Revival and Uncertainty. Monastic and Secular Female Communities in Central Europe in the Long Eighteenth Century, hrsg. von Veronika Capská / Ellinor Forster / Janine Christina / Maegraith / Christine Schneider (Opava: European Social Fund 2012) , ISBN 978-80-7248-786-8.

Buchraub in Salzburg

Die Universitätsbibliothek Salzburg hat begonnen, sich näher mit der Herkunft ihres Buchbestands zu beschäftigen und dabei festgestellt, dass etliche Bücher von den Nazis zwischen 1938 und 1945 aus katholischen Bibliotheken geraubt worden waren. Einige der identifizierten Bücher wurden an die Stiftsbibliotheken von Michaelbeuern und von St. Peter restituiert. Weitere Ergebnisse der Salzburger Provenienzforschung sind nachzulesen in der Publikation „Buchraub in Salzburg“, die am 16.10.2012 erschienen ist.

Buchraub in Salzburg, hg. von Ursula Schachl-Raber, Helga Embacher u.a. (2012), ISBN: 978-3-99014-061-1, EUR 24,90.

In Sachen Provenienzforschung und Restitution klösterlicher Kulturgüter dürfte noch einiges aufzuarbeiten sein. Wer sich mit dem Thema näher befassen will, dem sei folgende Literatur empfohlen:

  • Irene Brandhauer-Schöffmann, Entzug und Restitution im Bereich der Katholischen Kirche (Veröffentlichungen der Österreichischen Historikerkommission. Vermögensentzug während der NS-Zeit sowie Rückstellungen und Entschädigungen seit 1945 in Österreich 22/1, Wien-München 2004).
  • Österreichs Archive unter dem Hakenkreuz, hrsg. von der Generaldirektion des Österreichischen Staatsarchivs (Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 54, Innsbruck-Wien u.a. 2010).

Neues aus der Zisterzienserforschung

Wer sich über die sehr reichhaltige Forschung über den Orden der Zisterzienser auf dem Laufenden halten will, dem sei der Blog EUCist News empfohlen. Hier erfährt man Neuigkeiten aus aller Welt über Literatur zur Geschichte der Zisterzienser, über Fachtagungen und Jubiläen von Zisterzienserklöstern, über Seligsprechungen von Zisterziensern und über manche archivalische Rarität aus dem Stiftsarchiv von Heiligenkreuz. Denn der Blog wird vom dortigen Stiftsarchivar P. Alkuin Schachenmayr betreut, der auch dem Europainstitut für Cistercienser- forschung (EUCist) an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz vorsteht.

Das Institut organisiert regelmäßig Veranstaltungen zur Geschichte der Zisterzienser. Die nächste Tagung ist von  28.2. bis 2.3.2013 in Stift Heiligenkreuz und wird sich dem Thema des monastischen Gewands in Männer- wie Frauenklöstern widmen. Vorschläge für Referate können noch bis 15.1.2013 eingesandt werden. Lesen Sie hier mehr.

Der EUCist-Blog ist vernetzt mit dem Online-Zisterzienserlexikon, welches ein umfangreiches und nützliches biographisches Nachschlagewerk für bedeutende Angehörige des Ordens der älteren und neueren Geschichte ist.

Pius XI. und Österreich

Ein österreichisches Forschungsprojekt wertet die seit wenigen Jahren zugänglich gewordenen Quellenbestände des vatikanischen Geheim- archivs zum Pontifikat Pius XI. (1922–1939) mit Bezug auf Österreich aus. Die österreichischen Diözesanarchive bereiten im Rahmen dieses Projekts die bischöflichen Quinquennalrelationen zur Edition vor.

Das Projektteam, in dem auch der Wiener Diözesanarchivar Dr. Johann Weißensteiner mitarbeitet, veranstaltete am 22./23. November 2012 eine internationale Tagung im Hauptgebäude der Universität Wien, die sich unter dem Titel „Pius XI. und Österreich“ mit den Fragen einer „römischen Kirchenleitung im Schatten der Diktatoren“ beschäftigt hat. Die insgesamt 18 kirchenhistorischen Vorträge haben sich im besonderen dem Verhältnis zwischen Kurie, Ortskirche und Politik in Österreich und in den „kleinen katholischen Nationen Europas“ gewidmet. Im Eröffnungsvortrag stellte Johan Ickx vom Archiv der Kongregation Affari ecclesiastici straodinarii die vatikanischen Archivalien zum Pontifikat Pius XI. vor.
Weitere Informationen zum Forschungsprojekt finden Sie auf der Website des Projekts unter http://piusxi.univie.ac.at.

Kirchenlehrerin Hildegard

Am Sonntag, den 7. Oktober 2012, wurde die Heilige Hildegard von Bingen (1098–1179) zur Kirchenlehrerin erhoben. Die Anerkennung eines Theologen und Heiligen als Kirchenlehrer, womit nicht nur die Heraushebung seines Festtags im liturgischen Kalender verbunden ist, sondern auch die Vorrangigkeit seiner Lehre im theologischen Beweisgang, war die längste Zeit reine Männersache. Erst ab 1970 erfolgte mit der Erhebung der hl. Therese von Avila und der hl. Katharina von Siena, später auch der hl. Therese von Lisieux eine Anerkennung der Theologie, die von Frauen gelehrt wurde. Insgesamt gibt es 31 Kirchenlehrer und 4 Kirchenlehrerinnen.

Hildegards Hauptwerk „Scivias“ („Wisse die Wege“) handelt von der Erlösung Christi und den Gnadenwerken seiner Kirche und ihr „Liber Vitae meritorium“ ist ein Lehrbuch der christlichen Ethik. Ihre Bücher zählen zu den ältesten Schriften der deutschen Mystik. Bekannter sind allerdings ihre medizinischen und naturwissenschaftlichen Arbeiten. Ihre Bücher über das Heilen mit Pflanzen und Steinen inspirierte zahlreiche Gesundheitsratgeber der „Hildegardmedizin“.

Eine Bibliographie der Werke von und über Hildegard von Bingen können Sie hier herunterladen:

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