Kultur & Dokumentation

Neue Archivarin der Kapuziner

Für die Erschließung ihres kulturellen Erbes hat der Orden der Kapuziner eine neue Mitarbeiterin für das Archiv der Provinz Österreich-Südtirol in Innsbruck angestellt. Miriam Trojer ist gebürtige Südtirolerin und hat in Innsbruck und München Geschichte und Historische Hilfswissen- schaften studiert. Sie war bereits in mehreren Projekten wissenschaftlich tätig, zuletzt in der Bestandsaufnahme der epigraphischen Zeugnisse des Mittelalters und der Frühen Neuzeit in Brixen.

davMiriam Trojer im Archiv der Kapuziner (c) Ordensgemeinschaften

Der Kapuzinerorden hat eine reiche, bis in das 16. Jahrhundert zurückgehende Tradition und Geschichte. Das Kloster in Innsbruck wurde von Erzherzog Ferdinand II. gegründet und ist das älteste des Ordens im deutschsprachigen Raum. Die Überlieferung an historischem Schriftgut, aber auch an künstlerischen Werken, ist außergewöhnlich und von hohem Wert für die Frömmigkeitsgeschichte nicht nur Tirols.

 

Deutsche Schriftkunde der Neuzeit

Nach einer knappen Einführung in die Schriftgeschichte, welche sich vom Mittelalter bis zur Moderne erstreckt und auch Bereiche wie (Be)Schreibstoffe und die Verwendung von Zahlen in den Kanzleien behandelt, liefert der Band ein Verzeichnis der Maß- und Münzeinheiten und eine sehr hilfreiche Auflistung der Abkürzungen und Fachausdrücke in der (bayerischen) Kanzleisprache. Anschließend haben die beiden Bearbeiterinnen knapp 70 Schriftbeispiele inklusive Transkriptionen in gut benutzbarer Form aufbereitet. Die Stücke reichen von herrschaftlichen Urkunden über Amtsbucheinträge bis zu privaten Briefen und bilden mit den abschließenden Literaturangaben einen guten Überblick über die deutschsprachigen Schriften der Neuzeit. Die verhältnismäßig aktuelle Handreiche kann als hilfreiches Werk zu den Kurrentschriften der Neuzeit gesehen werden, die lokale Fixierung auf Bayern stört keineswegs, sie darf als stellvertretendes Beispiel deutscher Schriften verstanden werden. 

Deutsche Schriftkunde der Neuzeit. Ein Übungsbuch mit Beispielen aus bayerischen Archiven, bearb. von Elisabeth Noichl und Christa Schmeißer, hrsg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege und dem Bayerischen Landesverein für Familienkunde,  München Danuvia Druckhaus 2006, 160 Seiten, ISBN: 3-921635-94.2. € 49,90.

Alte Schriften lesen lernen

Alte Schriften und damit historische Archivquellen und Handschriften lesen zu können, ist die Grundvoraussetzung für die Arbeit als ArchivarIn und BibliothekarIn. Verschiedene Kursangebote, aber auch Anleitungen zum Selbststudium, richten sich an alle, die das Lesen historischer Schriften erlernen oder üben wollen. Diözesan- und Landesarchive bieten regelmäßig Lesekurse bzw. Kurse für die Benützung des Archivs an. Auch an Volkshochschulen gibt es Lesekurse, Ausbildungslehrgänge für Heimatforschung bieten Landesarchive oder Landesakademien an.

Onlineangebot

Wer sich den alten Schriften im Selbststudium widmen will, hier eine Auswahl der Angebote:

Das wahrscheinlich größte und breiteste Programm bietet Ad fontes, ein Online-Projekt der Universität Zürich. Neben einem umfangreichen Angebot an Transkriptionsübungen vom Frühmittelalter bis ins 20. Jahrhundert werden auch Übungen zur Schriftgeschichte und zu alten Rechnungs- und Maßeinheiten geboten. Die Schriftbeispiele stammen aus dem Stiftsarchiv Einsiedeln. Der Zugang ist kostenlos, alle Übungen finden am PC statt.

Auf geschichte online der Universität Wien können Sie ebenfalls die Kurrentschriften erlernen. Neben einem kurzen Überblick über die Schriftentwicklung wird auch hier ein Kurrentlesekurs angeboten.

Es gibt auch eine Reihe privater Anbieter von Lesekursen im Netz. Auf der Website von Margarethe Mücke gibt es einen Schreiblehrgang Kurrentschrift. Informationen und Leseübungen für die Sütterlinhandschrift bieten www.suetterlinschrift.de und www.genealogy.net. Einen Kurs für lateinische Paläographie des Mittelalters bietet die Virtuelle Hochschule Bayern.

Literatur

Deutsche Schriftkunde der Neuzeit. Ein Übungsbuch mit Beispielen aus bayerischen Archiven, bearb. von Elisabeth Noichl und Christa Schmeißer, hrsg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München 2006. Eine ausführliche Beschreibung finden Sie in der Bücherecke.

Oberösterreichisches Landesarchiv (Hg.), Schriftbeispiele. Handschriften des 15. bis 20. Jahrhunderts, 4. Aufl., Linz 1999.

Der Band des Oberösterreichischen Landesarchivs ist als Hilfestellung für angehende Archivbenutzer und –benutzerinnen gedacht. Nach einer kurzen theoretischen Einführung in die Kurrentschrift werden etwa 30 Beispiele mit danebenstehenden Transkriptionen geboten. Die Beispiele reichen wie im Titel angegeben vom Spätmittelalter bis in das frühe 20. Jahrhundert.

Handbuch für Heimat- und Familienforschung in Niederösterreich: Geschichtsquellen, Hintergründe, Literatur, Methodik, Praxis, hrsg. von Willibald Rosner und Günter Marian, St. Pölten 2008, S. 174-181. Eine ausführliche Beschreibung finden Sie in der Bücherecke.

Abschließend sei noch auf eine von Helga Penz verfasste kurze Zusammenfassung der Deutschen Kanzleischrift ab 1600 verwiesen, die im Anschluss zum Download bereit steht.

Österreichischer Archivtag 2012

Zum 37. Österreichischer Archivtag luden am 24. September 2012 der Verband Österreichischer Archivarinnen und Archivare sowie das Niederösterreichische Landesarchiv nach Krems ein. Noch vor der Eröffnung des Archivtags fand ein Workshop zum Thema Records Management statt. Gerhart Marckhgott, Direktor des Oberösterreichischen Landesarchivs und stellvertretender Vorsitzender des VÖA, leitete das Gespräch, die einzelnen TeilnehmerInnen, Mitglieder des Vorstands und geladene Experten, erläuterten ihr Verständnis des Fachgebiets und ihre Ausgangsposition. Helga Penz erklärte seitens der ARGE Ordensarchive Österreichs, dass sich für Archive die Fragen nach dem Records Management in der Sicherung der Überlieferungsbildung stelle, insbesondere im digitalen Bereich. Denn wenn elektronische Unterlagen ins Archiv übernommen werden, gibt es nicht mehr die klassischen äußeren Merkmale, mit denen die Authentizität dieser Unterlagen nachvollzogen werden kann. Es ist darum umso wichtiger geworden, dass es geordnete und gut geführte Schriftgutverwaltungen gibt. Ordensverwaltungen sind vergleichsweise kleine Verwaltungseinheiten mit Sachbearbeiterablagen an Einzelarbeitsplätzen. In der Beratung dieser Verwaltungen möchte Helga Penz im Ordensarchivbereich mit anderen Einrichtungen zusammenarbeiten, die Ordensgemeinschaften etwa in Wirtschaftsfragen beraten.

In der Runde herrschte eine allgemeine Skepsis, dass es in Österreich abgesehen von den ArchivarInnen Kompetenzen in Records Management gibt. Auch die für Verwaltungsorganisation zuständigen Stellen der großen Gebietskörperschaften decken das nicht ab. Die Österreichischen ArchivarInnen müssen sich selber fit machen, um in jenen Einrichtungen, aus denen sie Archivgut übernehmen, eine geordnete Schriftgutverwaltung sicherzustellen. Es folgte eine Diskussion, ob Schriftgutverwaltung die geeignete Übersetzung von Records Management ist oder dieser Begriff nicht mehr umfasst. Insbesondere sei zu berücksichtigen, dass archivwürdige Überlieferung nicht ausschließlich in der klassischen Form des Aktes stattfindet, und dass es neben dem auf einem Aktenplan aufbauenden Dokumentenmanagementsystem (DMS) auch andere business applications wie SAP gibt. Weiters wurde betont, dass Records Management eine Führungsaufgabe ist, da es wesentlich um Prozessorganisation geht. Zur Frage der weiteren Vorgehensweise erklärte Helga Penz, dass es nützlich wäre, wenn österreichischen ArchivarInnen eine Handreichung zur Verfügung gestellt werden könnte, welche ihnen, basierend auf den bestehenden Standards (ISO 15489, MoRequ2010), eine Grundlage für die Beratung ihrer Verwaltungen bietet. Der Vorschlag zur Erstellung einer solchen Handreichung stieß auf allgemeine Zustimmung und wird auf die Tagesordnung der nächsten Vorstandssitzung gesetzt.

Nach der Eröffnung des Archivtags –  unter anderem durch den Gastgeber, den Direktor des Niederösterreichischen Landesarchivs Willibald Rosner – hielt Martin Scheutz, Universitätsprofessor am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, den Eröffnungsvortrag zum Thema „Der Wert der archivalischen Geschichtsquellen – aktuell oder doch nicht?“
Martin Scheutz spannte einen weiten Bogen über den Wert archivalischer Quellen von der fast schon ikonenhaften, auratischen Funktion, den ein historischer Text einnehmen kann – er nannte dazu das Monument von Vard? in Norwegen, welches mit Originaldokumenten an die Hexenverbrennungen erinnert -  bis zur praktischen Funktion als Unterrichts- und Anschauungsmaterial für Studierende, die Scheutz in Forschungsseminaren, die er in Archiven abhält, an die Quellenarbeit heranführt. Als Beispiel brachte der Referent das Stadtarchiv Zwettl, wo der dortige Archivar Friedel Moll in einer engagierten Initiative die Ratsprotokolle der Stadt transkribierte und im Netz zur Verfügung stellte. Daraus entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit Lehrenden der Universität Wien, die in Seminaren mit den Studierenden die Zwettler Quellen weiter bearbeiteten und woraus schon einige Publikationen hervorgegangen sind. Der Wert einer Schriftquelle von lokaler Bedeutung konnte dadurch einen neuen Stellenwert bekommen und überregional eine Rolle in der vergleichenden Forschung spielen. Quellen, insbesonders die weniger bekannten Archivaliengattungen, werden auch durch Editionen aufgewertet. Scheutz stellte dazu die Editionsreihe Quelleneditionen des Instituts Österreichische Geschichtsforschung (QIÖG) vor.

Eva Blimlinger, Rektorin der Akademie der bildenden Künste sowie ehemalige Mitarbeiterin der Österreichischen Historikerkommission, referierte über „Digital-analog – Das Digitalisat und der Akt in Forschung und Lehre“. Sie kritisierte scharf die Reproproduktionsordnung des Österreichischen Staatsarchivs und forderte, dass in Archiven das Fotografieren sowie das Einstellen der Digitalisate ins Internet allen Benützern ohne Kosten erlaubt werden soll. Sie sprach sich überhaupt für eine Digitalisierungsoffensive in Archiven aus und verwies auf die beiden Digitalisierungsprojekte der Österreichischen Nationalbibliothek (ANNO für historische Zeitungen und ALEX für historische Rechts- und Gesetzestexte). Die anschließende Diskussion beschäftige sich mit Fragen von Open Access sowie der EU-rechtllichen Bestimmung, public sector information (Informationen, die in Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung entstehen) allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich zu machen (PSI-Richtlinie), worin zukünftig auch die staatlichen Archive und Museen miteingeschlossen werden sollen.

Michael Hochedlinger, Archivar im Österreichischen Staatsarchiv, Abteilung Kriegsarchiv, stellte seinen Vortrag unter den Titel  “Miteinander – Gegeneinander – Nebeneinander? Archive und Geschichtswissenschaft im Schatten von Kulturgeschichte und Digitalisierungspopulismus“. Er konstatierte eine Krise der österreichischen Geschichtswissenschaft und ihr folgend eine ebensolche der Archive. Die akademische Geschichtsforschung habe den Bezug zum Lesepublikum verloren, sei, anders als in touristischer Folklore, im öffentlichen Raum abwesend und habe den Charakter einer Orchideendisziplin angenommen. Was an Universitäten im Fach Geschichte gelehrt werde, könne man in Hongkong ebenso wie in Greifswald hören, es sei fast mehr ein in die Vergangenheit transportierter Ethikunterricht. Eine solche Geschichtswissenschaft brauche die Archive als Quellenlager nicht mehr, die stattdessen von Hobbyforschern und Laien frequentiert werden. Die Entfremdung zwischen Archiv und akademischer Wissenschaft gehe mit dem veränderten Berufsbild des Archivars einher. Statt des Historikerarchivars, der selbst akademischer Geschichtsforscher ist, sei nunmehr ein Archivar gefragt, der Dienstleister, Verwaltungsberater, IT-Spezialist und Kulturmanager in einer Person ist, aber nur mehr über rudimentäre geschichtswissenschaftliche Kompetenzen verfügt, ja nach Ansicht auch von ArchivarInnen mehr als solche gar nicht benötigt. Hierin kritisierte Hochedlinger Gerhart Marckhgott und seine Darstellung in seinem Aufsatz „Vom Diener zum Dienstleister“ (in: Archive im Web – Erfahrungen, Herausforderungen, Visionen, hg. v. Thomas Aigner, Stefanie Hohenbruck, Thomas Just, Joachim Kemper, St. Pölten 2011, Seite 12 – 20). Hochedlinger bedauerte, dass im Verständnis vom Archiv als Informationsdienstleister der wissenschaftlich arbeitende Historiker nur mehr am Rande als Benützer in den Blick komme, und zeigte sich betroffen, dass die Ausbildung am Institut für Österreichische Geschichtsforschung, welche nach lange geführter Diskussion endlich den Anforderungen, die seitens der österreichischen Archive gestellt wurden, inhaltlich entspreche, gerade von Archivseite in Frage gestellt wird. Hochedlinger äußerte sich weiters kritisch über den Digitalisierungsoptimismus. Ebenso wenig wie e-government eine e-democracy begründen könne, ebenso wenig würden Digitalisate zu besserer Forschung führen. Was nützen 200.000 mittelalterliche Urkunden im Netz, wenn sie kaum noch jemand lesen kann?

Nach den Vorträgen tagten die Fachgruppen. Das Protokoll des Treffens der Fachgruppe der Archive der Kirchen und Religionsgemeinschaften wird allen Mitgliedern des Verbands Österreichischer Archivarinnen und Archivare, die in einem Archiv einer Kirche, eines Ordens oder einer Religionsgemeinschaft tätig sind, zugesendet.

Den Abschluss des Archivtags bildete die Generalversammlung des Verbands Österreichischer Archivarinnen und Archivare, die im Wesentlichen aus Berichten des Vorstands und der Fachgruppen über die Tätigkeit im vergangenen Arbeitsjahr sowie aus dem Kassabericht für 2011 bestand. Abschließend wurde darauf hingewiesen, dass in der Generalversammlung 2013 ein neuer Vorstand gewählt werden wird und alle Mitglieder des Verbands ermuntert, eine Mitarbeit im Vorstand zu erwägen.

Bericht: Helga Penz und Severin Matiasovits

Aufbaukurs 2012

Es waren engagierte Archivarinnen und Archivare, die von 27. bis 30. 9. 2012 ein verlängertes Wochenende „opferten“, um sich im Bildungshaus Stift Vorau zum Aufbaukurs der Fachgruppe der Archive und Religionsgemeinschaften zu treffen. Die Kursinhalte hatten die TeilnehmerInnen – vertreten waren neben Stifts- und Kongregationsarchiven auch Diözesanarchive, das Archiv der Evangelischen Kirche und jenes der Israelitischen Kultusgemeinde – bei der Anmeldung selbst wählen können. Nachgefragt und im Aufbaukurs behandelt wurden die Themen: Bewertung, Beständeübersichten, Archivmanagement, Handschriftenkunde und Transkriptionsrichtlinien sowie digitale Bilder und Fotoarchive. Es referierte das Kursteam bestehend aus Helga Penz (Referat für die Kulturgüter der Orden) und Peter Wiesflecker (Steiermärkisches Landesarchiv), sowie als geladene Referentinnen Juliane Mikoletzky (Leiterin der VÖA-Arbeitsgruppe Aus- und Weiterbildung) und Elisabeth Schöggl-Ernst (Steiermärkisches Landesarchiv). Einen öffentlichen Abendvortrag über die Stellung der anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften in Österreich hielt Stefan Schima von der Juridischen Fakultät der Universität Wien.
Der Aufbaukurs bot den AbsolventInnen des VÖA-Grundkurses bzw. anderer Ausbildungen die Möglichkeit, sich in archivfachliche Themen zu vertiefen und die Umsetzung der Theorie in die Praxis mit anderen zu erörtern. Fragen der Bewertung oder der Ordnung im Archiv wurden an den konkreten Beispielen der TeilnehmerInnen diskutiert. Besonders die offene Fachdiskussion erlebten alle als sachlich informativ und persönlich bereichernd. Das Ambiente des barocken Stiftes – getagt wurde im „Fürstenzimmer“ – trug sehr zum Gelingen des Kurses bei.

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