Kultur & Dokumentation

Paramente!

Die Congregatio Jesu (ehem. „Englische Fräulein“) hat ihren einmaligen und historisch wie kulturell ungemein bedeutenden Bestand an Paramenten im Jahr 2010 dem Diözesanmuseum von St. Pölten als Dauerleihe übergeben. Die Sammlung umfasst nicht nur liturgische Gewänder, sondern auch Antependien für den Altar im ehemaligen Kloster in St. Pölten sowie, und das ist besonders reizvoll und rar, eine bis in die Barockzeit zurückreichende Kollektion von Stickmustern, die den Schwestern, die lange eine Paramentenwerkstatt hatten, als Vorlagen dienten. Gemeinsam mit den Paramenten des ehemaligen Chorherrenstifts St. Pölten bilden diese beiden Klosterschatzkammern den Hauptbestand an historischen Textilien im Diözesanmuseum St. Pölten.
Der Ausstellungskatalog bietet nicht nur interessante Informationen zu Geschichte und Charakter dieser Bestände, sondern auch eine übersichtlich gestaltete Einführung in die historische Entwicklung und in die Grundbegriffe der Paramentik sowie einen kleinen Leitfaden für die Lagerung und Pflege historischer Textilien. Eine Vielzahl von qualitätvollen Abbildungen ergänzt das rundum gelungene Heft.

Paramente! historische liturgische Textilien. Eine Publikation zur Pflege und Erhaltung historischer Textilien, herausgegeben anlässlich der Sonderausstellung des Diözesanmuseums St. Pölten, 7. Mai bis 12. November 2011. Hrsg. Wolfgang Huber. Wiss. Bearb. und Red. Kathrin Hahn (St. Pölten 2011), 88 S., Preis: € 9
Bestellungen online im Museumsshop des Diözesanmuseums St. Pölten.

 

Geschichte des kirchlichen Lebens

Die achtbändige „Geschichte des kirchlichen Lebens“ von Erwin Gatz ist ein unentbehrliches Standardwerk, das in keiner gutsortierten Ordensbibliothek fehlen sollte. Auch der siebente Band über Klöster und Ordensgemeinschaften, an dem Marcel Albert OSB und Gisela Fleckenstein OFS maßgeblich mitgewirkt haben, ist eine gut geschriebene und klar gegliederte Einführung in die ordenshistorische Entwicklung von 1775 bis in die jüngste Zeit.  Diese zeitliche Klammer macht für die Ordensgeschichte der deutschsprachigen Länder Sinn, setzt sie doch bei den Zeugen barocker Klosterfrömmigkeit und den radikalen Maßnahmen der Säkularisation in den deutschen Fürstentümern bzw. beim österreichischen Josephinismus ein. Die Ausführungen zu einzelnen Orden und Klöstern sind eingebettet in eine allgemeine Kirchengeschichte, die den Hintergrund der besonders reichhaltigen Ordensgeschichte im 19. Jahrhundert ausleuchtet. Die Schwerpunkte in der Darstellung der Geschichte des 20. Jahrhunderts bilden die einschneidenden Veränderungen zur Zeit des Nationalsozialismus und seine Überwindung sowie die Reformbewegung vor, während und nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Die österreichische Ordenslandschaft kommt in den Ausführungen leider manchmal zu kurz, und im Vergleich zu deutschen Entwicklungen wird die historisch gewachsene Situation der österreichischen Orden dadurch nochmals besonders deutlich. Wer ein interessantes, wissenschaftlich profundes und dennoch allgemein verständliches Einführungswerk zur Ordensgeschichte sucht, wird hier gut bedient.

Geschichte des kirchlichen Lebens in den deutschsprachigen Ländern seit dem Ende des 18. Jahrhunderts, Band 7: Klöster und Ordensgemeinschaften, hrsg. von Erwin Gatz (Freiburg im Breisgau-Wien 2006), 472 S., ISBN 978-3-451-23669-3, Preis: € 45.

H. Gregor Schauber (1937 – 2012)

Am 10. Mai 2012 ist Herr Dr. Gregor Schauber, langjähriger Archivar und Bibliothekar des Augustiner Chorherrenstiftes Reichersberg, im 75. Lebensjahr von uns gegangen. Gregor (Wilhelm) Schauber wurde 1937 in Linz geboren und besuchte das Gymnasium der Herz-Jesu-Missionare in Salzburg-Liefering. Schon früh hatte er den Wunsch, Priester zu werden und bereits bei seinem ersten Besuch des Stiftes Reichersberg 1959 bat er um Aufnahme in das Noviziat. Nach seinen theologischen Studien an der Hauslehranstalt des Stiftes Klosterneuburg legte er 1963 die Profess ab und empfing zwei Jahre später die Priesterweihe. Seine ersten Jahre im Konvent verbrachte er als Kaplan in Bromberg, bevor er verschiedenste Aufgaben im Stift übernahm. Herr Gregor war Hauptschullehrer, langjähriger Novizenmeister, Stiftsdechant und Archivar sowie Bibliothekar des Stiftes. Ein besonderes Anliegen waren ihm die Stiftsführungen und nach seinem Studium in Graz (Doktorrat 1979) bemühte er sich in zahlreichen Artikeln und Beiträgen um die Aufarbeitung der Geschichte des Stiftes und des Ordens. Zu nennen sind hier die unzähligen Beiträge im Ordensjahrbuch und seine Arbeiten anlässlich des 900 Jahr-Jubiläums von Reichersberg im Jahr 1984. Am 18. Mai geleiteten ihn seine Brüder und viele Trauernde auf den Reichersberger Ortsfriedhof.

Jahrestagung der Ordensarchive 2012

Die Arbeitsgemeinschaft der deutschen Ordensarchive (AGOA) und die ARGE Ordensarchive Österreichs veranstalteten von 16. – 18. April 2012 ihre zweite gemeinsame Jahrestagung in Freising. Im Rahmen der Tagung erfolgte auch die Neuwahl des Vorstands der Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Ordensarchive, dazu mehr hier.

Das Tagungsprogramm bot folgende Vorträge:
Margit Ksoll-Marcon,  Generaldirektorin der Staatlichen Archive Bayerns: „Das Archivwesen in Bayern – Herausforderungen und Zukunftsperspektiven.""
Helga Penz, Referat für die Kulturgüter der Orden: „Internationale Erschließungsstandards“.
Heinz Dopsch, emeritierter Professor für Vergleichende Landesgeschichte der Universität Salzburg: „Salzburg als Metropole der Kirchenprovinz Bayern.“
Annemarie Fenzl, Diözesanarchiv Wien: „Die Konzilsakten von Kardinal Franz König.“
Guido Treffler, Erzbischöfliches Archiv München: „Die Konzilsakten von Kardinal Julius Döpfner.“
Peter Pfister, Archiv und Bibliothek des Erzbistums Freising und München: „Schimmelschock in der Freisinger Dombibliothek.“
Gerhard Fürmetz, Referat Bestandserhaltung im Bayerisches Hauptstaatsarchiv: „Schadensbilder im Archiv: Erkennen, Bewerten, Maßnahmen.“
Einen ausführlichen Bericht über die Tagung finden Sie auf der Website der AGOA.
Den Vortrag von Helga Penz können Sie hier herunterladen:

Lexikon für kirchliches Kunstgut

Das „Lexikon für kirchliches Kunstgut“ ist ein kompaktes Nachschlagewerk, das dem Leser in über 570 Stichworten von „Abendmahlsengel“ bis „Zunftstange“ Auskunft über die Bedeutung und die Funktion der Kulturgüter der katholischen wie der evangelischen Kirche gibt. Besonders die Gegenstände des liturgischen Gebrauchs werden ausführlich behandelt.
In Geschichte und Gegenwart gehören zum christlichen Kult eine Fülle von kostbaren Gefäßen, Textilien und Kunstwerken wie auch eine Vielzahl von schlichten Utensilien, Gerätschaften und Mobiliar. Nicht wenige dieser Dinge sind heute nicht mehr im Gebrauch und das Wissen um ihre ursprüngliche Funktion ist zu Expertenwissen geworden. Dennoch stellen sie wertvolle Kulturzeugnisse dar, die nicht nur materiell zu bewahren sind. Auch das Verständnis für ihre Bedeutung in der religiösen Praxis soll erhalten bleiben. Die Päpstliche Kommission für die Kulturgüter der Kirche hat darum bereits in einem Schreiben vom 8. Dezember 1999 auf die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Inventarisierung und Katalogisierung hingewiesen. Seitdem wurde in den Diözesen mit der Aufnahme der kirchlichen Denkmäler und Kunstgüter begonnen.
Der deutsche Arbeitskreis für Inventarisation und Pflege des kirchlichen Kunstguts, der dieses Lexikon herausgegeben hat, versorgt damit die Diözesankonservatoren und Kunsthistoriker ebenso wie die Kirchenpfleger, Kustoden und Sakristeiverantwortlichen mit einem handlichen Reallexikon, das nicht nur gut verständliches historisches und theologisches Grund wissen bietet. Es unterstützt auch das Identifizieren und Benennen von vielen heute nicht mehr gebräuchlichen Kultgegenständen und Gerätschaften von „Ablutionskelch“ bis „Subcinctorium“. Österreichische Besonderheiten wie das Beffchen der Augustiner-Chorherren von St. Florian oder der josephinische Klappsarg sind berücksichtigt. Zahlreiche allgemeine Stichworte wie etwa „Kopfbedeckung“, die auf besondere Bezeichnungen wie „Birett“, „Mitra“ oder „Pileolus“ verweisen, erleichtern die Objektbestimmung. Andererseits kann ein derart kompaktes Lexikon keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, und es fehlen daher auch Stichworte wie et wa „Prager Kindl“, „Petrinerkreuz“ oder „Stundenbuch“. Umfangreichere wissenschaftliche Nachschlagewerke der Kunstgeschichte und Theologie kann und will das vorliegende Handbuch daher nicht ersetzen.
Insgesamt ist das „Lexikon für kirchliches Kunstgut “ eine sehr gelungene und nützliche Handreichung für alle, die mit der Bewahrung des künstlerischen und kulturellen Erbes der Kirchen und Klöster betraut sind, und sollte daher auch in einer Ordensbibliothek nicht fehlen.

Lexikon für kirchliches Kunstgut Lexikon für kirchliches Kunstgut. Hrsg. v. Arbeitskreis für Inventarisation und Pflege des kirchlichen Kunstgutes, Schriftleitung: Friedrich Fuchs, Hermann Reidel. Regensburg: Verlag Schnell & Steiner 2010 , 312 Seiten, 16 Farbtafeln, gebunden. ISBN 978-3-7954-2419-0 Preis: € 25,60

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