Kultur & Dokumentation

Zwei Hefte der Ordensnachrichten zum Thema Ordensarchive

Im Rahmen der Herbsttagung der Orden 2005 fand am 22. November dieses Jahres die 1. Informationstagung der „ARGE Ordensarchive“ statt. In diesem Zusammenhang wurde ein eigenes Themenheft der Ordensnachrichten zum Thema „Tradition konkret – Österreichs Ordensarchive“ (Ordensnachrichten 2/2006) gestaltet.

Im Jahr 2009 fand anlässlich des Jubiläums „50 Jahre Superiorenkonferenz“ die erste gemeinsame Tagung der „ARGE Ordensarchive Österreichs“ statt. Die Vorträge der Fachtagung von 27. bis 30. April 2009 im Kardinal-König-Haus in Wien wurden im Jubiläumsheft der Ordensnachrichten (Ordensnachrichten 5+6/2009) publiziert.

Praktische Archivkunde

Handbücher zum Archivwesen sind rar, umso erfreulicher ist die nützliche Handreichung, die das Westfälische Archivamt für die in Ausbildung befindlichen Mitarbeiter von Archiven herausgegeben hat. Auch wenn historische und rechtliche Ausführungen naturgemäß vor allem das Bundesland Nordrhein-Westfalen behandeln, ist doch der überwiegende Teil auch für österreichische Neueinsteiger in die archivische Arbeit ein nützliches Einstiegs- und Nachschlagewerk. Es macht vertraut mit den Grundfragen und Fachbegriffen des Archivwesens, beschreibt die archivischen Arbeiten von der Schriftgutverwaltung über das Erfassen und Bewerten bis hin zum Erschließen von Archivgut, führt in den Aufbau einer Archivbibliothek und die richtige Anwendung von Archivtechnik ein und gibt nützliche Hinweise zur Frage der Archivbenützung durch Dritte. Das Handbuch kann keine archivische Grundausbildung ersetzen, ist aber bereits jetzt ein Standardwerk der Einführung in die Archivkunde.

Praktische Archivkunde: ein Leitfaden für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste  - Fachrichtung Archiv. Im Auftrag des Archivamtes für Westfalen hrsg. von Norbert Reimann. Red. Wolfgang Bockhorst (Münster, 2., überarb. Aufl. 2008), 376 S., ISBN 978-3-87023-255-9, Preis: ca. € 30.

 

Handhabung und Lagerung von mobilem Kulturgut

Das vom Landschaftsverband Rheinland herausgegebene Taschenbuch ist eine nützliche Publikation für all jene, die Kulturgut in unterschiedlicher Form richtig lagern und pflegen wollen. Gegliedert ist die Handreichung in drei Teile, wobei anfangs allgemeine Voraussetzungen im Depot beschrieben werden. Hier finden sich Angaben zum Klima, zum Licht und zu den richtigen Lagermaterialien. Der zweite Teil widmet sich dem mobilen Kulturgut und hier besonders der Verpackung, dem Transport usw. Im letzten Teil werden die verschiedenen Objektgruppen vorgestellt, wobei auf die unterschiedlichen Anforderungen der Materialien eingegangen wird. Die Palette reicht hier vom klassischen Papier über Leder und Felle bis zu Gemälden und Fotos. Die beiden AutorInnen decken in ihrem Buch ein breites Feld ab und liefern damit sehr brauchbare Informationen zum Umgang mit Kulturgut.

Joachim Huber/Karin von Lerber, Handhabung und Lagerung von mobilem Kulturgut. Ein Handbuch für Museen, kirchliche Institutionen, Sammler und Archive (Schriften zum Kultur- und Museumsmanagement) Bielefeld: Verlag Transcript 2003, 186 Seiten, 3 Illustrationen, ISBN: 978-3-89942-140-8, Preis: € 26,60.

Ordensgemeinschaften begehen Jubiläumsfeiern

Vor 100 Jahren kamen die ersten Steyler Missionsschwestern nach Österreich. Die Schwestern ließen sich bei Stockerau an der Stelle nieder, wo bis zur Aufhebung durch Kaiser Joseph II. ein Franziskanerkloster bestanden hatte. Daraufhin begann für die Schwestern aus dem niederländischen Steyler mühsame Aufbau des Gebäudes, bevor diese im April 1912 das neu gegründete St. Koloman-Kloster beziehen konnten. Lange Zeit war St. Koloman Ausbildungsstätte für junge Frauen und seit 1917 ist das Kloster auch Sitz der österreichischen Provinz. Die ersten Jahre waren mehr von der Pflege der Kriegsverwundeten als von der Mission geprägt, doch bald eröffnete ein Kindergarten und ab 1926 fanden Exerzitien und Einkehrtage statt. Durch das Regime der Nationalsozialisten wurde der Aufschwung jäh gestoppt, 1940 folgte die Schließung des Klosters. Nach dem Krieg begannen die Aufbauarbeiten und zunehmend konnten auch Schwestern in die Mission geschickt werden. Dieses Jahr feiern die Schwestern ihr rundes Jubiläum und hoffen nach den Nachwuchsschwierigkeiten der letzten Jahrzehnte auf neuen Aufschwung.

130 Jahre Mariannhill

Das Missionskloster Mariannhill in Südafrika feiert dieses Jahr sein 130jähriges Bestehen.1882 gründete der Trappistenabt Franz Pfanner OCR (1825-1909), ein gebürtiger Vorarlberger, in Mariannhill in der Nähe von Durban in Südafrika ein Trappistenkloster. 1909 wurde das Kloster aus dem Verband der Trappisten gelöst und die Kongregation der Missionare von Mariannhill (Congregatio Missionarium de Mariannhill, CMM) wurde als selbstständiges Ordensinstitut eingerichtet.1886 wurde die erste Niederlassung des Ordens in Österreich in Linz gegründet, 1936 erwarben die Mariannhiller Missionare das Schloss Riedegg (Gallneukirchen), um es als Missionszentrum auszubauen. In Österreich sind die Mariannhiller Missionare als Seelsorger oder in Pfarren tätig. Im Jahr 2012 gedenken die Missionare der Gründung der ersten Niederlassung in Mariannhill vor 130 Jahren.

120 Jahre Salvatorianer

1881 gründete der junge deutsche Priester Johann Baptist Jordan (1848-1918) in Rom eine „Apostolische Lehrgesellschaft“, welche seit 1893 eine „Gesellschaft des Göttlichen Heilands“ (Societas Divini Salvatoris, SDS) für ein Apostolat in der Glaubensverkündigung wurde. In Deutschland waren neue Ordensniederlassungen wegen des Kulturkampfes nicht möglich, weswegen P. Jordan nach einer Gründung in der österreichisch-ungarischen Monarchie strebte. Vor genau 120 Jahren erfolgte dann1892 die erste Kollegsgründung des Ordens im deutschen Sprachraum in Wien-Favoriten (Apostelpfarre). Einige Jahre später (1908) wurde die Provinz Österreich-Ungarn gegründet, welche durch den 1. Weltkrieg ein baldiges Ende fand. Im Jahr 1923 übernahm der Orden einige Pfarren in Österreich und die Niederlassungen und Pfarren der Barnabiten in der Erzdiözese Wien. Im gleichen Jahr wurde die österreichische Provinz errichtet. Heuer feiern die Salvatorianer das 120jährige Bestehen der ersten deutschsprachigen Gründung „Apostelpfarre“ im 10. Wiener Gemeindebezirk.

Forschungspartner Kloster

Kustoden klösterlicher Kunstsammlungen und KunsthistorikerInnen trafen einander am 18./19. Mai 2012 zu einem Austausch über Fragen des kunsthistorischen Forschens in klösterlichen Sammlungen. Die Studientagung war eine Kooperationsveranstaltung des Referats für die Kulturgüter der Orden und des Stiftes Herzogenburg, das heuer das Jubiläum seines 900jährigen Bestehens feiert.
Nach der Begrüßung durch Propst Maximilian Fürnsinn widmete sich die Vormittagssektion dem Thema Portraits in Klöstern. Dr. Friedrich Polleroß vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien moderierte drei Beiträge: Die Innsbrucker Kunsthistorikerin Sonja Fabian referierte über das von der Stiftung der Südtiroler Sparkasse finanzierte und unter der Leitung des früheren Südtiroler Landeskonservators Helmut Stampfer stehende Forschungsprojekt einer Bilddatenbank Tiroler Bildnisse. Das sehr nützliche Unternehmen enthält etwa 30 Prozent von Bildnissen in Klöstern, darunter die Serien von Äbten und Klostervorstehern. Annemarie Wolfslehner präsentierte die Ergebnisse ihrer eben abgeschlossenen Diplomarbeit über die Äbteportraits im Stift Seitenstetten. Stephan Weber, der Kustos der Gemäldegalerie des Prämonstratenserstiftes Schlägl stellte die Geschichte dieser sehr bedeutenden und großen Sammlung dar und zeigte Beispiele der 1800 begonnen und bis heute fortgeführten  einzigartiger Portraitreihe aller Mitbrüder. Es wurde deutlich, dass noch sehr viele Portraits von Ordensleuten in klösterlichen Sammlungen zwar vorhanden, aber der Forschung weitgehend unbekannt sind.

Die Nachmittagssektion moderierte Univ.Doz. Dr. Werner Telesko von der Kommission für Kunstgeschichte an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Die Beiträge brachten einerseits die Situation der Sammlungspflege in den Klöstern selbst zur Sprache. P. Gregor Lechner, Kustos der Göttweiger Kunstsammlungen, beklagte, dass es für die Kustoden in einem Kloster nicht immer einfach sei, die Oberen und Mitbrüder davon zu überzeugen, die Pflege und Erforschung des eigenen kulturellen Erbes zu fördern. Zu knapp seien die Ressourcen und selbst Verkäufe wertvollerer Sammlungsstücke seien kein Tabuthema mehr. Dr. Veronika Pirker-Aurenhammer, Leiterin der Sammlung mittelalterlicher Kunst in der Österreichischen Galerie Belvedere, stellte ein aktuelles Forschungsprojekt ihres Museums vor, bei dem die Zusammenarbeit mit den Klöstern sehr wichtig sei, da es auch um die Rekonstruktion nur mehr fragmentarisch und in Einzelteilen zerstreut überlieferten mittelalterlichen Altären geht. Hier sei Provenienzforschung und Erforschung von Sammlungsgeschichte in den Klöstern sehr wichtig, um die Zusammenhänge einzelner Tafelbilder rekonstruieren zu können. P. Dr. Korbinian Birnbacher, der Kustos der ca. 50.000 Objekte umfassenden Kunstsammlungen der Erzabtei der Erzabtei St. Peter in Salzburg, berichtete über die in letzten Jahren erfolgten Maßnahmen. Er zeigte eindrucksvolle Vorher-Nachher-Bilder, wie aus einer Ansammlung und Abstellkammer bis 2014 ein modernes Museum werden wird. Mittlerweile sind auch schon 13.000 Objekte (von Gemälden bis zur Geschirr- und zur Mineraliensammlung) in einer Datenbank erfasst. Mag. Wolfgang Huber, Leiter des Stiftsmuseums Klosterneuburg führte aus, das ein Großteil der Stiftssammlungen aus Nachlässen und Legaten an das Stift gekommen war. Er stellte als Beispiel die aus dem Nachlass eines Mitbruders an das Stift gekommene Werksammlung der Künstlerinnen Ada und Lida Doxat vor, zweier aus Marburg stammender und um 1910 in Wien ausgebildeter Malerinnen bzw. Graphikerinnen mit einem bisher unbekannten, aber interessanten Oeuvre vorwiegend religiöser Themen. Der Tag schloss mit einer Begehung der neuen Ausstellung im Stift Herzogenburg, die bei der Sammlungspräsentation neue und durchaus auch experimentelle Wege geht. Am Vormittag des zweiten Tages moderierte der H. Ulrich Mauterer, Sammlungskustos des Stiftes Herzogenburg, die Diskussion zum Thema Denkmalpflege: Dr. Michael Bohr präsentierte aus seinem Forschungsprojekt über die barocken Klostermöbel einige Beispiele von Umbauten von Chorgestühlen und Beichstuhlen sowohl der Barockzeit wie auch jüngere Restaurierungs- und Adaptierungsmaßnahmen. Das Atelier Ratheyser stellte die Restaurierung der Abtei der Wiener Mechitaristen (Wiederherstellung der Räume und Möblierung des 19. Jahrhunderts) vor und Mag. Michael Vigl, der Stellvertreter von Bernd
Euler-Rolle in der neuen Stabsstelle des Bundesdenkmalamts, erläuterte die Umstruktuierung der Restaurierwerkstätten: Es sollen in Zukunft verstärkt Musterrestaurierungen anstatt Massenrestaurierungen durchgeführt und die Restauratoren vor Ort angeleitet werden. In der im Anschluss geführten lebhaften Diskussion wurde die Frage erörtert, inwieweit Interessen der Forschung und der Denkmalpflege vereinbar sind mit dem Bedürfnis des Klosters, dass gerade historische Möbel nach wie vor ihre Verwendung finden und daher entsprechend adapiert werden müssen. P. Gottfried Wegleitner, Guardian des Wiener Franziskanerklosters und Stellvertreter des Provinzials der Österreichischen Franziskanerprovinz, bemerkte dazu, dass die Bettelorden jahrhundertelang zuwenig Geld für Modernisierungen hatten kann manchmal auch ein Vorteil sein – aus diesem Grund besitzt die Wiener Franziskanerkirche jetzt die älteste Orgel Wiens.
Neben P. Gottfried nahmen an der abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema „Was nützt die Forschung den Klöstern? Was nützen die Klöster der Forschung?“ weitere Vertreter sowohl der Klöster wie der Forschung teil. Univ. Doz. Dr. Werner Telesko erläuterte, dass nicht nur die Klöster unter knappen finanziellen und personellen Ressourcen in Fragen der Kulturgüterpflege  litten, sondern auch die öffentlichen und akademischen Forschungseinrichtungen und plädierte engagiert für eine engere Zusammenarbeit und Vernetzung. Ao. Univ.Prof. Ingeborg Schemper-Sparholz vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien zeigte sich optimistisch, was das Interesse junger Nachwuchswissenschafter an Forschung über Klöster betreffe und  meinte, es sei sinnvoll, wenn die universitäre Lehre hier mit den Klöstern zusammenarbeite und Seminare und Praktika in klösterlichen Sammlungen anbiete. Dr. Martin Haltrich, Mitarbeiter der Kommission für Schrift- und Buchwesen an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Sammlungskustos des Stiftes Zwettl konnte von gelungenen Beispielen solcher Kooperationen berichten. P. Dr. Gerfried Sitar, Sammlungskustos und Ausstellungskurator des Stiftes St. Paul im Lavanttal, erläuterte, dass Ausstellungen in Klöstern ein wichtiger Anlass für kunsthistorische Forschung sein können und sollen. Ein wichtiges Thema in der Diskussion war auch die Frage der Finanzierung solcher Forschung. P. Gerfried erläuterte, dass mit der Ankündigung von Verkaufsabsichten aus St. Paul eine öffentliche Diskussion darüber angeregt werden sollte, und führte weiters aus, dass das  Vermieten von Gesamtausstellungen eine mögliche Einnahmequelle für ein Kloster sein kann. Dr. Veronika Pirker-Aurenhammer wünschte sich mehr kompetente Ansprechpartner für die Sammlungen im klösterlichen Besitz. Wo dies nicht durch die Ordensleute selbst möglich sei, durch angestellte Kunsthistoriker, die die Sammlung betreuen. Die Vertreter der Klöster sahen allerdings wenig Möglichkeit, dass ein Kloster im ohnehin schon finanziell nicht unaufwendigen Bereich der Kulturgüterpflege (Archive, Bibliotheken und Sammlungen) solche Personalkosten tragen könne. Helga Penz schloss die Diskussion mit den Worten: „Der Kulturbereich ist heute einer, bei dem die österreichischen Klöster punkten können. Daraus kommen positive Berichte über die Klöster und Orden. Und was das Geld betrifft: Wir fragen auch nicht, was uns die Caritas kostet, denn sie ist ein Dienst am Nächsten. Auch die Pflege des kulturellen Erbes, ihre Öffnung für Forschung und Öffentlichkeit, ist ein Dienst an der Gesellschaft und eine Caritas.“

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