Floridus Röhrig (1927-2014)

Am 28. April 2014 verstarb im 87. Lebensjahr Floridus Röhrig CanReg, der emeritierte langjährige Bibliothekar, Archivar und Kustos des Stiftes Klosterneuburg. 53 Jahre lang hat er dieses Amt ausgeübt.
Der gebürtige Wiener trat an seinem 21. Geburtstag, zur Augustinusvigil des Jahres 1948, in das Augustiner Chorherrenstift Klosterneuburg ein. Er studierte an der Universität Wien und wurde 1954 zum Priester geweiht. 1959 absolvierte er am Institut für Österreichische Geschichtsforschung die Ausbildung in Historischen Hilfswissenschaften und wurde zum Kustos und Bibliothekar des Stiftes Klosterneuburg bestellt, 1962 auch zum Archivar. 1960 wurde er zum Doktor der Theologie promoviert und unterrichtete an der Klosterneuburger Hauslehranstalt. Am Institut für Kirchengeschichte der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien lehrte er seit 1986 als Universitäts-Dozent, seit 1992 als außerordentlicher Universitätsprofessor.
Seine besondere wissenschaftliche Leistung zeigt sich nicht nur in zahllosen Publikationen, besonders zur Geschichte und Kunstgeschichte des Stiftes Klosterneuburg, der Augustiner Chorherren und des Landes Niederösterreich, sondern auch in seiner Gabe, die Komplexität historischer Ereignisse von allen Seiten zu betrachten. Lange bevor der Begriff des Interdisziplinären in der Wissenschaft etabliert wurde, stellte Floridus Röhrig quellenkritisch die historischen, kunsthistorischen und theologischen Aspekte geschichtlicher Themen dar. Dabei gelang es ihm nicht nur mit unverfälschtem Blick an die Quellen heranzugehen, sondern auch diese in eine verständliche und dabei literarisch ansprechende Form zu kleiden. Die Fähigkeit, Geschichte einer breiten Zuhörer- und Leserschaft spannend zu vermitteln, zeigte er auch als Kurator mehrerer Landesausstellungen. Seinen Studenten und allen jungen Wissenschaftlern, die sich an ihn wandten, brachte er großes Interesse entgegen und gab wichtige neue Impulse zu Forschungsarbeiten.
Im Stift Klosterneuburg baute er das Museum auf, erweiterte die Stiftsbibliothek und förderte die Bauforschungen der 1980er-Jahre, die erstmals neue Erkenntnisse zu den Gründungsbauten des Stiftes brachten und in der großen, von ihm kuratierten Landesausstellung zum Leben des hl. Leopold 1985 gipfelten. Er initiierte die Übersiedlung und Neuaufstellung des Stiftsarchivs, erstmals wurden hier die über das gesamte Haus verteilten Archivbestände zusammengeführt und in geeigneten Räumen untergebracht.
Floridus Röhrig war Gründungsmitglied des Verbandes der Österreichischen Archivarinnen und Archivare (VÖA) und nahm an den ersten Bestrebungen, einen Verband der Ordensarchive zu gründen, regen Anteil. Er unterstützte daher in den Jahren 2003 und 2004 mit großer Freude – trotz seines immer vollen Terminkalenders – die Vorarbeiten zur Gründung der ARGE Ordensarchive als Mitglied des Vorbereitungsteams.
Nicht zuletzt seine Heiterkeit, die er seinen Aufgaben und seinen Mitmenschen entgegenbrachte, und so manche frohe Stunde, die wir mit ihm verbringen durften, machen ihn uns unvergessen. Nun stehen die großen Feiern zum 900-Jahr-Jubiläum des Stiftes Klosterneuburg bevor. Viele Erkenntnisse über diese vergangenen Jahrhunderte haben wir Floridus Röhrig zu verdanken. Mögen wir uns auch bei diesem Fest an ihn erinnern. Wir werden ihn sehr vermissen.

Susanne Fritsch-Rübsamen